Literat Tellkamp: „Ich sehe wieder eine neue Art von Staatskunst aufblühen, die gefördert wird, die die Preise kriegt“
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- Uwe Tellkamp gehört zu den renommiertesten deutschsprachigen Autoren.
- Doch Tellkamp gilt inzwischen auch als jemand, der sich politisch zu Wort meldet.
- Mit Ralf Schuler sprach er über die Stimmung in Thüringen und Sachsen kurz vor den Landtagswahlen – und die gefährliche Kulturpolitik der Ampel-Regierung.
Uwe Tellkamp weiß, wie man erfolgreich Bücher schreibt. „Der Turm“ wurde millionenfach verkauft und 2008 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Im Gespräch mit Ralf Schuler betrachtet er die Entwicklungen in der heutigen Literatur- und Kulturszene jedoch mit Sorge. Vieles erinnere ihn wieder an dunkle Zeiten der DDR mit ihren „Kotaus vor den herrschenden Erzählungen.“
Als Beispiel nennt er im Gespräch eine Anekdote von der vergangenen Buchmesse, wo alle bunte Zettel hochhalten mit der Aufschrift ‚Demokratie wählen jetzt‘. „Was habt ihr denn dann bisher gewählt?“, fragt sich der Autor. Fast alle hielten den Zettel in die Luft – „pflichtschuldig und treu neben Claudia Roth und Kretschmer“. Und Abweichler würden gleich auf sozialen Medien rausgesucht und diskreditiert.

Ralf Schuler besuchte Uwe Tellkamp in seiner Geburtsstadt Dresden.
„Kulturpolitik soll sich bitte raushalten!“
„Welche Rolle spielt die Kulturpolitik?“, fragte Schuler den Experten. „Eine viel zu große!“, war Tellkamps prompte Antwort. Weiter: „Die soll sich bitte raushalten. Die Künstler wissen in der Regel selber, was sie machen. Und sie sollen auch alles machen können, auch provokativ. Das ist ja gerade das, was ich will. Ich will die Mohammed-Karikaturen, ich will die Karikaturen des Christentums. Ich will, dass einer ohne Angst irgendein Bild malt, mit Inhalten, die schwierig sind. Denn so ist das Leben. Und Kunst spiegelt Leben wider in all seinen Facetten, Abgründen, Vielfältigkeiten.“

Tellkamp kritisiert die Kulturpolitik von Claudia Roth scharf.
Förderungen und Preise nur noch für Ausgewählte
Tellkamp sieht in diesem Zusammenhang eine große Gefahr: „Ich sehe wieder, dass man zwischen den Zeilen liest, dass man die Autoren sehr genau schon auch kennt. Die, wo du sagst: ‚okay, du bist anderer Meinung‘“, erklärt der 55-Jährige. „Ich sehe wieder eine neue Art von Staatsliteratur und Staatskunst aufblühen, die gefördert wird, die die Preise kriegt, Stipendien kriegt, die eingeladen wird und so weiter.“

Ralf Schuler im Gespräch mit Uwe Tellkamp
Linke handeln „unterdrückerisch“
Tellkamp zeigt sich verwundert darüber, dass Kulturstaatsministerin Claudia Roth vergessen habe, dass Kunst und Kultur besonders kritisch mit den Mächtigen sein sollte. „Das, was Linke sich an Verboten in Kunst und Kultur leisten, habe ich von konservativen Liberalen nie erfahren.“
Gerade Claudia Roth müsse deshalb wissen, wie wichtig Aufmüpfigkeit sei, appelliert Tellkamp. „Eine Kulturpolitik, die aus dem Punk kommt à la ‚Ton, Steine, Scherben‘, die aber gleichzeitig Campino als Staatspunk hinstellt – das muss man sich mal vorstellen – das ist so lächerlich, wie der Staatszauberer von Neuseeland, den es dort gegeben hat zur Beschwörung der Maori-Kultur.“
Das ganze Gespräch mit Uwe Tellkamp finden Sie hier:
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