Sieben Stunden vor dem Stromausfall in Berlin lief ein ZDF-Krimi, der Öko-Terrorismus verherrlicht und Reichsbürger zu Tätern macht
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Am Abend des 2. Januar 2026, also wenige Stunden vor dem Blackout in Berlin, strahlte das ZDF in seiner Primetime um 21:15 Uhr eine Folge der Krimiserie „SOKO Leipzig“ aus, die sich mit radikalem Öko-Terror beschäftigt. Die 90-minütige Sonderfolge „Kowalski“ behandelt die Entführung von Umweltaktivisten der „Blühenden Landschaften“, die in Verbindung mit der radikalen Öko-Gruppierung „Kommando 5 nach 12“ steht. Doch die Handlung nimmt eine unerwartete Wendung: Am Ende entpuppen sich nicht linksextreme Klimakämpfer als Täter, sondern Reichsbürger, die das Ganze als False-Flag-Operation inszenieren.
Der Plot des Films beginnt mit der Entführung von Sina Davids, der charismatischen Sprecherin der fiktiven Umweltgruppe „Blühende Landschaften“. Diese Aktivisten werden als friedliche Klimaaktivisten dargestellt: Junge Idealisten, die sich auf das Pariser Klimaabkommen berufen, Straßen blockieren, Farbe an Rathäuser schmieren oder Flughäfen protestierend lahmlegen – Methoden, die an reale Bewegungen wie „Fridays for Future“ oder „Letzte Generation“ erinnern. Sie predigen Nachhaltigkeit, kritisieren den Kapitalismus und fordern radikale Maßnahmen gegen den Klimawandel, bleiben aber strikt gewaltfrei.
Im Kontrast dazu steht das „Kommando fünf nach zwölf“, eine dubiose Gruppierung, die von Ökoterroristen durchsetzt ist und immer wieder Sabotageakte verübt: Angriffe auf Stromleitungen, Bahnstrecken und Wirtschaftsunternehmen, um die Politik zu einem Umdenken zu zwingen. Die Metapher „fünf nach zwölf“ unterstreicht ihre Botschaft: Es ist bereits zu spät für sanfte Reformen; nur Disruption könne die Katastrophe abwenden.
Doch zum Ende nimmt der Film (Regie: Robert Del Maestro, Drehbuch: Markus Hoffmann) eine unerwartete Wendung: Es stellt sich heraus, dass das „Kommando fünf nach zwölf“ nur eine Erfindung sei. Die Anschläge und die Entführung stellen sich als Werk von Reichsbürgern heraus: rechtsradikalen Akteuren, die die Bundesrepublik als illegitimes Konstrukt sehen und verschwörungsgläubig sind. Im Film inszenieren sie die Sabotageakte als „Öko-Terror“, um das System zu destabilisieren: Sie schüren Angst in der Bevölkerung, untergraben das Vertrauen in Demokratie und Institutionen und positionieren sich selbst als „Retter“.

Die Ermittler der Soko Leipzig grübeln: Leon Krupa ist einer der beiden entführen Öko-Aktivisten der „Blühenden Landschaften“.
Ein Ermittler erklärt es so: „Ziel der Reichsbürger ist, unser System zu destabilisieren, den Leuten Angst zu machen und ihnen das Vertrauen in die Demokratie zu nehmen.“ Am Ende siegen die Ermittler, und die wahren Täter – die „bösen Rechten“ – werden enttarnt. Der Film endet mit einer Mahnung: Die eigentliche Bedrohung kommt nicht von links, sondern von rechts.
Zwölf Tatkomplexe seit 2011
Diese narrative Kehrtwende erscheint regelrecht grotesk vor dem Hintergrund, dass sieben Stunden nach der Erstausstrahlung, in den frühen Morgenstunden des 3. Januar, ein Kabelhaus in Berlin-Lichterfelde brannte, das in der Hauptstadt für den längsten Stromausfall der Nachkriegsgeschichte sorgte. Der Anschlag, zu dem sich die „Vulkangruppe“ bekannte, führte zu einem mehrtägigen Blackout für rund 130.000 Menschen in den Stadtteilen Zehlendorf, Lichterfelde, Wannsee, Nikolassee und Schlachtensee. Geschäfte schlossen, Heizungen fielen aus, und der Alltag kam zum Erliegen: ein Szenario, das dem Vorgehen des „Kommandos 5 nach 12“ erschreckend ähnelt, nur ohne die rechte Verschwörung.
Die „Vulkangruppe“, eine anarchistische Gruppierung, die dezentral und in einem „Franchise“-System agieren soll, bekennt sich immer wieder zu Sabotageakten gegen Infrastruktur. Ermittler rechnen ihr mindestens zwölf Tatkomplexe zu. Bekannt wurde sie durch den Angriff auf das Tesla-Werk in Grünheide. Ihre Bekennerschreiben kritisieren den „industriellen Kapitalismus“ und fordern einen Systemwandel im Namen des Klimaschutzes.
Der Kontrast könnte kaum schärfer sein: Während der ZDF-Film Ökoterrorismus entdramatisiert und auf rechte Kräfte umlenkt, demonstriert der reale Anschlag genau das Gegenteil. Die ZDF-Zuschauer und „SOKO Leipzig“-Fans quittierten den unerwarteten Plot derweil überwiegend mit Kritik. Auf Facebook sind ausschließlich negative Kommentare zu lesen. Dort ist von „Bullshit“ und „absurder Räuberpistole“ zu lesen. Eine Userin schreibt: „Soko Leipzig darf sich bald ändern ... sonst werden viele Fans abwandern.“
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