Tagesschau führt Sendungen mit einfacher Sprache ein: Nicht die Worte sind das Problem, sondern die Ideologie!
Ein Beitrag von
Die Tagesschau, Deutschlands größte Nachrichtenmarke, führt eine bedeutende Neuerung ein: Wie die ARD gestern bekannt gab, gebe es „etwa 17 Millionen Erwachsene in Deutschland“, die Probleme damit hätten, „komplexe Texte zu verstehen.“ Damit auch sie sich über die Nachrichtenlage informieren können, „strahlt die Tagesschau ab sofort Fernsehnachrichten in einfacher Sprache aus.“
Schnell machte sich Hohn und Spott auf sozialen Medien breit. Auf X schrieben User, dass auch dieses Programm von den eigenen Gebührengeldern finanziert werde – und was der Nutzen davon sei. Manche hielten die Nachrichten für einen „schlechten Scherz“. Und seit gestern gibt es Nachrichtenmeldungen, wie man sie aus der 20:00 Uhr Ausgabe kennt, aber in simplen Sätzen, die in ihrer heruntergebrochenen Einfachheit erstmal seltsam anmute. „Bei der Bundeswehr arbeiten Soldaten“, heißt es dort zu Boris Pistorius’ (SPD) Wehrpflichtvorstoß, „und wenn es einen Angriff gibt, müssen die Soldaten arbeiten“. Das nenne man „Verteidigung“.
Ein Grund für Kulturpessimismus?
Es gibt viele Gründe, die ARD samt Tagesschau zu kritisieren. Diese Neuerung scheint aber erstmal keiner davon zu sein. Stattdessen muss man einmal festhalten: Dass Deutschlands größte Nachrichtensendung ihre Verständlichkeitsschwelle senkt, erscheint auf den ersten Blick richtig. Wenn es schon ein gebührenfinanziertes Journalismus-Modell gibt, dann soll es auch Teilhabe garantieren. Und hier muss sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk an den Alltagsrealitäten orientieren. Das bedeutet: Es gibt nun mal unzählige Menschen in Deutschland, die der Nachrichtensprache nur schwer folgen können.

Bald auch in einfacher Sprache konsumierbar: Die tagesschau.
Stattdessen läge hier ein erster sinnvoller Anknüpfungspunkt für Kritik: 17 Millionen Menschen, die, wie die Tagesschau selbst sagt, Schwierigkeiten bei Textverständnis von Nachrichtensendungen haben – seien wir ehrlich, „komplex“ sind die Texte der Tagesschau nicht –, sind Anlass zur Sorge.
Zusammenhängen dürfte dies einerseits mit einem Bildungsniveau, das Sinnerfassung, Textarbeit und Leseverstehen vernachlässigt hat und Menschen in das digitale Erwachsenenleben entlässt, ohne, dass diese ausreichend Text- und Politikverständnis mitbringen. Andererseits dürfte aber auch die sich zunehmend verändernde Zusammensetzung der Gesellschaft eine Rolle spielen. Natürlich ist die zu hohe Schwelle für Verständnis von Tagesschau-Sendungen auch das Produkt einer Migrationsgesellschaft, die in den vergangenen Jahren Millionen Menschen hier angesiedelt hat, deren Muttersprache nicht Deutsch ist und die schlichtweg Sprachbarrieren haben.
In beiden Fällen ist Kulturpessimismus also durchaus berechtigt: Dass jeder dritte Erwachsene solch große Hürden im Verstehen Deutschlands größter Nachrichtensendung hat, ist eine fatale Entwicklung.
Einfache Worte für die weltanschauliche Ausrichtung
Doch noch etwas anderes lässt aufhorchen und bietet Angriffsfläche: die Verschränkung von einerseits einfacher Sprache und der ideologischen Weltsicht, die die Tagesschau – ebenso wie das gesamte Universum der Öffentlich-Rechtlichen – mitbringt. Nicht die Erklärbär-Sätze sind das Problem. Wenn man die Gewissheit hätte, dass sie Mehrwert bringen und unideologisch daherkommen – also Menschen mit Verständnisproblemen also tatsächlich informieren –, wäre die Neuerung sogar zu begrüßen.
Aber hinter jeder Tagesschau-Sendung, das zeigt sich leider viel oft, steckt leider ein ideologisches Weltbild. Anders gesagt: Wenn Menschen mit einfachen Worten eingetrichtert wird, dass Sylt-Gröler bundesweiten Nachrichtenwert haben, in Potsdam das NS-Regime wiederauferstanden ist und Deutschland in Nairobi mit Steuergeld das Weltklima rettet, dann betreibt man nichts anderes als Täuschung und Manipulation. Und gerade das ist eigentlich perfide. Das Problem ist also nicht die einfache Sprache, sondern die Nachrichtenauswahl, die Gewichtung, das Framing.
Deutlich wurde das, als die Correctiv-Recherche zum „Geheimplan gegen Deutschland“ in einfacher und inklusiver Sprache veröffentlicht wurde. Unter der Überschrift: „Ein geheimes Treffen und ein geheimer Plan“ wurde dort in einfachen Worten skizziert, wie man „Menschen zwingen“ will, „dass sie aus Deutschland weggehen.“ Und weiter: „Das nennt man: Vertreibung“. Obwohl das Treffen und der Plan geheim sein sollten, hat ein „Online-Magazin es trotzdem herausgefunden. Das Online-Magazin heißt: Correctiv.“ Man kann das lesen und stellt fest, dass in der Vereinfachung hier wider besseres Wissens Manipulation von im Leseverständnis eingeschränkten Menschen betrieben wird, die auf Linie gebracht werden sollen.

Die vermeintlichen Enthüllungen des Correctiv-Magazins wurden auch von der Tagesschau aufgegriffen – und trieben Millionen Menschen auf die Straße.
Genau das ist auch bei einer Vielzahl von Tagesschau-Nachrichten zu befürchten. Einen Eindruck dieser ideologischen Voreingenommenheit erahnt man schon bei den ersten Gehversuchen in einfacher Sprache. „Indien. Es ist viel zu heiß [...] Und jetzt ist es richtig schlimm heiß“, wird ein Beitrag zum vermeintlichen Klimawandel in Indien getextet. Man muss kein Medienexperte sein, um zu verstehen, wie hier einfache Sprache benutzt werden wird, um einen bestimmten weltanschaulichen Spin durchzusetzen. Dabei stellt sich schon die Frage, warum die Temperatur in Indien überhaupt eine Nachricht in Deutschlands größter Nachrichtensendung ist.
Genau hier liegt die Gefahr in der neuen Tagesschau-Leitlinie. Das ist übrigens auch die Nachrichtensendung, die öffentlich erklärt hat, dass die bundesweite Erosion der inneren Sicherheit im Zusammenhang mit Migration – Stichwort: Maria Ladenburger, Stichwort: Mia aus Kandel – keine überregionale Relevanz habe. Die Fälle werden ausgeklammert. Während das Internet sich bei jedem Einzelfall aufs Neue empört und das Thema Menschen beschäftigt, erfahren Konsumenten der Tagesschau davon: nichts.
Um es in simpleren Worten zu sagen: Männer erstechen Frauen. Die Männer sind oft Migranten. Das heißt: Sie sind aus einem anderen Land nach Deutschland gekommen. Sie sind zu Gast. Dass diese Männer Frauen erstechen, das findet die größte Nachrichtensendung in Deutschland nicht so wichtig.
Und das ist ein Problem.
Auch bei NIUS: ARD & ZDF: Schafft! Sie! Ab!
Mehr NIUS:
Bayerischer Rundfunk hängt sich riesiges queeres Tripper-Plakat an die Zentrale
So wettern deutsche Medien gegen die WM
Collien Fernandes über ihren Kampf gegen digitale Gewalt: „Und dann dachte ich, okay, Luisa Neubauer ist schon mal auf meiner Seite”
Sibel Kekilli über Gewalt in ihrer türkischen Familie: „Dort ist meine Großcousine im Kreis verprügelt worden, weil sie einen Freund hatte”
ARD bastelt an „Trusted Content“: KI-Inhalte sollen aus „verlässlichen“ Quellen kommen
Micky Beisenherz erzählt stolz, wie sein Fußballverein AfD-Sympathisanten rauswirft
Gabor Steingart vergleicht Kanzler Merz mit SED-Führer Walter Ulbricht
ORF-Stream bricht bei Österreich-Sieg zusammen: Fans verpassen entscheidende Tore
Mehr NIUS:
Sibel Kekilli über Gewalt in ihrer türkischen Familie: „Dort ist meine Großcousine im Kreis verprügelt worden, weil sie einen Freund hatte”
ARD bastelt an „Trusted Content“: KI-Inhalte sollen aus „verlässlichen“ Quellen kommen
Micky Beisenherz erzählt stolz, wie sein Fußballverein AfD-Sympathisanten rauswirft
Gabor Steingart vergleicht Kanzler Merz mit SED-Führer Walter Ulbricht
ORF-Stream bricht bei Österreich-Sieg zusammen: Fans verpassen entscheidende Tore
„Du bist gut genug“: Wird diese Jammer-Hymne der Sommerhit 2026?
Nach Musk-Abmahnung: ZDF kürzt Beitrag „aus rechtlichen Gründen“
Als Beispiel für Müll nennt Funk die Bibel
Jan A. Karon
Artikel teilen
Kommentare