Lernen Sie von den Profis der Tagesschau: So verleugnen Sie Islamismus in 7 einfachen Schritten
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Sie sorgen sich nach dem islamistischen Anschlag in Solingen um die Sicherheit in Deutschland? Sie überlegen neuerdings zweimal, ob sie Volksfeste oder andere Veranstaltungen besuchen sollen, weil Sie sich vor Terror fürchten? Sie meiden abends bestimmte Straßen und Plätze, weil Sie Angst haben, dass jemand ein Messer zückt? Sie fühlen sich an Bahnhöfen und in Zügen unsicher?
Das müssen Sie nicht länger! Schauen Sie einfach die Tagesschau vom Samstagabend und lernen Sie von den Einordnungs-Profis, wie sich Islamismus verleugnen lässt – in 7 einfachen Schritten.
Schritt 1: Seien Sie fassungslos
Am Tag nach der Terror-Tat mit drei Toten und acht teils schwer Verletzten beginnt die Tagesschau mit einem Bericht aus Solingen. „Eigentlich wollte Solingen das ganze Wochenende feiern, fröhlich sein.“ Jetzt aber ist die Stadt voll Trauernder: „Gemeinsam, geeint, doch immer noch schockiert und ratlos.“ ARD-Reporter Rupert Wiederwald berichtet von „großer Fassungslosigkeit“. Die Solinger, so der Reporter, beschäftige vor allem eine Frage: „Warum ist das passiert?“
Obacht! Häufig mündet das Gefühl der Fassungslosigkeit darin, dass man versucht, ein Geschehen zu erfassen. Wenn Sie Islamismus erfolgreich verleugnen wollen, dürfen Sie diesen Fehler nicht begehen. Die Frage, warum die Tat passiert ist, muss um jeden Preis eine rhetorische bleiben. Die Blumen und das „Warum“-Schild am Tatort dürfen Trauer und Ratlosigkeit in Ihnen auslösen, sollten Sie aber nicht dazu verleiten, nach Ursachen zu suchen oder gar politische Konsequenzen zu fordern – denn das wäre Wahlkampf auf dem Rücken der Opfer.

Passanten legen am Sonntag vor der evangelischen Stadtkirche in Solingen Kerzen und Blumen nieder.
Schritt 2: Glauben Sie nicht, dass sich Terror verhindern lässt
Vor Ort in Solingen lässt die Tagesschau Innenministerin Nancy Faeser (SPD) zu Wort kommen: „Wir leben in einem offenen Rechtsstaat, in einer Demokratie, wo es hundertprozentige Sicherheit nie geben kann.“
Fangen Sie nun nicht an, darüber nachzudenken, ob Sie schon mit neunundneunzigprozentiger Sicherheit zufrieden wären. Die Botschaft der Ministerin ist leicht zu verstehen und sollte nicht durch Haarspalterei zerredet werden: Rechtsstaat bedeutet, dass es keine absolute Sicherheit geben kann. Um zu unterstreichen, dass die Innenministerin richtig liegt, loben Sie idealerweise ihre „klaren Worte“, wie es die Tagesschau tut.
Ganz gleich, ob Sie Journalist oder Bürger sind: Das Wichtigste ist, in diesen schweren Zeiten der Regierung beizustehen. Orientieren Sie sich zum Beispiel an ARD-Hauptstadtkorrespondent Gabor Halasz. Der kontert auf der Plattform X die Kritik des Thüringer CDU-Chefs Mario Voigt an der Ampel-Regierung mit den Worten: „Alle Innenminister, ob Union oder SPD sagen, dass sich diese Art der Anschläge leider nicht verhindern lassen. Das gehört zur traurigen Realität. Vielleicht nicht die Zeit für Wahlkampf?“ Sie sehen: Wenn die Regierung sagt, dass wir Terror akzeptieren müssen, dann haben wir Terror zu akzeptieren.
Schritt 3: Vergessen Sie nie die Gefahr von Rechts
Islamismus ist schlimm, sollte aber nicht dazu führen, andere Gefahren aus dem Blick zu verlieren – erst recht nicht jene, die laut Innenministerin Faeser die „größte extremistische Gefahr“ ist: der Rechtsextremismus. ARD-Reporter Wiederwald setzt das Geschehen in Solingen darum gleich in den richtigen Kontext und berichtet von den Gedanken der Solinger: „Warum ist es gerade hier, in dieser Stadt, passiert? Warum ist es schon wieder in dieser Stadt passiert? Solingen ist ja auch die Stadt, in der es vor dreißig Jahren den Anschlag auf eine türkische Familie gab, wo ganz viele Menschen dieser Familie gestorben sind.“
Merke: Wann immer Sie eine Tat erwähnen, die einen islamistischen Hintergrund haben könnte, sollten Sie zugleich eine zweite Tat mit rechtsextremistischem Hintergrund erwähnen. Damit erzielen Sie eine doppelte Wirkung: Erstens stutzen Sie das islamistische Gefahrenpotenzial auf das korrekte Maß zurecht, zweitens beugen Sie vor, dass der Islamismus für Hass und Hetze gegen Migranten ausgenutzt wird.
Schritt 4: Denken Sie an die Psyche
Auch wenn der Täter Allahu Akbar ruft, überzeugter Islamist ist und die Terrororganisation IS die Tat für sich reklamiert: Schenken Sie ihnen nicht vorschnell Glauben, denn auch ein Terrorist irrt sich einmal.
Vertrauen Sie lieber einem Terrorismus-Experten wie Michael Götschenberg, der in der Tagesschau erklärt: „Hinzu kommt, dass wir in den vergangenen Jahren immer wieder Fälle von islamistischen Anschlägen gesehen haben, wo man dann doch festgestellt hat, dass die Täter psychisch krank waren, und nicht immer ganz klar war, was denn nun tatsächlich am Ende den Ausschlag gegeben hat für den Anschlag.“
Fallen Sie also nicht auf den Trick eines islamistischen Fanatikers herein, der behauptet, im Auftrag Gottes zu morden. In Wahrheit handelt es sich um einen zukünftigen Psychiatrie-Insassen, über den Sie nicht richten sollten – schließlich ist er krank.
Schritt 5: Benennen Sie das Problem klar
Falls Sie Schwierigkeiten haben, herauszufinden, was denn nun das Kernproblem ist, vertrauen Sie auch hier auf die öffentlich-rechtliche Expertise. „Das Problem: Messerkriminalität. Wie kann die Politik die Bevölkerung besser schützen?“, fragt die Tagesschau und berichtet über die steigende Zahl der Messerangriffe auf Deutschlands Straßen. Die Bundesregierung plant daher strengere Regeln für das Mitführen von Messern.
Und das ist gar nicht schlecht, das lässt sich schon am Wort „Messerkriminalität“ erkennen: Denn warum sollte man gegenüber kriminellen Messern nachgiebig sein? Messer sollten vielmehr die volle Härte des Rechtsstaates zu spüren bekommen.
Auch der Blick in die jüngere Vergangenheit rechtfertigt Gesetzesverschärfungen: So erinnert die Tagesschau an einen Angriff Ende Mai in Mannheim: „Ein Polizist wurde getötet, fünf weitere Menschen schwer verletzt.“ Auch hier war ein Messer schuld. Von diesem Umstand sollten Sie nicht ablenken, indem Sie den Namen des Islamkritikers Michael Stürzenberger erwähnen, dem der Anschlag in Mannheim galt, denn am Ende ist es egal, wen das Messer umbringen wollte.

Ausbeute einer Messer-Kontrolle in Köln.
Schritt 6: Bedenken Sie, wie gefährlich Männer sind
Natürlich ist die Frage berechtigt, ob sich kriminelle Messer an die Messerverbotszonen halten werden. Um die Vorhaben der Regierung einzuordnen, spricht die Tagesschau mit dem Kriminologen Dirk Baier. Der erhofft sich zumindest eine kurzfristige Reduktion von Messerkriminalität durch Waffenverbotszonen. „Langfristig wird das aber auch nicht die Lösung sein, weil auch die Waffenverbotszonen kommen nicht an die Gründe, an die Ursachen des Messertragens heran. Wir müssen die Einstellung der jungen Männer verändern.“
Gut, dass es Experten wie Baier gibt, die komplexe Zusammenhänge aufzeigen: Auch ein Messer handelt niemals allein. Die Tagesschau weist seit Jahren darauf hin, dass Messer in den Händen von Männern sehr viel häufiger zustechen als in den Händen von Frauen. Fangen Sie nicht an, ideologisch verbohrt nach Zusammenhängen zum Islamismus zu suchen, sondern hüten Sie sich lieber vor jungen Männern und ihren problematischen Einstellungen.
Schritt 7: Glauben Sie nicht, dass wir unsere Grenzen schützen können
Sie müssen sich schon entscheiden: Grenzen kontrollieren oder Messer kontrollieren. „Strengere Regeln für Waffen müsste unter anderem die Bundespolizei kontrollieren, zum Beispiel an Bahnhöfen, doch das Personal wird knapp. Vor allem, weil viele der Beamtinnen und Beamten für Grenzkontrollen eingesetzt werden“, erklärt die Tagesschau. Die derzeitigen stationären Kontrollen seien ineffektiv und vorhersehbar für Schleuser. Stattdessen empfiehlt zum Beispiel der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei in der Tagesschau mobile Kontrollstellen-Sets, Bewegungsmelder und Drohnen. Solange diese nicht zur Verfügung stünden, müssten Polizeibeamte rund um Fußballspiele und von Bahnhöfen an die Grenze abgezogen werden.
Es zeigt sich: Die Grenzen zu schützen, ist gar nicht so leicht und stets mit Abstrichen an anderer Stelle verbunden. Einfache Lösungen helfen im Kampf gegen Terror nicht. Wer Ihnen dennoch solche einfachen Lösungen andrehen will, den entlarven Sie im Handumdrehen als Populisten.

Grenzkontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze im August 2024.
Und zu guter Letzt: Kehren Sie schnell zur Tagesordnung zurück
Jetzt ist aber auch mal gut. Alle wichtigen Probleme sind benannt: Messer, Männer, die Psyche und der Zufall, vor dem eben niemand geschützt ist. Die Tagesschau kehrt zur Tagesordnung zurück und wechselt mit ihrer Berichterstattung ins Ausland, und dasselbe sollten auch Sie tun.
Lassen Sie sich die Feierlaune nicht verderben und setzen Sie als Teil der Zivilgesellschaft ein Zeichen. Wenn Sie sich von einem verwirrten Einzeltäter (der nicht zwingend ein Islamist ist!) einschüchtern lassen und den öffentlichen Raum aufgeben, dann ist das ein Sieg für die Islamisten (zu denen der Täter nicht zwingend zählt!). Denn diese wollen die Gesellschaft spalten. Womit wir bei Rechten wären, die dasselbe Ziel verfolgen und eine viel größere Gefahr darstellen – darauf gibt Nancy Faeser Ihnen ihr Ehrenwort.
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