NIUS-Reporter beim ÖRR: So missbrauchte der rbb mein Zitat, damit es besser ins Weltbild passt
Ein Beitrag von
Bedeutungsschwangere Musik trifft auf Auswanderungsfantasien linker Brandenburger Juden. So hat sich der rbb den Beitrag „Sorge vor der AfD – Juden in Brandenburg vor der Landtagswahl“ vorgestellt. Doch wie geht man mit einer nicht-linken jüdischen Stimme um, die man sich in den Beitrag geholt hat?
Im Sommer 2024 wurde ich als „konservative jüdische Stimme“ angefragt, mich in einem rbb-Beitrag zu den bevorstehenden Landtagswahlen in Brandenburg zu äußern. Was mir als Beitrag über die Wahlen verkauft wurde, wurde letztendlich als „Anti-AfD-Werbespot“ im rbb veröffentlicht. In diesem wurde das gesamte Gespräch mit mir (Dauer: eine Stunde) auf einige Sätze zusammengekürzt und eine Phrase komplett aus dem Kontext gerissen. Auf eine Presseanfrage diesbezüglich antwortete der rbb bis dato nicht.
Ich habe nicht viel vom rbb erwartet und wurde dennoch enttäuscht.
Hören Sie hier den Ausschnitt aus dem rbb-Beitrag:
„Blaue SA-Trupps“
Zuallererst: Der rbb stellt mich als Redakteur des „rechtsnationalen Internetportals“ von Julian Reichelt vor. So erhält der Hörer direkt ein Bild von mir und weiß, dass das was jetzt kommt „rechts“, sprich: böse, ist. Was „rechtsnational“ bedeuten soll und wie der rbb auf dieses Label kommt, wird nicht weiter erklärt. Ich habe nachgefragt, aber auch auf diese Frage antwortete der rbb bis dato nicht.
Für gewöhnlich interessiert sich der rbb meist nicht besonders dafür, Organisationen oder Personen einzuordnen. In einem Beitrag über einen Protest gegen Sicherheit in Freibädern wurde die extrem linke und antiisraelische „Migrantifa“ ohne weitere Erklärung kritiklos gezeigt. Das größte, explizit linke Festival Deutschlands wurde vom rbb sogar beworben.
In meiner Unterhaltung mit dem rbb-Journalisten Igal Avidan sprachen wir eine Stunde über meine Realität als „eher rechter“ Jude in Potsdam, einer extrem linken Stadt, deren Regierung linke Projekte steuerlich finanziert. Nichts davon hat es in den Beitrag geschafft. Stattdessen wird die Ironisierung über vielleicht bald durch die Straßen marschierende „blaue SA-Trupps“ in das Intro geschnitten, sodass es wirkt, als wäre es eine echte Gefahr, von der einer der befragten Juden ausgeht. Die Instrumentalisierung einer jüdischen Stimme, der man versprach, sich äußern zu dürfen.
Wohlgemerkt ist mein Redebeitrag der einzige nicht-linke und sieht sich in dieser gekürzten Form einer Masse an weitaus fairer präsentierten Beiträgen Brandenburger Juden gegenübergestellt.

Die neue Synagoge in Potsdam: Ein Ort so divers wie die Meinungen der Brandenburger Juden
Was ausgelassen wurde …
Der rbb hielt es für angebracht, folgende Kritikpunkte aus seinem Beitrag herauszukürzen:
Linker Judenhass und Gewalt: Im Gespräch machte ich auf die linksextremen und israelfeindlichen Demonstrationen aufmerksam. „Wenn man sich jetzt den Antisemitismus auf deutschen Straßen anguckt, dann sind es nicht Neonazis, die über die Straßen laufen. Das sind größtenteils Leute aus dem islamistischen Milieu oder Linksextremisten“, sagte ich zum rbb. Auch sprach ich die Gewalt von Linken gegen Juden an, als Beispiel nannte ich den Angriff auf Lahav Shapira oder die Besetzung der Universitäten durch kommunistische Gruppen. Auch meine beiden Beispiele für linken Antisemitismus, den ich in Potsdam erlebt habe, wurden vollständig aus dem Beitrag gestrichen.
Die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ÖRR): Passend dazu ist der Fakt, dass der rbb die Kritik am ÖRR komplett rausnahm. Im O-Ton sagte ich: „Ein El Hotzo, ein Gagschreiber für Jan Böhmermann, beispielsweise sagt ‚Ja, um sich vor linksextremer Gewalt zu schützen, hilft es, einfach kein Nazi zu sein.‘ Nun gut, aber linksextreme Gewalt trifft ja auch Juden, die dann einfach Zionisten sind beispielsweise. Und dann ist man auch ganz sicher kein Nazi. Trotzdem wird man davon getroffen und das ist eine Person, der 100.000 Leute täglich folgen, die sehr hofiert wird bei allen öffentlich-rechtlichen Medien. Bei ‚13 Fragen‘ auftritt und und und … Diese Narrative werden halt hofiert. Dementsprechend wird der linksextreme Antisemitismus klein gesprochen. Und dann spricht man doch lieber vom Rechten.“
Ironischerweise ist genau das im Beitrag passiert. Der rbb schnitt nahezu jegliche Kritik am linken, alimentierten Judenhass und Extremismus raus.
Es scheint ganz so, als hätte der rbb keine jüdische Perspektive, sondern eine jüdische Ausrede gebraucht. Einen sprechenden Kopf, den man zum Narrativ passend instrumentalisieren, kürzen und als marginale Meinung darstellen kann.
Auch bei NIUS: Rabbi Chaim Rozwaski über die Lage der Juden in Deutschland: „Seid bereit, euch zu verteidigen”
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