Stern vergibt Journalistenpreis für SZ-Flugblatt-Affäre um Hubert Aiwanger
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Am Mittwochabend wurden Journalisten der Süddeutschen Zeitung (SZ) für die Flugblatt-Affäre mit dem Stern-Preis für die „Geschichte des Jahres“ ausgezeichnet. Dabei wurden die Journalisten Katja Auer, Sebastian Beck, Andreas Glas, Johann Osel und Klaus Ott gelobt – ausgerechnet zu ihrer investigativen Recherche um die Person Hubert Aiwanger (Freie Wähler) und ein vermeintliches Flugblatt im Schulranzen.
Was war geschehen? Im August 2023, kurz vor der bayerischen Landtagswahl, berichtete die Süddeutsche Zeitung über ein antisemitisches Flugblatt, das in der Schule von Hubert Aiwanger die Runde gemacht haben soll. Mehrere Exemplare des Flugblattes wurden in der Schultasche Aiwangers gefunden.
Aiwanger wies vehement alle Vorwürfe zurück, Urheber des Flugblattes zu sein. Kurz darauf erklärte sein Bruder, dass er das Flugblatt verfasst und verteilt habe. Aiwanger sah in der Berichterstattung eine gezielte Kampagne, die ihn vor der anstehenden Wahl in Misskredit bringen sollte. Die Grünen und die SPD stellten einen Antrag auf Entlassung Aiwangers aus dem Kabinett, der jedoch scheiterte. Ministerpräsident Söder ließ Aiwanger im Amt. Und bis heute ist die Süddeutsche Zeitung Belege schuldig, dass Aiwanger der Verfasser des antisemitischen Flugblatts ist.

Journalisten der SZ werden für die Flugblatt-Affäre ausgezeichnet.
Ungereimtheiten in der Berichterstattung
Die Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung geriet außerdem in die Kritik, da der Hinweisgeber, ein einstiger Lehrer, als SPD-Mitglied politisch voreingenommen sein könnte. Zudem sei das Flugblatt seit mehr als 30 Jahren in einem öffentlichen Archiv einsehbar gewesen und lag bereits 2018 schon einmal einem Journalisten vor. Der Medieninsider berichtet im Mai 2024, dass die Süddeutsche Zeitung intern Fehler bei der Flugblatt-Affäre einräumt.
Die Neue Zürcher Zeitung kommentierte damals: „Die SZ behandelt anonyme Aussagen wie Tatsachen und verwechselt Journalismus mit Aktivismus.“ Und der Branchendienst Übermedien – nicht gerade im Verdacht, ein Fürsprecher Aiwangers zu sein – schrieb: „Die SZ macht vor, wie man nicht über einen Fall wie Aiwanger berichten sollte.“
Kein Wunder also, dass die Preisverleihung schnell für Hohn und Spott sorgte. „Innert einer Woche wird Ricarda Lang zur »Aufsteigerin des Jahres« gekürt und die SZ erhält für ihre Aiwanger-Recherche den "Stern"-Journalistenpreis“, schrieb etwa die WELT-Kolumnistin Anna Schneider, „falls sich noch jemand fragt,was genau denn gemeint sein könnte, wenn man von der realitätsaparten politmedialen Blase spricht.“ Und der User Thomas Wölfer witzelte: „Also der echte Ursprung des Aiwanger Flugblattes sind in Wirklichkeit die Hitler-Tagebücher?“
Der Stern-Preis, der einst Henri-Nannen-Preis hieß, zeichnet journalistische Arbeiten aus. Eine Recherche des NDR wirft dem Stern-Gründer Henri Nannen vor, während des Zweiten Weltkriegs antisemitische NS-Propaganda betrieben zu haben. Seit 2022 wird die Auszeichnung als Stern-Preis bezeichnet, bis die Untersuchungen zu Nannens Vergangenheit abgeschlossen sind.
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