Historiker Prof. Wolffsohn über deutsche Israel-Position: Um Drohnen betteln, aber keine Waffen liefern – ein „absurdes Theater“
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Wie ehrlich ist die deutsche Außenpolitik gegenüber Israel? Der Historiker und Publizist Prof. Michael Wolffsohn rechnet im Gespräch mit NIUS-Politikchef Ralf Schuler mit der deutschen Israel-Politik ab. Dabei geht er auch auf historische Politikfehler der Vergangenheit unter Kanzlerin Angela Merkel ein.
Das ganze Interview können Sie hier anschauen:
„Sie können von Glück reden, dass sie nicht ihr Land verlieren“
Wolffsohn hat selbst in der israelischen Armee gedient, nun ist er einer der profiliertesten Historiker in Deutschland. „Wer Krieg anfängt und ihn verliert, muss damit rechnen, dass er entmachtet wird. Und Deutsche, die ja bekanntlich nicht vergessen wollen – was sehr löblich ist – dürften auch nicht vergessen haben, dass es 1945 in Deutschland ähnlich war. Die Nationalsozialisten haben den Zweiten Weltkrieg begonnen“, sagt der Experte.

Blutspuren lassen das Ausmaß des Horrors vom 7. Oktober erahnen.
Den Palästinensern unter der Führung der Hamas passiere nun, was den Nationalsozialisten früher passiert sei. „Angriff, 1200 Israelis auf brutale Weise massakriert – und jetzt werden sie ihre Waffen abgeben müssen und die politische Führung verlieren. Und sie können von Glück reden, dass sie nicht ihr Land verlieren.“

Sderot: Die Terroristen töteten Israelis im Morgengrauen.
Deutschland als ernsthafter Akteur im Nahen Osten? „Das ist pures Wunschdenken!“
Zur Rolle der deutschen Regierung sagte Wolffsohn: „Ich würde sagen, dass die deutsche Regierung sich nicht anders verhalten hat und verhalten konnte als vorher. Sie bildet sich ein, egal welche Koalition Deutschland regiert, ein ernsthafter Akteur im Nahen Osten zu sein. Das ist pures Wunschdenken. Gleiches gilt auch für die Europäische Union. Der einzige Akteur auf der internationalen Bühne, der wirklich zählt und Gewicht hat, das sind die USA, egal wie der Präsident dort heißt.“

Prof. Michael Wolffsohn im Gespräch mit NIUS-Politikchef Ralf Schuler: „Der einzige Akteur auf der internationalen Bühne, der wirklich Gewicht hat, das sind die USA.“
Merkel brachte nur „leere Worte“
Dass sich Israel nicht auf Deutschland verlassen könne, sei schon im März 2008 klar gewesen, als Bundeskanzlerin Angela Merkel vor dem israelischen Parlament von der Deutschen Staatsräson sprach und darüber hinaus formulierte, dass ein Angriff auf Israel von Deutschland wie ein Angriff auf die Bundesrepublik Deutschland betrachtet würde. Wolffsohn: „Schon da war die Bundeswehr das, was sie im Grunde genommen jetzt ist, nämlich nur noch ein Schatten einer richtigen, einsatzkräftigen und einsatzfähigen Armee.“

Merkel sprach 2008 vor dem israelischen Parlament.
Aus heutiger Sicht hat Angela Merkel für den Experten nur „leere Worte“ gesprochen. Und sie implizierte damit „so etwas wie ein NATO-Beitritt Israels, ohne die übrigen NATO-Mitglieder gefragt zu haben. Also das war schon geradezu ein usurpatorischer Akt in Bezug auf die Mitgliedschaft Israels in der NATO, um die Israel nicht gebeten hat.“
Damals habe das alles sehr schön geklungen, erinnert sich Wolffsohn. „Und dann gab es später eine Debatte darüber, was es eigentlich bedeuten sollte. Und da klang es schon eigentlich nicht mehr so gut. Das Klingen und Klingeln ersetzt keine gute Politik.“
„Wenn man von Guerillakrieg nichts versteht, sollte man besser schweigen“
Dass andere Länder Israel für seine Kriegsführung kritisierten, sei nichts Neues in der jüdischen Weltgeschichte. „Die Außenwelt hat den Juden immer schon ‚gute Tipps‘ gegeben.“ Die Lebensqualität von Juden habe sich seit dem 7. Oktober 2023 weltweit dramatisch verschlechtert.
Der Krieg der Hamas gegen Israel sei ein klassischer Guerillakrieg. Der feindliche Soldat schieße aus der Zivilbevölkerung heraus. „Der Partisan, in diesem Falle Hamas, trägt keine Uniform und ist nicht erkennbar als ein aktiver Kämpfer. Und das führt dazu, dass von vornherein die Partisanen oder Guerillas den massenhaften, also unausgewogenen Tod der eigenen Zivilisten mit in Kauf nehmen. Das ist eine ganz zynische Rechnung. Aber wenn man von Guerillakrieg nichts versteht und trotzdem protestiert, dann sollte man besser schweigen.“ Wolffsohn weiter: „Die Tragödie der Palästinenser besteht darin, dass ihre Führung die eigenen Zivilisten als Kanonenfutter missbraucht.“

Hamas-Bestien töteten alles jüdische Leben, das sie finden konnten.
Die Rede von Merz in der Münchner Synagoge, bei der der Kanzler in Tränen ausbrach, sei für ihn sehr eindrucksvoll gewesen, so Wolffsohn. Allerdings räumt der Historiker, angesprochen auf den Widerspruch, dass Merz einerseits ein Eintreten für die Sicherheit und das Existenzrecht Israels versprochen habe, andererseits aber keine Waffen liefern wolle, ein: „Bei allem Respekt der Person und dem Kanzler Friedrich Merz gegenüber, den ich eigentlich sehr schätze, halte ich das für einen totalen Widerspruch. Und dieser Widerspruch ist genau in diesen Tagen besonders erkennbar. Auf der einen Seite verkündet Deutschland, keine Waffen mehr an Israel liefern zu wollen. Okay, darüber kann man diskutieren. Festzustellen ist in diesem Zusammenhang, dass die deutschen Waffen im Prinzip für die israelische Kriegsführung, ob in Gaza oder wo auch immer, überhaupt keine Rolle spielen oder wenn überhaupt, nur eine sehr geringfügige. Munition, Waffen etc. sind auf dem internationalen Markt leicht zu erwerben.“
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Ralf Schuler
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