Gottschalk rechnet mit der Sprachpolizei ab: Die letzten Worte bei „Wetten, dass…“: „Dann sag ich lieber gar nichts mehr!“
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„Ich rede zu Hause anders wie im Fernsehen“
Während der Sendung erklärte Gottschalk, was ihn bewogen habe, nun endgültig Schluss zu machen mit „Wetten, dass..?“: Zum einen wolle er nicht, dass „man mir meine Gäste erklären muss“. Zum anderen fühlt sich Gottschalk in seiner Sprache immer mehr unter Druck gesetzt und betont: „Und der zweite Grund ist natürlich der, dass ich – und das muss ich wirklich sagen – immer im Fernsehen das gesagt habe, was ich zu Hause auch gesagt habe.“
„Inzwischen rede ich zu Hause anders wie im Fernsehen und das ist auch keine dolle Entwicklung. Und bevor hier irgendein verzweifelter Aufnahmeleiter hin und her rennt und sagt 'Du hast wieder einen Shitstorm hergelabert', dann sage ich, dann sage ich lieber gar nix mehr“, sagte Gottschalk am Samstagabend.
Gottschalk ledert mit diesen Worten gegen eine hypersensibele Sprachpolizei, die den gesellschaftlichen Diskurs über Geschlechter und politische Korrektheit übernommen hat. Den ganzen Ausschnitt sehen Sie hier:
Tatsächlich bewahrheiteten sich die von Gottschalk ausgegebenen Befürchtungen noch am selben Abend. Wer ausspricht, was die Mehrheit denkt, landet in sozialen Medien sofort in einer Tsunami-Welle der Kritik. So konnte etwa der ehemalige Wettermoderator Jörg Kachelmann den Appell von Gottschalk nur schwer ertragen. Er ätzte gegen Gottschalks Sorgen, die „peinlich hergeheuchelter Boomerschwachsinn“ seien.
Peinlich hergeheuchelter Boomerschwachsinn, wenn einem altershalber nichts mehr einfällt und man bedauert, dass die Sachen aus den 80ern 40 Jahre später nicht mehr so gut laufen, weil sie jeder mal gehört hat.
— Jörg @kachelmann anderswo: @realkachelmann (@Kachelmann) November 25, 2023
Unvermögen umgeopfert, weil das Eitel so sehr kickt.#Wettendass https://t.co/5qP9uSXhDT
Eine Abschieds-Show mit allen Komponenten des Erfolgs
Die Show bot nochmal alles auf, was dazu gehört und was bei vielen Zuschauern Erinnerungen an Kindheitstage weckt. Popstars hautnah, die durchs Publikum spazieren und dann zum Flieger müssen. Menschen, die verrückte Wetten präsentieren und sich die Bühne mit Prominenten teilen. Dazwischen Moderator Thomas Gottschalk, der in seiner lässig-lockeren Art mit den Wettkandidaten ebenso plaudert wie mit den Stars. Und dass er sich bei Namen verhaspelt – geschenkt. Auch das hat schließlich irgendwie Tradition bei „Wetten, dass..?“.

Typisch Bagger-Wette: Gottschalk verließ per Radlader die große Bühne.
Seine Abschiedsshow sollte ein fröhlicher Abend werden, kündigte er an. Das wurde es auch. Gekleidet war der Moderator vergleichsweise dezent: Er trug einen Anzug in hellem Kardinalsrot und dazu Samtslipper.
Gottschalk führte ohne seine einstige Co-Gastgeberin Michelle Hunziker durch die Show, noch einmal wollte er es alleine machen und zeigen, dass er keine Hilfe braucht, wie er schon im Sommer gesagt hatte. Nach der letzten Sendung im November 2022 hatte es Kritik gegeben, Michelle Hunziker habe letztlich die Show im Griff gehabt.

Sängerin Cher veröffentlichte mit 77 Jahren ihr erstes Weihnachtsalbum und sang daraus „DJ Play a Christmas Song“
Die Wettkandidaten zeigten, dass es auch nach 40 Jahren noch neue, verrückte Ideen gibt. Ein Mann erkannte Hähne am Krähen. Acht Männer zogen bei der Außenwette in der Schweiz eine sieben Tonnen schwere Seilbahn zehn Meter bergauf. Wettkönigin wurde eine Frau, die frühere Wetten des Show-Klassikers anhand von bunten Strichcodes wiedererkennen konnte. Doch auch wenn eine Wette nicht gelingt – Gottschalk lässt seine Kandidaten alle Sieger sein, ganz besonders bei der Kinderwette.

Die Kandidaten und Gottschalk kurz vor der Bekanntgabe des Wettkönigs
Frank Elstner, der die Show einst erfand und selbst moderierte, brachte am Ende auf den Punkt, wer bei „Wetten, dass..?“ im Mittelpunkt steht: „Der Mensch, den keiner kennt und der am Samstagend plötzlich zum Star wird, (...) der Horst mit seinen Hähnen, den werde ich nie vergessen. Das sind die Momente, die die Sendung immer wieder gebracht hat.“

Moderator Thomas Gottschalk, Cher und die Schauspieler Stefanie Stappenbeck und Jan Josef Liefers
Auf dem berühmtesten TV-Sofa der Nation begrüßte Gottschalk unter anderem den Schauspieler Matthias Schweighöfer sowie die Ex-Sportler Bastian Schweinsteiger und Ana Ivanovic. Dass er bei den Nachnamen durcheinander kam, nahm er mit Humor: Wenn er seine Wette verliere, wolle er zehnmal am Stück Bastian Schweinsteiger sagen.
Die Sängerinnen Helene Fischer und Shirin David präsentierten gemeinsam Fischers Erfolgshit „Atemlos“, der vor zehn Jahren erstmals veröffentlicht wurde. Gottschalk schlitterte dann mit Shirin David in eine Diskussion auf der Promi-Couch über Feminismus und Influencer. Die Sängerin konterte und kassierte von Gottschalk prompt typische Schwamm-Drüber-Sätze wie: „Lass mich doch labern hier.“

Die Sängerinnen Helene Fischer und Shirin David präsentierten gemeinsam Fischers Erfolgshit „Atemlos“
Gottschalk beendete seine Sendung mit versöhnlichen Worten: „Ich bin nicht verzweifelt, mein Leben geht weiter und ich freue mich auf alles, was kommt.“ Dank richtete er an sein Publikum, ohne dieses hätte „das alles keinen Sinn gehabt“. Elstner umarmte Gottschalk schließlich zum Abschied und würdigte seine Arbeit. „Ich bin dankbar dafür, dass Du so lange durchgehalten hast“, sagte er. In einer Videobotschaft während der Show verabschiedeten Gottschalk auch die Rolling Stones.

Passend zu den zahlreichen Baggerwetten in der Vergangenheit wurde der Showmaster schließlich auf einem Bagger aus der Halle gefahren. Es war seine 154. Sendung. Von den Zuschauern gab es lautstarken Jubel für Gottschalk. Und vielleicht war es genau deswegen ein gelungener Zeitpunkt zum Aufhören.
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