Weil er seit 40 Jahren „Fette Beute!“ sagt: Wie ein unschuldiger Fußballfan ins Visier der linken Inquisition geriet
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Seit Sonntag ist für Michael B. nichts mehr wie zuvor: „Hertha-Micha“ steht unschuldig am Nazi-Pranger. Das „Vergehen“ des Fan-Urgesteins: Er benutzt gerne die Worte: „Ha Ho He und fette Beute“. Laut einer von Hertha BSC in die Welt gesetzten Behauptung soll dieser harmlose Spruch rechtsextrem sein. NIUS hat mit „Hertha-Micha“ exklusiv über die Folgen der Pressemitteilung seines Vereins gesprochen.
Seit rund 40 Jahren nutzt Michael B. den Ausspruch „Ha Ho He und fette Beute“, was so viel heißt wie: „Holen wir uns die drei Punkte“ oder „Holen wir uns den Sieg“. „Ha Ho He“ ist der traditionelle Fangesang der Anhänger von Hertha BSC. Woran sich 40 Jahre keiner störte, soll nun ein Skandal sein. Denn die linke Inquisition hat den Spruch nun als nationalsozialistisches Gedankengut identifiziert: Der Verein Hertha BSC kürte die Aussage offiziell zum rechtsextremen Slogan.
Michael B. ist daher ist einer Hasswelle ausgesetzt, die ihn sogar im Alltag bedroht: „Beim Einkaufen im Edeka werde ich beschimpft. Normalerweise machen die Leute mit mir Fotos, weil ich ja schon ein berühmter Streamer bin bei TikTok“, erklärt er gegenüber NIUS. Der Hertha-Fan ist seit geraumer Zeit auf TikTok unterwegs. Dort postete er harmlose Videos rund um seine Besuche im Stadion seines Lieblingsvereins. Stets endet er mit den Worten: „Ha Ho He und fette Beute“. „Aber nun beleidigen die Leute mich auf der Straße“, bedauert er. „Das ist das Schlimmste an der ganzen Geschichte. Ich hoffe, dass das mal bald vorbei ist.“
Was war genau passiert?
Der Fußballverein Hertha BSC hatte am 20. Oktober ein Social-Media-Posting in die Welt gesetzt, das den jahrhundertealten Ausdruck „fette Beute“ in die Tradition des Rechtsextremismus stellte: „Der Ausdruck ‚fette Beute‘ hat eine Geschichte im Kriegszusammenhang verbunden mit Raubzügen in den vergangenen Jahrhunderten und ist darüber hinaus in Kombination mit anderen Parolen (z.B. ‚Heil, Sieg‘ oder ‚Heil und Sieg‘) als Teil der rechtsextremen Phraseologie festgestellt worden“, verkündete der Verein, ohne dabei Belege anzuführen.
„Der Ruf tauchte in letzter Zeit vermehrt in Kommentarspalten und im Hertha-Umfeld auf“, so Vera Krings, Pressesprecherin des Vereins, gegenüber dem Berliner Kurier. Ein Fan habe vor etwa zwei Wochen versucht, einen Fanclub mit dem Titel anzumelden. Daher, so die Zeitung weiter, habe Hertha BSC „genauer recherchiert und mit einem Fan-Forscher über das Thema gesprochen.“ Laut diesem anonym gebliebenen „Fan-Forscher“ sei die Formulierung „als Teil der rechtsextremen Phraseologie festgestellt worden“, so Hertha BSC in seinem rund 20.000-mal geliketen Instagram-Posting. NIUS fragte Hertha BSC an, um welchen Fan-Forscher es sich handelt und welche Belege dieser für seine These habe. Eine Antwort blieb aus.
Das Statement von Hertha BSC hatte gewaltige Folgen: In den Springer-Medien B.Z. und Bild ist nun von „Nazi-Parolen“ die Rede. Dabei fiel auch der Name „Michael B.“

Beides B.Z. (links 22.10, rechts 21.10.): Hertha-Micha wird angehängt, er verwende „Nazi-Parolen“.
Der Berliner Kurier spitzte das Hertha-Statement sogar zu: Laut ihm „stammt“ der Ausdruck „aus der NS-Zeit“, was nicht einmal der Verein behauptet hatte, der von einer jahrhundertealten Geschichte der Formulierung gesprochen hatte. Besonders dieser Artikel habe laut Michael B. Hassrede gegen ihn ausgelöst. Im Bus sei er als Nazi beschimpft worden.
„Dich machen wir fertig“
Eine gewaltige Hasswelle sei auch in einem Livestream ausgebrochen, den der Hertha-Fan auf seinem TikTok-Kanal veranstaltete. TikTok speichert die Livestream-Videos nicht. Es seien Beleidigungen und Bedrohungen gefallen wie: „Du Nazi-Schwein“, „Wir kriegen dich!“, „Du Nazi-Opa“, „Nazi-Micha“, „Wir wissen, wo du wohnst“, „Wir packen dich, wir kriegen dich“, „Dich machen wir fertig“, „Du Nazi-Schwein“. Auch Straffantasien habe er sich anhören müssen: „Ich hoffe, dir entzieh'se deine Dauerkarte“, „Du kriegst lebenslang Stadionverbot“. Michael B. findet das „unmöglich“. Weil ihm das so zusetzte, hat er sich nun sogar krankschreiben lassen.
Eines ist Hertha-Micha jedoch wichtig klarzustellen: Es geht ihm nicht darum, Ärger mit seinem Lieblingsverein loszutreten. Zu Hertha habe er in der Vergangenheit eine gute Verbindung gehabt, betont er gegenüber NIUS. Man kennt sich. Vor einigen Jahren war er etwa als Rasenpfleger im Olympiastadion tätig.

Hertha-Micha will zwar der Aufforderung seines Vereins nachkommen, seinem Fanclub einen anderen Namen zu geben. Eines aber mache er ganz sicher nicht: „Fette Beute“ zu sagen, das möchte er sich nicht verbieten lassen.
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