Wirtschaftsjournalist Morten Freidel über Windrad-Pläne: „Schon die technische Umsetzbarkeit ist ein riesengroßes Problem“
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- Als Journalist hat Morten Freidel jahrelang die deutsche Energiepolitik verfolgt.
- Im Gespräch mit Ralf Schuler erklärt der stellvertretende Chefredakteur der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) in Deutschland, welche Fehler Robert Habeck, aber auch seine Vorgänger, in ihrer Energiepolitik gemacht haben.
- Außerdem rechnet der Experte vor, welch utopischen Aufwand Deutschland betreiben müsste, um seine selbst gesteckten Klima-Ziele, etwa bei Windrädern, zu erreichen.
Naturschutz oder nachhaltige Windenergie? Man könne nicht beides uneingeschränkt haben, erklärt NZZ-Journalist Morten Freidel im Gespräch mit Ralf Schuler. Der Experte verfolgt seit Jahren die deutsche Energiepolitik und sieht, insbesondere bei der aktuellen Ampel-Regierung, Widersprüche aufziehen: „Wenn die Energiepolitik so umgesetzt wird, wie sie die Grünen sich wünschen, dann greifen wir unglaublich stark in unsere Landschaften ein.“
Technische Umsetzbarkeit der Energiewende zweifelhaft
Freidel lässt durchblicken, dass die Energiewende in den vergangenen Jahren seiner Meinung nach an der Realität vorbei geplant worden sei. „Schon die technische Umsetzbarkeit ist schwierig“, konstatiert der Experte. Bereits daran werde es scheitern. Denn in der Theorie müsse Deutschland pro Tag vier bis fünf große Windräder bauen. „Mit groß sind Windräder gemeint, die über 200 Meter groß sind.“ Und dafür brauche es nicht nur die Flächen.

Freidel ist ein Befürworter des Emissionshandels, bezeichnet es im Gespräch mit Ralf Schuler sogar als „Lieblingsinstrument“ für Klimaschutz.
Freidel: „Für ein solches Windrad brauchen Sie bis zu 100 Schwerlasttransporter. Das heißt, es fahren 400 Schwerlasttransporte durch Deutschland jeden Tag für zehn Jahre am Stück, um nur allein die Ziele für den Windradausbau an Land zu schaffen. Und da, würde ich sagen, ist schon die technische Umsetzbarkeit ein riesengroßes Problem.“
„Tiefgreifende Eingriffe in die Naturlandschaft“
Von den enormen finanziellen Investitionen ganz zu schweigen. „Ich wollte einfach noch mal zeigen, was für eine gigantische Herausforderung Deutschland sich selbst auferlegt“, ergänzt Freidel und fügt noch einen zweiten Punkt hinzu: „Ja, ich würde auch sagen, es wird schwierig irgendwann, wenn wirklich allen klar ist, wie tiefgreifend eigentlich die Erneuerbaren in die Naturlandschaft eingreifen, ob dann wirklich noch Mehrheiten vorhanden sind für diesen Weg.“

Die Versorgung mit Wind und Sonne beschreibt Freidel als eine „deutsche Lebenslüge“.
Experten rieten zur Reaktivierung von AKW
Was tun, wenn kein Gas mehr kommt? Freidel und viele andere Experten erinnerten damals daran, dass es durchaus noch funktionierende Atomkraftwerke gab. „Und das waren nicht nur die drei, die im Moment noch laufen“. Man hätte auch noch die drei, welche im Jahr zuvor durch die Ampel abgeschaltet wurden, reaktivieren können.

Klartext: Klimaschonende Energie ist für Freidel auch Atomenergie.
„Die könnte man wieder ans Netz holen, mit relativ vertretbarem Aufwand. Und dann hätte man schon mal 12 Prozent klimaschonende Energie, die am Band einfach mitläuft.“
Auch in Bezug auf die Entsorgung von Atommüll werde die Debatte nicht vernünftig geführt, so Freidel. Das werde immer so aufgebauscht, sagt der 41-Jährige: „Oh Gott, der strahlende Müll! Aber er greift unglaublich geringfügig in die Landschaft ein und das Verhältnis der Energie, die da erzeugt wird zu der Landschaftsversiegelung, die man hat, oder den Eingriff in der Landschaft, ist extrem gut, und das ist, glaube ich, irgendwie in der Debatte total verloren gegangen.“

Freidel hat über die Klimapolitik ein Buch geschrieben und gibt Empfehlungen mit gesundem Menschenverstand.
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