ARD-Moderatorin Verena Sierra kassiert Honorar von der Bundesregierung
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- Verena Sierra arbeitet als Moderatorin für die ARD.
- Parallel dazu moderierte sie das Kanzler-Gespräch in Saarbrücken und kassierte dafür Honorar.
- Der Saarländische Rundfunk sieht bei dieser möglichen finanziellen Abhängigkeit von der Regierung keinen Interessenskonflikt.
Am vergangenen Mittwoch zeigte sich Olaf Scholz in Saarbrücken bürgernah. Rund 150 Saarländer hatten die Chance, dem Bundeskanzler ihre Fragen zu stellen. Die Teilnehmer wurden von der Saarbrücker Zeitung und Radio Salü ausgewählt. Moderiert wurde das Bürgergespräch von Verena Sierra, die sonst als Moderatorin für den Saarländischen Rundfunk (SR) tätig ist.
Nun stellt sich die Frage: Kann jemand, der für Regierungs-Veranstaltungen Honorare kassiert, gleichzeitig unabhängiger Journalist sein? Ist die journalistische Neutralität noch gewahrt?

18,36 Euro zahlt jeder Haushalt an Rundfunkgebühren. Dafür könnte man im Saarland eine strikte Trennung zwischen kritischem Journalismus und Bundesregierung erwarten.
Saarländischer Rundfunk wusste nichts von Sierras Auftritt
NIUS fragte beim SR nach. Der gebührenfinanzierte Sender sieht in einer möglichen Bezahlung durch die Bundesregierung von Sierra kein Problem. „Verena Sierra ist beim SR als sogenannte feste freie Mitarbeiterin beschäftigt“, teilt ein Sprecher auf NIUS-Nachfrage mit. Bedeutet: Sierra ist selbstständig tätig und entsprechend nicht an Weisungen gebunden. Der SR erfuhr erst durch die NIUS-Anfrage von dem Engagement Sierras für die Bundesregierung.

„Es wurde eine für das Format geeignete professionelle Moderatorin gesucht und gefunden“, sagt die Bundesregierung zu NIUS. Dass es häufig Moderatoren aus dem Topf von ARD und ZDF sind, ist wahrscheinlich Zufall.
Doch auf der Homepage vom SR ist Verena Sierra als fester Bestandteil des Moderatorenteams mit Foto vermerkt – dabei sieht sich der SR als unabhängiger Nachrichtensender. „Die journalistische Unabhängigkeit von SR1 wird durch ein Team von Redakteurinnen und Redakteuren täglich geprüft und gesichert. Es gilt stets das Mehr-Augen-Prinzip“, sagt ein Sprecher zu NIUS.
Bundesregierung bestätigt Honorar
Das Bundeskanzleramt bestätigt gegenüber NIUS, dass Sierra für den Auftritt Geld kassiert hat: Ein Sprecher teilt mit: „Für die Veranstaltung wurde Verena Sierra für entgeltliche Moderationsleistungen beauftragt.“ Über die Höhe des Honorars wollte die Bundesregierung keine Auskunft geben. Ein Sprecher teilt NIUS mit: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir mit Blick auf das durch Art. 12 und 14 GG geschützte Betriebs- und Geschäftsgeheimnis keine weiteren Angaben zum Honorar machen können.“

Olaf Scholz beim Kanzlergespräch in Saarbrücken am Mittwochabend. Verena Sierra dahinter, aber immer nah dran am Kanzler.
Besonders brisant: SR1, wo Sierra als Moderatorin tätig ist, berichtete sogar am nächsten Morgen über das Kanzler-Gespräch – der SR1-Reporter Aaron Klein war sogar vor Ort. Seine Kollegin hat er wohl nicht erkannt oder die Beteiligung von ihr bewusst nicht erwähnt.
Dass die Bundesregierung gerne auf Journalisten von ARD und ZDF zurückgreift, ist kein Zufall. Erst im März moderierte ARD-Frau Anja Köbel ein Kanzler-Gespräch in Dresden (NIUS berichtete).
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