„Hätte nicht passieren dürfen”: Sogar Georg Restle kritisiert Einsatz von Schauspielern bei ARD-Show
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Am Montagabend hatte die ARD 100 Personen in der Show „Die 100“ über die Frage abstimmen lassen, ob die AfD gefährlich für Deutschland ist – und das kurz vor der Landtagswahl in Brandenburg. Die Enthüllung über den Einsatz von Schauspielern bei der ARD-Show löste einen Skandal aus. Selbst der ARD-Journalist Georg Restle (Monitor) äußerte Kritik an dem Vorgehen.
Auf X schrieb Restle zunächst: „Klar, es muss einem nicht gefallen und man kann und darf auch kritisieren. Aber es ist schon erstaunlich, wie viele von denen, die behaupten, ‚NIIIEEEEMAAAALS!!‘ Programme des ÖRR zu schauen, heute und gestern #die100 geschaut haben.“ Angesprochen auf den Einsatz des Schauspielers Michael Schleiermacher, reagiert der Journalist mit: „Kann und darf man kritisieren. Hätte nicht passieren dürfen – und ärgert die Macher selber. Wer dagegen behauptet, das sei ‚böse Absicht‘ gewesen, verbreitet Verschwörungsmythen.“

Was ist passiert?
Hintergrund ist der Auftritt des Teilnehmers Michael Schleiermacher, den die ARD als Bürokaufmann darstellte. Schleiermacher mimte gegen Ende der Show den Bekehrten und behauptete, die Argumente hätten ihn davon überzeugt, dass die AfD ein „Wolf im Schafspelz“ sei.
Schnell jedoch überprüften findige Nutzer auf X den Mann und fanden heraus, dass er als Laienschauspieler bei der Agentur Stagepool angemeldet ist. Auf dem Job-Portal bewirbt sich Schleiermacher mit den Worten: „Es heißt immer, es werden neue Gesichter gesucht – hier bin ich und ich beiße nicht.“ Außerdem schreibt er: „Auch werde ich in weiteren neuen Serien, die 2024 in ARD und ZDF starten, in Sprechrollen zu sehen sein. Manchmal nur mit 1-2 Sätzen, aber das reicht mir, es muss keine Hauptrolle sein.“
Weiterer Schauspieler-Teilnehmer entdeckt
NIUS wollte von der ARD wissen, warum ein Schauspieler dafür eingesetzt werde, einen authentischen Bürger zu spielen, der sich von der AfD abwendet. Der zuständige NDR antwortete:
„Der Norddeutsche Rundfunk weist die erhobenen Vorwürfe zur Produktion ‚Die 100‘ als falsch zurück. Es werden keine Darstellerinnen oder Darsteller eingesetzt. Im Mittelpunkt der Sendung stehen Menschen aus der Bevölkerung, die frei ihre Meinung äußern. Jede und jeder kann sich für die Teilnahme an der Sendung bewerben. Die Teilnehmenden erfahren erst kurz vor der Aufzeichnung der Sendung, welches Thema behandelt wird. Der NDR schließt keine Menschen aus, die als Privatperson teilnehmen – auch nicht aufgrund von Nebentätigkeiten im darstellenden Bereich.“
Der NDR behauptet also, dass keine Darsteller eingesetzt werden. Wie aber passt das damit zusammen, dass auch ein zweiter Teilnehmer der Show als Laienschauspieler arbeitet – und zwar bei derselben Agentur?
Auch Harry Leutfried Tomberg nahm an der Show teil. Auf seiner Seite bei Stagepool schreibt er: „Ein unerwarteter Neustart im Ruhestand – Meine aufregende Reise in die Filmbranche“.

X-Nutzer Rudolph Freshokowski hatte als Erster die wahre Identität von Tomberg entdeckt.
Zwei Schauspieler von derselben Agentur, die sich per Zufall als Privatpersonen für dieselbe Show bewerben, ohne dass die ARD vorher auf die Suche nach Darstellern gegangen sein soll? Das erscheint unglaubwürdig. Vielmehr deutet diese Doppelung darauf hin, dass Teilnehmer für die Sendung tatsächlich über Agenturen rekrutiert wurden.
Die Frage, ob die ARD also bewusst die Unwahrheit gesagt hat, als sie angab, nicht bewusst Schauspieler eingesetzt zu haben, bleibt offen ...
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