Wer diesen Illner-Talk gesehen hat, der weiß, warum die AfD gewählt wird
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Manchmal reicht es einfach, den Titel einer Talkshow zu lesen und nicht noch die Sendung schauen zu müssen…
„Sehnsucht nach einfachen Antworten?“, lautete die Überschrift der jüngsten Sendung von Maybrit Illner, und am Ende hätte man als Zuschauer am liebsten präzisieren mögen: Die einfache Sehnsucht, überhaupt Antworten zu bekommen. Wer diese Sendung gesehen hat, wusste hinterher immerhin, warum die AfD derzeit so stark ist – weil die politische Konkurrenz schlichtweg Antworten schuldig bleibt und diese Lieferblockade durch Angriffe auf die AfD zu ersetzen versucht.
Schon der Einspieler zum Einstieg lieferte den bekannten Mix aus „Demonstrationen gegen Rechts“ und Verweis auf das Treffen konservativer und rechtsextremer Privatleute unweit von Potsdam. Botschaft: Demokratie-besorgte Demo-Bürger gegen heraufziehende Nazi-Diktatur. Eine Grundkonstellation, die in ihrer Monstrosität die Ursachensuche nicht gerade befördert und jeden erst einmal unter Verharmlosungsverdacht stellt, der die akute Bedrohlichkeit des Potsdamer Treffens in Zweifel zieht.
Kühnert: Grimmige Blicke auf Wagenknecht
Sahra Wagenknecht, Chefin des nach ihr benannten Bündnisses, versuchte es trotzdem. Sie verstehe die Sorge von Menschen, war selbst aber noch auf keiner Demo, sagte sie. „Wir sollten über die Ursachen reden. Dass die AfD so erstarkt, liegt ja nicht daran, dass es so viele Rechtsradikale in der Bevölkerung gibt.“ Der Grund für die Stärke der AfD liege vielmehr darin, dass die Bundesregierung so schlecht regiere und viele Menschen sich – zu recht – Sorgen um ihre Zukunft machten. Grimmiger Seitenblick von SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert, Lächeln bei AfD-Politikerin Beatrix von Storch.

Kevin Kühnert, Chefstratege der SPD
„Dass wir in ,großem Stile abschieben wollen‘, wie es der Kanzler gesagt hat, ist kein Geheimnis. Das Treffen in Potsdam war privat aber nicht geheim“, sagte sie. Die Demonstrationen hätten die Wähler der AfD eher noch mobilisiert, wie man an den Ergebnissen der Nachwahl in Berlin gesehen habe. „Die Probleme der Menschen sind reell.“ Damit war Grunde der sachliche, informative Teil der Sendung nach knapp fünf Minuten auch schon beendet. Was dann kam, war eine Präsentation der bekannten und bis zum Überdruss schon durchgespielten Wortgefechte, die eben alles liefern, nur keine der im Titel genannten „Antworten“.
Kevin Kühnert wies erwartungsgemäß die Verantwortung der Regierung für Unmut und AfD-Umfragewerte weit von sich und erklärte etwa die Migrationskrise für so „komplex“, dass man da nicht so einfach Abhilfe versprechen könne. Verweise von Wagenknecht und Spahn, dass andere Länder, beispielsweise das sozialdemokratisch regierte Dänemark, das sehr wohl schafften, ließ er nicht gelten. Besonders bizarr und in diesem Sinne dann doch auch wieder erhellend, wollte sich der SPD-Chefstratege nicht einmal auf den von Spahn vorgeschlagenen Minimal-Konsens einlassen und zugeben, dass es bei der Aufnahme von Migranten Kapazitätsgrenzen gebe. Auch der Verweis auf SPD-Bürgermeister, SPD-Landräte und Ministerpräsidenten, die öffentlich Alarm geschlagen haben, führte nicht dazu bewegen, Belastbarkeitsgrenzen zuzugestehen. Ganz offensichtlich in der taktischen Überlegung, dass daraus dann ja auch die Beantwortung der Frage nach Schlussfolgerungen und konkreten Maßnahmen folgen würde.
Allianz zwischen AfD-Storch und Wagenknecht
Spahn, den gerade das Migrationsthema sichtlich und glaubwürdig umtreibt, konnte auf diesem Themenfeld keine auch nur irgendwie befriedigenden Antworten hervorlocken. „Ich noch nicht einen Satz gehört, dass die Regierung überhaupt verstanden hat, was da los ist, dass die Leute das so nicht mehr wollen, und dass man eine andere Politik machen muss, wenn man Vertrauen zurückgewinnen will.“ Interessant war allenfalls die immer wieder durchscheinende Allianz zwischen AfD-Storch und BSW-Wagenknecht, die deutlich mit Blick auf die Spiegel-Journalistin Melanie Amann anmerkte: „Sie lügen sich in die eiegene Tasche und machen sich etwas vor, wenn Sie glauben, dass die Demonstrationen die AfD schwächen.“ Wenn Ampel-Politiker selbst an den Demonstrationen teilnehmen, sei das schlicht „unglaubwürdig“, weil diese Politiker gegen die Ergebnisse ihrer eigenen Politik demonstrieren.

Buntes Panel ohne Antworten: Die Illner-Runde
Amann wiederum verließ gegen Ende der Sendung gänzlich die Rolle der kommentierenden und einordnenden journalistischen Beobachterin und bekannte offen: „Ich verfalle hier in Depression bei solchen Wortbeiträgen“, womit der CDU-Politiker Jens Spahn gemeint war, dem sie die Ankunft im AfD-Sprech bescheinigte. „Es ist blanker Populismus zu sagen, man kann die Leute doch einfach zurückweisen“, so Amann zu Spahn, der sich von ihr auch in die Nähe des Schusswaffengebrauchs an der Grenze rücken lassen musste. „Weisen wir sie doch einfach zurück. Wenn das ginge, hätte Angela Merkel das doch schon 2015 gemacht. (...) Machen sie Vorschläge, die nicht einfach populistisch sind!“
Spahn fasste auch das Fazit dieser Sendung treffend zusammen, als er resümierte: „Seit acht Jahren reden wir darüber. Seit acht Jahren merken die Leute: es passiert einfach nichts!“ Und AfD-Politikerin von Storch konnte sich da in aller Ruhe zurücklehnen und einwerfen: „Es fehlt der politische Wille.“ Und so fehlten am Ende des Talks nicht nur einfache, sondern jedwede Antworten. Kein Wunder, wenn Wähler diesen Zustand als unbefriedigend empfinden und wenig Lust verspüren, den Antwortverweigerern ihre Stimme zu geben.
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