Werbekunden verloren: Warum Elon Musk gegen eine woke Lobbygruppe ankämpft
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Elon Musk hat sich einen neuen Feind ausgeguckt: Der 52-Jährige prüft derzeit eine Klage gegen die Anti-Defamation League (ADL), eine Partnerorganisation der deutschen Amadeu Antonio Stiftung, die Antisemitismus und Extremismus bekämpfen will. Was steckt dahinter?
Musk wirft der Organisation vor, Werbekunden auf seiner Plattform X (früher Twitter) vergrault zu haben. Bereits am Montag hatte er erklärt, dass er erwäge, die Anti-Diffamierungs-Liga zu verklagen – ironischerweise wegen Diffamierung. Musk beschuldigt die ADL, Twitter in den Bankrott treiben zu wollen. „Unsere US-Werbeeinnahmen sind immer noch um 60 Prozent rückläufig, vor allem aufgrund des Drucks, den die ADL auf die Werbetreibenden ausübt (das sagen uns die Werbetreibenden), so dass es ihnen fast gelungen wäre, X/Twitter zu töten“, schrieb er am Montag in dem sozialen Netzwerk. Ihm bleibe nichts übrig als eine Klage. Bis zu 22 Milliarden US-Dollar verlangt der Tesla-Chef.
Am Freitag legte er mit einem Meme nach: „Lasst das Anti einfach weg“, heißt es darin. „Nur Diffamierungs-Liga. Das ist klarer.“ Die ADL, eine Partnerorganisation der deutschen Amadeu Antonio Stiftung, hatte nach der Übernahme von Twitter Musks Führungsstil öffentlich kritisiert und behauptet, der Tesla-Chef erlaube es antisemitischen Gruppen, auf der Plattform „Propaganda zu organisieren und zu verbreiten“.

Elon Musk spricht von Diffamierung
Der Sender CNBC konfrontierte ADL-Chef Jonathan Greenblatt am Mittwoch mit den Anschuldigungen: Er glaube nicht, dass Musk ein Antisemit sei, aber dass die Plattform durch ihren Algorithmus antisemitische Inhalte „verstärke“, erklärte der ADL-Chef dem Moderator Andrew Ross Sorkin. Sorkin fragte Greenblatt daraufhin, ob er Werbekunden dazu dränge, ihre Beziehungen zu Twitter zu beenden.
Greenblatt verneinte zunächst, gab dann aber schlussendlich doch zu, dass er im November, nachdem Musk die Plattform erworben hatte, die Twitter-Werbenden zu einer „Pause“ aufgefordert hatte. Elon Musk ist der Ansicht, dass nur die „Offenlegung aller Dokumente über die gesamte Kommunikation zwischen der ADL und den Werbetreibenden die ganze Geschichte“ erzählen könne.
„Linksradikale Aktivistenorganisation“
In den vergangenen Tagen trendete dazu der Hashtag #bantheADL, unter dem zahlreiche konservative Aktivisten ihren Unmut über die „woke Lobbygruppe“ kundtat. Die ADL sprach daraufhin von einer antisemitischen Kampagne. Dabei werfen auch zahlreiche jüdische Stimmen der ADL vor, eine eindeutige politische Schlagseite zu haben und Zensur zu befürworten. Musk habe Recht, befand etwa Daily Wire-Moderator Ben Shapiro. Die ADL sei eine linke Interessengruppe, „die behauptet, im Namen jüdischer Anliegen zu sprechen“. Wie viele dieser Interessengruppen sei sie daran interessiert, Werbeeinnahmen aus Quellen zu entfernen, in denen sie die Inhalte nicht kontrollieren könne.
. @elonmusk is now at war with the Anti-Defamation League, a progressive interest group that proclaims it is speaking in the name of Jewish causes. And like a lot of these progressive interest groups, they are interested in removing advertising revenue from sources where they… pic.twitter.com/ZdLdfvJEdf
— Ben Shapiro (@benshapiro) September 6, 2023
Stephen Miller, ein ehemaliger Berater von Präsident Donald Trump, der Jude ist, kritisierte die ADL als „linksradikale Aktivistenorganisation, die radikalen Transgenderismus, die Auslöschung von Grenzen, den Abbau der Polizei und die Zerstörung der Meinungsfreiheit vorantreibt“. Die ADL sei „Teil einer großen Online-Zensurmaschine geworden, die sich Tag für Tag als ein Unternehmen gegen die Meinungsfreiheit entpuppt“, schrieb auch der Newsweek-Kolumnist Ron Coleman.
ADL-Chef Greenblatt hatte sich erst am 29. August mit dem neuen X-CEO Linda Yaccarino getroffen, um über „Hass“ auf der Plattform zu diskutieren. Die Kampagne der ADL gegen X erinnert unterdessen an die „Stop Hate for Profit“-Kampagne gegen Facebook. Um „Hass, Bigotterie, Rassismus, Antisemitismus und Desinformation“ zu bekämpfen, ruft die ADL seit Juli 2020 zu einem Werbeboykott auf. Seitdem versucht Facebook, seine Inhalte stärker zu regulieren, um gegen „Hate Speech“ vorzugehen.
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