Irre Debatten auf Digital-Messe republica: Journalisten bestimmen, was sie wissen sollen – und was nicht!
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Die „republica“ versteht sich als ein Festival für die digitale Gesellschaft, das kürzlich in Berlin unter dem Motto „Who cares“ tagte. Die „republica“ wird unter anderem von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert und konnte so mehr als 350.000 Euro Steuergeld einstreichen. Es um Medien und Kultur und Politik – eine Melange aus linksideologischen Themenwelten, die in Vorträgen und Workshops erlebbar gemacht werden.
Dieses Jahr kamen rund 30.000 Besucher den in den Genuss wortgewaltiger Debatten, die verstörende Einblicke in die Gedankenwelt der selbsterkorenen Meinungselite dieses Landes geben. Diskutiert werden gesellschaftliche Schieflagen, wie der „Gender-Sleep-Gap“, „Fake Smile – wie Antifeminismus die Demokratie angreift“, oder „FLINTAS* und Technik“.

Claudia Kampfert und Carolin Emcke im Talk "Was wahr ist" auf der republica. (Quelle: Youtube, re:publica)
In dem Talk „Was wahr ist“ tauschen sich die Grünen-nahe Klima-Expertin Claudia Kemfert, bekannt als Dauergast bei ARD und ZDF, und die Autorin des Buches „Gegen den Hass“ Carolin Emcke zu dem Themenkomplex „Gewalt und Klima“ aus. Interessanterweise sind nicht nur die Klima-Ikonen Carla Reemtsma und Luise Neubauer sind mit dem Tabakkonzern Reemtsma verbandelt: Auch Emckes Vater war Manager bei dem Reemtsma.
Sehnsucht nach totalitären Lebenswelten
Das Gespräch wirkt zunächst wie eine tiefschürfende Erörterung verschiedener Kommunikationsstrategien, wie sie beispielsweise von Klimaaktivisten praktiziert werden. Und mündet nach wenigen Minuten in der Zustimmung und Sehnsucht nach totalitären Lebenswelten. So kritisiert Emcke den öffentlichen Diskurs zur Wärmepumpe damit, dass zu viele technische Details erörtert worden seien. Sie schalte da ab, sie möchte diese Details auch nicht verstehen. „Ich möchte, dass es beschlossen, angeordnet wird, ich verpflichtet werde, ich nicht nachdenken muss“, wünscht sich Emcke von der Klima-Politik. Kemfert knüpft an die Leugnungsdebatten an. Die Wissenschaft solle das stete Begründen von Standpunkten beenden, da es zum Klimawandel schlichtweg keine Gegenposition geben würde, so die Klimaexpertin.
Bullshit Debatten, die verdummen
Energisch ergreift Emcke das Wort: „Ich würde wirklich dazu aufrufen, dass niemand, der dazu eingeladen wird, in einer Rahmung, die Pro & Contra heißt, teilzunehmen. Ich würde wirklich inständig darum bitten.“ Es werde vorgemacht, es gäbe zu allen Fragen gleichermaßen wertige und vernünftige Meinungen, poltert Emcke. Das müsse aufhören. „Das ist, mit Verlaub Bullshit“, das müsse abgeschafft werden, betont Emcke und erntet Applaus. Wer immer nur gegen eine Position argumentiere, betreibe Selbstverdummung, wettert Emcke weiter, deren Blutdruck sichtlich in die Höhe schießt.

Der ARD Monitor Talk mit Georg Restle und Tilo Jung.
Wie rechts ist der Spiegel?
Szenenwechsel: Auch das ARD-Format Monitor ist auf der „republica“ vertreten und wird von Georg Restle moderiert, einem Verfechter des deutschen Haltungsjournalismus. Auf dem Podium diskutieren, Tilo Jung, Julia Krittian vom MDR und Ann-Katrin Müller vom Spiegel. Debattiert wird der Gesamtzustand des Journalismus in diesen Tagen unter dem Motto „Nie wieder Faschismus!“. Wie brandmauert man gegen die AfD, die wiederum das Wirken der Anwesenden als linksgrünversifften Journalismus bezeichnet? Wie berichtet man über Migration?
Restle schwört seine Mitstreiter darauf ein, dass das Thema Migration eine Relevanz erhalte, die an 2015 erinnere. Auch er sei ein Getriebener von Stimmungen im Land, damit dürften auch diejenigen gemeint sein, die monatlich 18,36 Euro Betrag an die gebührenfinanzierten Anstalten entrichten. Restle äußert Bedenken, dass Berichterstattung über Migration die „Framings einer Partei“ groß machen würden. Tilo Jung führt aus, dass Talkshows und der Spiegel AfD-Framings bedienen würden, wenn sie überforderte Kommunen thematisierten oder Scholz‘ Äußerungen zu Abschiebungen im großen Stil auf dem Cover platzieren.
Bestimmen, was Menschen wissen sollen
„Ich wollte noch mal betonen, es ist nicht die Aufgabe von Journalismus, über die Themen zu informieren, über die die Leute informiert werden wollen“ führt Jung weiter aus. „Journalisten informieren, worüber die Bevölkerung informiert werden soll“. Verwundert fragt Krittian vom MDR nach, wer das denn festlege. Restle legt nach und gibt Einblick in seine inhaltlichen Abwägungen: „Berichten wir darüber, was interessiert oder berichten wir darüber, was wir für journalistischen Kriterien für relevant erachten?“ Aussagen, die zurecht das Orwellsche Wahrheitsministerium erinnern, werden hier von einem leitenden Mitarbeiter der ARD getätigt. Der öffentliche Rundfunk fußt in seiner Daseinsberechtigung darin, neutral und ausgewogen zu berichten, womit der Rundfunkbeitrag gerechtfertigt wird.
Desinformation und Dystopie
Die Debatten der „republica“ erstaunen und verstören gleichermaßen. Der Talk der Klima-Aktivistinnen Kemfert und Emcke ruft dazu auf, Pro & Contra-Debatten zu boykottieren und empfiehlt, lästige Entscheidungen über Investitionen in Sachen Wärmepumpe bequemerweise an den Staat outzusourcen. Restles Gesprächskreis radiert den letzten Hauch Hoffnung aus, irgendwie doch noch verwertbare Beiträge, die einen als Zuschauer interessieren, als Gegenleistung für die monatlichen 18,36 Euro Rundfunkbeitrag zu sehen zu bekommen. Beide Talks haben eines gemeinsam: Sie etikettieren Desinformation um. Im Namen des Klimas. Im Kampf gegen Rechts.
Und weil man das Publikum als eine Knetmasse betrachtet, das es zu formen gilt.
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