Wie der SPIEGEL einen schlafenden Trump erfand
Ein Beitrag von
Aufregung um einen viral gegangenen Videoclip. Er soll zeigen, wie Donald Trump beim Parteitag der Republikaner einschläft. Tatsächlich schließt er nur die Augen zum Gebet. Der Spiegel stellt es dennoch anders dar.
Es war ein gefundenes Fressen für alle Gegner Trumps, als ein kurzer Ausschnitt vom Parteitag der Republikaner in Milwaukee suggerierte, der Präsidentschaftskandidat sei eingeschlafen. Und das, wo er selbst doch gern US-Präsident Biden gern „Sleepy Joe“ nennt. Aufnahmen vom Parteitag der Republikaner zeigen den Präsidentschaftskandidaten Donald Trump, der neben seinem Vize-Kandidaten J.D. Vance sitzt und anscheinend einschläft“, behauptet der Spiegel.
Die Nachrichtenagentur AFP hatte für einen Faktencheck allerdings den Zeitstempel im unteren Drittel des Bildschirms mit demselben Moment in verschiedenen Streams von NBC News und anderen Sendern verglichen. Ergebnis: Trump, wie auch andere in der Menge, neigte während eines Gebets von Pastor James Roemke den Kopf und schloss die Augen.
An der Hamburger Ericusspitze mag man die Widerlegung so nicht stehen lassen. Eine Passage aus einem Newsweek-Artikel übernahm das Nachrichtenmagazin fast wörtlich.
Newsweek schreibt:
„But further scrutiny from Newsweek reveals that the widely circulated clip actually occurred four minutes later, during the speech by Dhillon, a National Committeewoman of the Republican National Committee for California and a regular Fox News guest.“
Der Spiegel schreibt:
„Der Produzent von CBS News, Jim La Porta, versuchte, die Situation auf X zu klären und schrieb, dass Trumps Augen nicht geschlossen waren, weil er schlief, sondern weil der Clip angeblich während des Gebets von Pastor James Roemke aufgenommen wurde. Bei näherer Betrachtung stellt sich jedoch heraus, dass die Aufnahmen tatsächlich einige Minuten später einsetzen, während der Rede von Harmeet K. Dhillon, einer Frau des Nationalen Komitees der Republikaner in Kalifornien und regelmäßige Gästin (!) bei Fox News.“

Trump schließt die Augen zum Gebet. Seine Gegner unterstellen ihm, eingeschlafen zu sein.
Die „Rede“ der „Gästin“ war allerdings Ardas, ein Sikh-Gebet zu dem einen Gott mit der Bitte um Schutz und Führung (Dhillon stammt aus Indien, wanderte als Kind mit ihren Eltern in die Vereinigten Staaten aus). Und Trump schloss, wie im Video zu sehen ist, nur zweimal für jeweils ein bis zwei Sekunden die Augen, aber man liegt wohl nicht falsch, wenn man dem Nachrichtenmagazin aus Hamburg, das dem Präsidentschaftskandidaten in herzlicher Abneigung zugetan ist, zutraut, dass es jedes Blinzeln Trumps als Sekundenschlaf deutet.
Zwei Videos (hier und hier) zeigen eindeutig, dass Trump eben doch beim Gebet von James Roemke die Augen schloss – wie auch die anderen Teilnehmer des RNC. „Es wird gerade gebetet, und Sie sehen, wie der ehemalige Präsident Trump die Augen schließt“, sagte NBC-Nachrichtensprecherin Savannah Guthrie, als der Sender die Predigt des Pastors einspielte.

Pastor James Roemke predigte beim Parteitag der Republikaner.
Richtig ist, dass Donald Trump während seiner stundenlangen Verhandlungen im Gerichtssaal in New York mehrere Male offensichtlich eingedöst ist. Das Bildmaterial vom Parteitag der Republikaner zeigt allerdings, dass die Behauptung des Spiegel, Trump sei bei der „Rede“ von Harmeet K. Dhillon (die in Wahrheit ein Gebet war), eingeschlafen, nicht haltbar ist. „Sagen, was ist“ – das war früher mal.
Mehr NIUS:
Bayerischer Rundfunk hängt sich riesiges queeres Tripper-Plakat an die Zentrale
So wettern deutsche Medien gegen die WM
Collien Fernandes über ihren Kampf gegen digitale Gewalt: „Und dann dachte ich, okay, Luisa Neubauer ist schon mal auf meiner Seite”
Sibel Kekilli über Gewalt in ihrer türkischen Familie: „Dort ist meine Großcousine im Kreis verprügelt worden, weil sie einen Freund hatte”
ARD bastelt an „Trusted Content“: KI-Inhalte sollen aus „verlässlichen“ Quellen kommen
Micky Beisenherz erzählt stolz, wie sein Fußballverein AfD-Sympathisanten rauswirft
Gabor Steingart vergleicht Kanzler Merz mit SED-Führer Walter Ulbricht
ORF-Stream bricht bei Österreich-Sieg zusammen: Fans verpassen entscheidende Tore
Mehr NIUS:
Sibel Kekilli über Gewalt in ihrer türkischen Familie: „Dort ist meine Großcousine im Kreis verprügelt worden, weil sie einen Freund hatte”
ARD bastelt an „Trusted Content“: KI-Inhalte sollen aus „verlässlichen“ Quellen kommen
Micky Beisenherz erzählt stolz, wie sein Fußballverein AfD-Sympathisanten rauswirft
Gabor Steingart vergleicht Kanzler Merz mit SED-Führer Walter Ulbricht
ORF-Stream bricht bei Österreich-Sieg zusammen: Fans verpassen entscheidende Tore
„Du bist gut genug“: Wird diese Jammer-Hymne der Sommerhit 2026?
Nach Musk-Abmahnung: ZDF kürzt Beitrag „aus rechtlichen Gründen“
Als Beispiel für Müll nennt Funk die Bibel
Redaktion
Artikel teilen
Kommentare