Gesinnungs-Kurs im Klassenzimmer: So flankieren ARD & ZDF die „Anti-Rechts“-Workshops in Schulen
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ARD und ZDF betreiben den Kinderkanal Kika, dessen Angebot sich an Kinder ab 3 Jahren richtet. Neben einem umfangreichen Online-Angebot in den Social-Media-Kanälen und der Mediathek ist das Programm im linearen Fernsehen empfangbar. Für alle, die Kika nicht kennen: Dort laufen fiktionale Inhalten (Filme und Serien), gleichzeitig werden gesellschaftspolitische Inhalte für die Kleinsten aufbereitet.
Darunter: Das Format Neuneinhalb, das vom WDR produziert wird. Neuneinhalb versteht sich als Nachrichtensendung, die in neuneinhalb Minuten Kindern ab 9 Jahren die Themenkomplexe „Politik & Weltgeschehen“, „Umwelt & Klima“ oder auch „Gesellschaft & Medien“ näherbringen möchte.

„Was ist Rechts?“, möchte die Reporterin auf einer Demo in Duisburg wissen. (Quelle: Kika)
Vom Klassenzimmer ins Kinderprogramm: gesellschaftspolitisch korrekte Einordnungen
So widmet sich eine kürzlich erschienene Folge von Neuneinhalb der Frage: „Rechts und rechtsextrem – was ist das?“ Zunächst startet die Folge durchaus vielversprechend. Die Reporterin besucht eine „Anti-Rechts“-Demo in Duisburg, um der Frage nachzugehen, was für die Demonstranten der Begriff „Rechts“ eigentlich bedeutet. Die Befragten definieren „Rechts“ als Intoleranz und „Menschen, die sich über andere Menschen stellen“. Ein kurzer Einspieler erläutert die geschichtliche Herleitung der politischen Positionen „Links“ und „Rechts“ und erklärt, dass die Grenze zu Extremismus dort zu ziehen sei, wo die demokratische Grundordnung abgelehnt würde.
Um der Frage auf den Grund zu gehen, in welcher Form sich der Rechtsextremismus durch die Gesellschaft frisst, besucht die Reporterin eine Schule in Nordrhein-Westfalen. Dort wird gerade ein Workshop des SPD-nahen DGB Bildungswerks abgehalten, mit dem Ziel, dass die Schulkinder im „Kampf gegen Rechts“ lernen, auf der richtigen Seite zu stehen. Das junge Publikum erfährt, dass es zwar keine einheitliche Definition des Begriffs „Rechtsextremismus“ gebe, die Anhänger dieser Ideologie aber Diversität und fremde Religionen ablehnen und sich als überlegen gegenüber anderen Gruppen einordnen.

Trainer Aljoscha vom DGB Bildungswerk hält Workshops gegen Rechts im Klassenzimmer. (Quelle: Kika)
Schulkinder trainieren den richtigen Umgang mit rechtsextremen Nachbarn
Ein weiterer Programmpunkt im Workshop ist das Thema „Medienkompetenz“. Die Schulkinder sollen nun AfD-Flyer und Zeitungsartikel hinsichtlich rechtsextremistischer Aussagen bewerten. Anschließend gehen die Schulkinder zu einer praktischen Übung über. Sie trainieren, wie sie Rechtsextremisten im Alltag begegnen können.
Mit eindringlichem Blick und in klaren Worten schwört DGB-Workshop-Leiter Aljoscha die Schulkinder auf die Aufgabe ein: „Stellt euch vor, ihr trefft eure Nachbarin im Hausflur. Sie kommentiert laut im Vorbeigehen: ‚Es wird immer schlimmer mit diesen Ausländern, man kann sich nicht mehr aus dem Haus trauen.‘ Ihr dürft aufstehen und euch entscheiden, ob ihr das Ganze ignoriert, ob ihr euch positioniert oder ob ihr in die Diskussion geht!“ Anti-Rechts-Trainer Aljoscha deutet dabei auf verschiedene Ecken im Klassenzimmer, wo sich Team Ignorieren, Team Positionieren und Team Diskussion zusammenfinden sollen.

Positionierungs-Übungen im Workshop: Die Schüler lernen, sich richtig zu verhalten (Quelle: Kika)
Friedfertigkeit ist keine Lösung
Nachdem sich die Teams gebildet haben, sollen einzelne Schüler ihre Beweggründe für ihre Entscheidung erklären. Ein Mädchen mit Migrationshintergrund, die sich für das Team Ignorieren entschieden hat, rechtfertigt sich, dass es sich nicht lohne, „Stress zu machen“ wegen dieser Aussage. Offenbar hat sie nicht die beste Wahl getroffen. Trainer Aljoscha ermahnt die Kinder mit strengem Blick und gerunzelter Stirn, dass Ignorieren dazu führen würde, dass immer mehr Tabus gebrochen werden und es so vermehrt zu offenen Anfeindungen auf der Straße käme. Die Kinder sollten besser nach den Beweggründen für eine derartige Aussage fragen. Friedfertigkeit, so lernen die Kinder, ist jedenfalls keine Option.
Die Reporterin möchte wissen, was die Kinder aus dem DGB-Workshop an neuen Erkenntnissen mitnehmen. Ein Mädchen wird nun verstärkt darauf achten, was in ihrer Umgebung passiert, eine andere bekräftigt, dass Ignorieren jedenfalls keine Lösung sei.
Die Zeit zum „Zeichen setzen“ ist gekommen
Ein bunt animierter Einspieler erklärt nun dem jungen Publikum ab neun Jahren, was die Aufgabe des Verfassungsschutzes ist und wie dieser zu seinen Einschätzungen hinsichtlich der AfD und JA in den östlichen Bundesländern gelangt. Inwiefern es pädagogisch wertvoll ist, Verfassungsrecht und andere komplexe juristische Vorgänge der Behörde kindgerecht aufzubereiten, bleibt an dieser Stelle offen.

Der Verfassungsschutz ist jetzt auch Thema im Kinderprogramm. (Quelle: Kika)
Der Beitrag endet mit Bildern von einer „Anti-Rechts-Demo“, die dazu beitragen, „ein Zeichen“ gegen das rechtsextreme Klima in diesem Land zu setzen. Zur Verabschiedung ermuntert die Reporterin die zuschauenden Kinder dazu, der Redaktion zu schreiben, was sie auf den „Anti-Rechts-Demos“ erlebt haben.
Offensichtlich sind die Zeiten vorbei, in denen das Kinderprogramm als harmlos fröhliche Unterhaltung mit spielerischen Lerninhalten daherkam. Ob als Klassenzimmer-Workshop oder als Kindersendung verpackt – die Kinder sollen so früh wie möglich lernen, welche die richtige Seite ist, auf der sie zu stehen haben.
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