In diesem Märchenschloss leitet die in den Habeck-Skandal verwickelte Filmchefin künftig ihre eigene Filmförderung
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Mit mehr als 13 Millionen Euro Steuergeld förderte die Film- und Medienstiftung NRW mit ihr als Förderchefin Filme ihres Partners Christoph Friedel. Nun wird Christina Bentlage Geschäftsführerin des Kuratorium junger deutscher Film in Wiesbaden – und hat eine fürstliche Residenz. Wolfram Weimer stellt ihr fast 8 Millionen Euro zur Verfügung.
Mit Schloss Biebrich, der ehemaligen Residenz der Naussauer Fürsten, kann sich Christina Bentlage künftig eines imposanten Arbeitsplatzes erfreuen. Der dreiflügelige Barockbau direkt am Rhein ist eine der Top-Sehenswürdigkeiten von Hessens Landeshauptstadt Wiesbaden.

Das Kuratorium junger deutscher Film sitzt in Schloss Biebrich in Wiesbaden.
Mit einer Fläche von 350.000 Quadratmetern hat Bentlage Top-Zugang zum anhängigen und vom Mosbach durchflossenen Schlosspark. Mit der Mosburg hat dieser eine kleine künstliche Burgruine mit eigenem Weiher – auch mehrere Papageienarten, wie der Alexandersittich, leben dort. Bentlage selbst sitzt im Ostflügel des sogenanten „Versailles am Rhein“.

Vor der Mosburg, einer künstlichen Ruine, ist ein Weiher.
Vetternwirtschafts-Skandal in Höhe von über 13 Millionen Euro
Im November deckte NIUS auf, dass die Film- und Medienstfitung NRW seit 2011 mit über 13 Millionen Euro Filme von Bentlages Partner Christoph Friedel gefördert hatte. Auch der kürzlich in die Kinos gekommene Habeck-Film „Jetzt. Wohin“ fiel hierunter. Bentlage leitete seit 2010 die Förderabteilung der Stiftung.

Christina Bentlage übernimmt ab 1. Januar 2026 die Geschäftsführung des Kuratoriums junger deutscher Film.
Ab 1. Januar 2026 ist sie nun Geschäftsführerin, Direktorin und Vorstand des Kuratoriums junger deutscher Film. Die im Schloss Biebrich ansässige Stiftung zur Förderung von Nachwuchsfilmen beziehungsweise sogenannten „Talentfilmen“ ist maßgeblich durch den Bundesbeauftragten für Kultur und Medien finanziert. Wolfram Weimer stellt ihr nächstes Jahr 7,85 Millionen Euro zur Verfügung. Insgesamt hat die Stiftung einen Etat von knapp 10 Millionen Euro.

Im Schlosspark Biebrich lebt der Alexandersittich.
Weimer behauptet, Bentlage habe „keinen Einfluss auf Förderentscheidungen“
Auf Anfrage von NIUS, ob sich Bentlages Vetternwirtschafts-Skandal auf die Förderung auswirke, lässt Weimer ausrichten: „Die Förderentscheidungen des Kuratoriums junger deutscher Film erfolgen durch eine unabhängige Fachjury, der Frau Bentlage nicht angehört. Sie hat insofern keinen Einfluss auf die Förderentscheidungen.“
Mit dieser Argumentation hatten schon die Film- und Medienstiftung NRW und der NRW-Medienminister, Nathanael Limisnki, die langjährige Förderung von Friedel-Filmen durch die Abteilung von Christina Bentlage für unproblematisch erklärt.

Wolfram Weimer behauptet, Bentlage habe keinen Einfluss auf Förderentscheidungen des Kuratoriums.
Förderrichtlinie widerspricht Weimer
Die Förderrichtlinie des Kuratoriums junger deutscher Film aber steht im Widerspruch zu Weimers Aussage. Darin ist explizit festgehalten: „In Zweifelsfragen bei Auslegung und Anwendung dieser Richtlinie entscheidet der Vorstand.“ Das letzte Wort über Förderungen hat somit Bentlage.
Mit Weimer zusammen kann Bentlage sogar Ausnahmen der Förderrichtlinie erwirken: „Der Vorstand kann, für die Produktionsförderung Talentfilm im Einvernehmen mit BKM, in besonderen Fällen Ausnahmen von den Bestimmungen dieser Richtlinie zulassen.“ Das alles steht in der neuen, ab 1. Januar 2026 geltenden Förderrichtlinie.

Der Schlosspark Biebrich am Rhein ist über 350.000 Quadratmeter groß.
In der Richtlinie ist zudem festgeschrieben, dass sich das Kuratorium als Förderziele „Diversität, Inklusion, Antidiskriminierung, Geschlechtergerechtigkeit, die Belange der Menschen mit Behinderung sowie Maßnahmen der ökologisch und sozial nachhaltigen Filmproduktion“ verpflichtet.
Drei von sieben Stiftungsräten sind CDU-weisungsgebunden
Nach Aussage der Staatskanzlei NRW hat sich Christina Bentlage für die Stelle selbst beworben. Schon bisher war sie ehrenamtlich im Auswahlausschuss der Stiftung tätig. Zur Geschäftsführerin wählte sie der Stiftungsrat des Kuratoriums.
Mit der Staatskanzlei Thüringen und Nordrhein-Westfalen und dem Hessischen Finanzministerium unterstehen drei von sieben Mitgliedern des Gremiums CDU-Ministerpräsidenten oder -Landesministern. Zwei Mitglieder unterstehen SPD-Landesministern. Zwei weitere Posten sind mit Professoren besetzt.

NRW-Medienminister Nathanael Liminski (zweiter von links, CDU) ist zusammen mit Christina Bentlage (ganz rechts) 2022 auf dem Kinofest Lünen.
Sowohl das Kuratorium junger deutscher Film, der Vorsitzende des Stiftungsrats, Andreas Schreitmüller, und die verschiedenen am Stiftungsrat beteiligten Ministerien ließen NIUS-Anfragen bezüglich der Ernennung Bentlages und ihrer Vergangenheit unbeantwortet.
Die Film- und Medienstiftung NRW wollte eine NIUS-Anfrage an Bentlage – wie beispielsweise über ihre Beweggründe für den Jobwechsel, die anvisierte programmatische Ausrichtung des Kuratoriums oder ihre Meinung zu ihrem neuen idyllischen Arbeitsplatz – nicht weiterleiten.
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