„Ein Handgeld in der Höhe eines Jahresgehalts? Die Afghanen lachen sich schief über die Deutschen.“
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Der Afghanistan-Experte Reinhard Erös hat sich kritisch zum Abschiebeflug von vergangener Woche mit 28 Afghanen geäußert. „Das ist wie die Mondlandung für die Menschen dort“, sagte Erös der Mittelbayerischen Zeitung. „Doch das hat es noch nie gegeben“, so der 76-Jährige – und verwies darauf, wie positiv die Wahrnehmung solcher Ausweisungen vor Ort sei.
Weiter führte er aus: „Dass ein westliches Land Schwerkriminelle mit einem Flug der Luxus-Fluglinie Air Qatar in ihr Heimatland schickt, ist das eine“. Das andere sei, dass die Abgeschobenen dazu auch noch ein „Handgeld in der Höhe eines Jahresgehalts mit in die Tasche bekommen, das ist die Sensation schlechthin“.
Erös schlussfolgert in der Mittelbayerischen Zeitung: „Die Afghanen lachen sich schief über die Deutschen.“

Die Taliban bei einer Militärparade im August in Kabul.
Am vergangenen Freitag hatte die Bundesregierung per Charterflug von Leipzig nach Kabul 28 afghanische Straftäter aus mehreren Bundesländern abgeschoben. Dabei handelte es sich primär um Mehrfach- und Intensivtäter. Demnach war unter den Abgeschobenen der Mann aus Neustrelitz, der 2022 eine Elfjährige vergewaltigt hatte und Abdul Saber Fazeli, der 160 Straftaten in Deutschland verübt hatte. Auch dabei: Mukhtar N. aus Illerkirchberg, der vor fünf Jahren bei der Gruppenvergewaltigung einer 14-Jährigen dabei war. Für Aufsehen und Kritik hatte dabei auch die Tatsache gesorgt, dass das Bundesinnenministerium ein Handgeld in Höhe von 1000 Euro für die Abgeschobenen durchgesetzt hatte.
Konfiszieren die Taliban das Handgeld?
„Öffentlich äußern sich die Taliban nicht zu den 28 Abgeschobenen. Das lässt auch Spekulationen ins Kraut schießen, dass nicht nur die Abgeschobenen 1000 Euro Handgeld bekommen haben, sondern auch die Taliban dafür bezahlt wurden, dass sie die Männer zurücknehmen“, so Erös.
Für ihn sei zudem sicher, dass die Taliban den Männern das Geld abgenommen und einbehalten hatte. „Das Durchschnittseinkommen in Afghanistan beträgt 80 Euro im Monat. Da sind 28.000 Euro ein Vermögen“, so Erös, der sich 1986 für vier Jahre lang beurlauben ließ, um der afghanischen Bevölkerung als Arzt zu helfen. 1998 gründete Erös zudem gemeinsam mit seiner Frau die „Kinderhilfe Afghanistan“, mit Hilfe derer etwa 30 Schulen entstanden.

Das Gefängnis Pul-e-Charkhi
Bisher sei nicht berichtet worden, dass die Männer ins Gefängnis mussten. „Knast in Afghanistan ist etwas anderes als in Deutschland“, sagt Erös. Über den Verbleib der Männer sei derzeit nichts bekannt, man vermute, sie wurden zu ihren Familien gebracht. „Gut wird es ihnen dort nicht ergehen“, schließt Erös.
Die Bild berichtete derweil, dass ihren Recherchen zufolge die Abgeschobenen in das Pul-e-Charkhi-Gefängnis gekommen seien. Dort sollen miserable Bedingungen vorherrschen, die Bild schreibt von einem „Horror“-Gefängnis und verweist unter anderem auf Wassermangel vor Ort. Zudem sei es „unklar“, so BILD, „was nach Ankunft in Kabul und der Einlieferung im Gefängnis mit dem Geld passiert ist.“
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