„Gemäßigt“, „Irrweg“, „Er wurde vom 7. Oktober überrascht“: So verharmlosen deutsche Medien Hamas-Führer Haniyeh
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Der Hamas-Führer Ismail Haniyeh wurde in Teheran gezielt getötet. Die islamische Welt schäumt, Amerika beteuert, nichts damit zu tun zu haben, Israel schweigt sich aus. Und was tun die Deutschen? Sie rufen „beide Seiten“ zur Mäßigung auf und verharmlosen den Terroristen.
Die Huthi-Miliz im Jemen sprach von einem „abscheulichen terroristischen Verbrechen“. Es handele sich um „eine eklatante Verletzung von Gesetzen und ideellen Werten“. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan schrieb auf X von einem „hinterhältigen“ Anschlag auf seinen „Bruder“ Haniyeh, die palästinensische Terrororganisation Islamischer Dschihad sprach von einem „abscheulichen Mord“. Für die libanesische Hisbollah war der Hamas-Führer „einer der großen Widerstandskämpfer unserer Zeit“. Und auch Russland, wo die Gegner Putins reihenweise aus Fenstern und von Balkonen fallen, sprach von einem „inakzeptablen politischen Mord“.
So weit würde man in Deutschland nicht gehen, es wird aber auch keine Gelegenheit versäumt, nun in altbewährter Manier eine „Spirale der Gewalt“ zu beschwören und vor einer „Eskalation“ zu warnen, die einen „Flächenbrand“ in der Region zur Folge haben könnte.

In Pakistan ehren Islamisten Haniyeh als „Märtyrer“, westliche Medien stellen ihn als „gemäßigt“ dar.
Und Baerbock sagt lieber gar nichts
In diesem Sinne mahnte das Auswärtige Amt „alle Akteure zu maximaler Zurückhaltung“: „Die Logik gegenseitiger Vergeltungsschläge ist ein Irrweg“, sagt ein Sprecher von Baerbocks Ministerium. Er rief dazu auf, einen kühlen Kopf zu bewahren und alles für eine Deeskalation zu tun. Außenministerin Annalena Baerbock, die kürzlich noch behauptete, der 7. Oktober sei „auch für die Palästinenser der schlimmste Tag“ gewesen, weswegen sie sich über die Neutralisierung Haniyehs eigentlich freuen müsste, äußerte sich bisher gar nicht.
RTL raunt, die Tötung Haniyehs „dürfte für weitere Spannungen in der Region sorgen“. Die Süddeutsche Zeitung nennt die Liquidierung Haniyehs einen Erfolg Israels, der aber auch „eine weitere Eskalation des Konfliktes bedeuten wird“. Haniyeh galt, so die SZ, „für einen Hamas-Führer als eher gemäßigt“, und sie versteigt sich sogar zu der abenteuerlichen Behauptung, dass der Hamas-Führer „auch eine Zweistaatenlösung akzeptiert“ hätte, wofür es nun wirklich keinerlei Beleg gibt. Im Gegenteil bestand Haniyeh immer wieder ausdrücklich darauf, das Existenzrecht Israels niemals anzuerkennen, was ja auch Konsens in der Terrororganisation und sogar unter den meisten Palästinensern ist.
In der tagesschau bezeichnet Christian Limpert, ARD-Korrespondent in Tel Aviv, Haniyeh als „Chef des Politbüros, eine der führenden Kräfte in der Hamas“: „Mit dem Tod von Haniyeh sind Friedensbemühungen im Gazastreifen, Bemühungen um eine Waffenruhe, um einen Geiseldeal, erstmal sehr wahrscheinlich weiterhin sehr erfolglos.“ Als hätte Haniyeh ohne Abstimmung mit bzw. Zustimmung von Yahia Sinwar in Gaza irgendwelche Zugeständnisse machen können, die einen „Deal“ ermöglicht hätten.
Schlimmer noch: Limpert spricht nun von „Meldungen, die sagen, er war von dem Terrorangriff der Hamas aus dem Gazastreifen nicht in Kenntnis gesetzt, war selbst überrascht über das brutale Ausmaß.“ Dass es eine Art „Arbeitsteilung“ in der Hamas-Führung gibt, der uniformierte Sinwar im Gazastreifen die Schmutzarbeit macht und Haniyeh sich im Ausland im feinen Zwirn mit Ayatollahs und Emiren trifft, scheint Limpert nicht zu wissen. Indes ist es äußerst unwahrscheinlich, dass „der Führer nichts gewusst haben“ könnte.
Tatsächlich existieren Aufnahmen von Haniyeh, die ihn am 7. Oktober zeigen, wo er zufrieden lächelnd im Fernsehen die Bilder vom „Al-Aqsa-Flut“ genannten Massaker betrachtet und mit seinen Gefährten betet, um „Gott für diesen Sieg zu danken“.
„Verfechter einer pragmatischen Linie im Nahost-Konflikt“
Wohin man auch blickt in der deutschen Medienlandschaft: Es wird versucht, aus Haniyeh, der – selbst wenn man vom 7. Oktober absieht – viele hundert Israelis bei ungezählten Terroranschlägen ermorden ließ, noch irgendwie einen vergleichsweise moderaten Typen zu machen. Die Zeit, eine dpa-Meldung übernehmend, nennt ihn eine „realpolitische Stimme“, „Pragmatiker“, „Auslands-Chef“, „politische Führungsfigur“ und eine „Schlüsselfigur für internationale Vermittler“.
Die FAZ spricht von einem „Realpolitiker der Hamas“, die Deutsche Welle schreibt: „Hanija galt als eher gemäßigt“ – jedenfalls für Ahnungslose: „Trotz seiner harten Rhetorik in der Öffentlichkeit wurde Hanija im Vergleich zu den Hardlinern der Hamas im Gazastreifen als gemäßigt angesehen. Bei arabischen Diplomaten und Politikern wurde er als relativ pragmatisch eingeschätzt. Auch das ZDF meint, dass Haniyeh „als Verfechter einer pragmatischen Linie im Nahost-Konflikt“ gegolten habe, allerdings: „Das Existenzrecht eines israelischen Staates erkannte die Hamas jedoch auch unter ihm nie an.“ Natürlich nicht. Trotzdem ist er für heute das „Gesicht der internationalen Diplomatie der Hamas“.

Herr Halasz hat ein „ungutes Gefühl“
Geradezu erschütternd naiv äußerte sich NDR-Journalist Gabor Halasz auf der Plattform X zur Causa: „Bleibt immer ein ungutes Gefühl, wenn Terroristen und Massenmörder wie #Hanija nicht vor Gericht landen, wo sie hingehören. Sondern eliminiert werden.“
Da sich Haniyeh dem Zugriff der Israelis entzog, indem er sich seit 2019 in Katar, der Türkei oder dem Iran aufhielt, hätte Israel sich Halasz’ Ansicht nach offenbar mit einem Auslieferungsgesuch an die katarischen Scheichs und die iranischen Mullahs wenden sollen – mit grandiosen Erfolgsaussichten. Oder hätten ihm in Teheran israelische Ermittler persönlich einen Haftbefehl zustellen sollen? Zu glauben, dass sich der Internationale Strafgerichtshof mit einem wie Ismail Haniyeh beschäftigen würde, ist gleichermaßen illusorisch – weder die UN noch die EU betrachten die Hamas als das, was sie ist: eine durch und durch antisemitische Terrororganisation, die den Nahost-Konflikt schon aus ihrem Selbstverständnis heraus immer weiter befeuert.
In Den Haag wäre Haniyeh – das „eher gemäßigte“, „relativ pragmatische“ „Gesicht der internationalen Diplomatie“ – sicher nicht gelandet. Zum Glück ist der jüdische Staat willens und in der Lage, sich auch ohne den Segen des Auswärtigen Amtes oder der deutschen Presse angemessen mit seinen erklärten Todfeinden auseinanderzusetzen.
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