„Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht“: NDR-Mitarbeiter laufen Sturm wegen kritischer Migrations-Doku von Julia Ruhs
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Das ARD-Format „Klar“ der Journalistin Julia Ruhs sorgt für neuen Wirbel. Nun wenden sich Mitarbeiter in einem Schreiben an die Leitung des zuständigen Senders NDR und erheben schwere Vorwürfe gegen die Sendung, die die deutsche Migrationspolitik kritisch unter die Lupe nimmt.
Anfang April war die erste Folge des Formats „Klar“ im NDR erschienen. Die Journalistin Julia Ruhs, die für BR, NDR und das Magazin Focus tätig ist, geht darin der Frage nach, wie sich die Migrationspolitik in Deutschland auf die Gesellschaft auswirkt – und welche Probleme dies mit sich bringt. Viele Zuschauer waren begeistert, empfanden die Sendung als willkommene Abwechslung zur sonst vorherrschenden Einseitigkeit im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.
Aus dem linken politischen Spektrum kamen kritische Töne. Der ZDF-Satiriker Jan Böhmermann wandte sich in seiner Sendung „ZDF Magazin Royale“ gegen Ruhs und ihr Format.
„‚Klar‘ will offenbar spalten“
NIUS liegt nun ein interner Brief an Geschäftsführung, Programmdirektion und Chefredaktion des NDR vor, in dem sich 20 feste und freie Mitarbeiter des NDR gegen „Klar“ und seine Macherin Ruhs positionieren. Ihr Vorwurf: Die Dokumentation verletze journalistische Standards.
Im Brief heißt es: „Wir haben diese gemeinsame Stellungnahme verfasst, weil uns die erste Folge des neuen Formats ‚Klar‘ irritiert. Sie verletzt in unseren Augen eine Reihe von Grundsätzen unserer journalistischen Arbeit und kommt unserem öffentlich-rechtlichen Auftrag gemäß NDR-Staatsvertrag nicht nach. Wir distanzieren uns daher von dieser Produktion.“
Weiter schreiben die Verfasser des Briefs: „‚Klar‘ will offenbar spalten, das wird auch in der Moderation deutlich formuliert.“ Viele der Mitarbeiter hätten auf die Produktion „mit anhaltender Verstörung“ reagiert.

Szene aus „Klar“: Der Händler Bünyamin Öztürk kritisiert die Migrationspolitik.
Die Mitarbeiter des NDR stören sich unter anderem an der These, dass die Politik nichts gegen unkontrollierte Migration unternehme. Es stelle eine „Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht“ dar, dass nicht hinreichend über Verbesserungen durch die Politik berichtet werde: „Nach dem Attentat von Brokstedt wurde die Zusammenarbeit der Behörden über die Landesgrenzen hinweg vereinfacht, um solche Fälle künftig zu verhindern, was aber nicht erwähnt wird. Auch die zahlreichen Verschärfungen der Asylpolitik in den letzten Jahren werden ignoriert.“
Weiter wird im Brief kritisiert: „Der Film blendet darüber hinaus gänzlich aus, dass ein Großteil wissenschaftlicher Stimmen aus Strafrecht und Kriminologie bezweifelt, dass sich Kriminalität in Deutschland mit einer schärferen Asylpolitik bekämpfen lässt.“
Die Mitarbeiter stören sich zudem an der einleitenden Moderation von Ruhs, die zu Beginn der Dokumentation sagt: „Was jetzt kommt, wird nicht allen gefallen – muss es auch nicht“. Die Mitarbeiter kritisieren die „Haltung“, die angeblich hinter diesem Satz stehe: „Sie insinuiert, dass ihr Format sich als einziges im ÖRR traut, ein unangenehmes und unterdrücktes Thema anzusprechen. Diese Behauptung ist nachweislich falsch.“ Stattdessen bemängelten „zahlreiche Stimmen aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik“, dass das Thema Migration eine überproportional große Aufmerksamkeit bekomme, so der Brief.
Mehrere Krisentreffen bei BR und NDR
Wie steht der NDR zu diesen Vorwürfen? Er teilt auf NIUS-Anfrage mit: „Der NDR fördert eine offene Diskussionskultur und schützt seine Mitarbeitenden, indem er den internen Austausch vertraulich behandelt und keine öffentlichen Auskünfte darüber erteilt. ‚Klar‘ ist als Pilot auf drei Folgen angelegt, die weiteren Folgen sind für Mai (21.5.) und Juni (11.6.) geplant. Die Evaluierung des Piloten erfolgt wie üblich nach Abschluss der Pilotphase.“
Nach NIUS-Informationen fanden allerdings direkt nach der Ausstrahlung der ersten Folge Krisentreffen in beiden Sendern statt, für die Ruhs tätig ist, also im BR und im NDR. Dabei wurde die Dokumentation von vielen Mitarbeitern heftig kritisiert. Zugleich kamen die Verantwortlichen zu dem Schluss, dass keine journalistischen Standards verletzt worden seien.
In der Dokumentation war unter anderem Michael Kyrath, der Vater der in Brokstedt getöteten Ann-Marie Kyrath, zu Wort gekommen. Für Aufmerksamkeit sorgte auch ein Interview mit der Sprecherin der Grünen Jugend, Jette Nietzard. Auf die Frage, was sie den Eltern eines von einem Migranten getöteten Kindes sagen würde, geriet Nietzard ins Stammeln:
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