„Recherchen nicht unterdrückt“: ZDF weist Beschwerde von Mitarbeiter Halbach über fehlende redaktionelle Unabhängigkeit zurück
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Vor dem Kulturausschuss im nordrhein-westfälischen Landtag erhob ZDF-Mitarbeiter Andreas Halbach vergangene Woche schwere Vorwürfe gegen seinen Sender. Im Rahmen einer Anhörung von Sachverständigen bemängelte er die fehlenden Kritikmöglichkeiten innerhalb der Sender, berichtete von unterdrückter Berichterstattung und sogar von Einschüchterungsversuchen gegen langjährige Mitarbeiter. Gegenüber NIUS widerspricht der Sender nun den Vorwürfen seines Angestellten.
„Das ZDF weist die Darstellung von Herrn Halbach zurück. Recherchen zur Schlesinger-Affäre beim RBB wurden auf ihren Nachrichtenwert hin geprüft, aber nicht unterdrückt. Das ZDF hat regelmäßig zur RBB-Affäre berichtet. Interne ‚Strafversetzungen‘ oder Entlassungen gab es nicht. Dass eine Berichterstattung zur Wohnungsnot ‚gekippt‘ worden sei, ist ebenfalls unzutreffend. Der Beitrag ‚Flüchtlingskrise steigert Wohnungsnot – Das Dilemma der Kommunen‘ wurde am 24. Oktober 2023 im ZDF-Magazin ‚frontal‘ gesendet. Eine Änderung am Beitrag war erfolgt, weil ein Sachverhalt bei der Recherche nicht ausreichend geprüft worden war“, heißt es in der Antwort auf eine NIUS-Anfrage.

Der langjährige Redakteur des Magazins „Frontal“, Andreas Halbach, äußert schwere Vorwürfe gegen das ZDF.
Sachverständiger zu Missständen bei den öffentlich-rechtlichen Sendern
In der Rolle als Sachverständiger und Mitarbeiter des ZDF hatte Halbach am vergangenen Donnerstag von den Missständen bei den öffentlichen Sendern berichtet. Es ging um den Medienänderungsstaatsvertrag und einen Antrag der FDP-Fraktion mit dem Titel: „Rundfunkbeitrag gegenwärtig stabil halten und perspektivisch deutlich absenken“. Diskutiert wurde neben internen Verfehlungen der Öffentlich-Rechtlichen etwa auch über die Sicherheit im Internet, etwa den Jugendschutz auf pornografischen Seiten.
Laut Halbach haben die Öffentlich-Rechtlichen besonders beim Beschwerdemanagement große Defizite. Wie er berichtet, versickern die meisten Beschwerden auf dem Weg in die Chefetagen. Kommen Sie doch einmal dort an und werden abgelehnt, gebe es für Journalisten der öffentlich-rechtlichen Sender kaum Möglichkeiten, um die Kritik dennoch anzubringen. Besonders die Rolle der Intendanten ist Halbach ein Dorn im Auge. Er sagt: „Die Allmacht der Intendanten muss infrage gestellt werden“.
Einschüchterungsversuche innerhalb der Sender
Halbachs Kritik umfasst verschiedene Punkte. Zum einen hatte er die Frage bejaht, ob es bei interner Kritik tatsächlich Einschüchterungsversuche innerhalb der Sender gegeben habe. Halbach: „Ich habe Fälle recherchiert im WDR und im ZDF. Der Kollege hat intern Kritik geübt und hat nach 23-jähriger Mitarbeit die fristlose Kündigung erhalten.“ Ein Kollege im ZDF habe nach interner Kritik außerdem eine Strafversetzung erhalten, berichtet der Journalist.
Bereits in seiner vor der Sitzung veröffentlichten Stellungnahme hatte Halbach deutlich gemacht, dass er nicht gekommen war, um seinen Arbeitgeber zu loben: „In der öffentlichen Wahrnehmung steht der öffentlich-rechtliche Rundfunk zunehmend unter dem Vorwurf der Einseitigkeit oder Nähe zu politischen Mehrheiten. Lange habe ich solche Kritik für unbegründet gehalten. Doch aus eigener Erfahrung erkenne ich inzwischen strukturelle Defizite, etwa beim Beschwerdemanagement oder beim Schutz redaktioneller Unabhängigkeit.“
Die Äußerungen des Journalisten reihen sich ein in die seit Wochen flammende Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk, ausgelöst durch den Rauswurf von Moderatorin Julia Ruhs beim NDR und die Kommentare von Dunja Hayali und die Falschaussagen von Elmar Theveßen zum Attentat auf Charlie Kirk in den USA.
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