Manager-Legende Kurt Lauk über Verbrenner-Aus: „Wie strategisch dumm die EU entscheidet, ist jenseits von Gut und Böse“
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Er ist eine echte deutsche Manager-Legende: Professor Kurt Joachim Lauk war Vorstands-Vize von Audi, lenkte die Nutzfahrzeug-Sparte bei Daimler und hatte als Vorstand die Finanzen von EON im Blick. Es gibt wohl niemanden, der besser weiß, wie es um die deutsche Wirtschaft steht. Im Gespräch mit NIUS-Politikchef Ralf Schuler vergleicht der Experte die Wirtschaftspolitik von Schwarz-Rot mit dem Kurs der Titanic.
Es brauche mehr Kraftanstrengungen, so Lauk. „Diese Regierung macht doch folgendes: Sie verschiebt permanent die Liegestühle auf dem Deck der Titanic und nennt das Reform.“ Doch der Kurs Richtung Eisberg ändere sich dadurch nicht.
Hier geht es zum Interview:
„Wir haben keine Technologieoffenheit mehr“
Im Gespräch nennt Lauk zahlreiche Beispiele: Chipindustrie, Satelliten, Batterien, Cloud-Computing (inklusive des hohen Stromverbrauchs) und auch die E-Mobilität sind Bereiche, wo Deutschland international schon heute keine führende Rolle mehr spiele. „Wir haben keine Technologieoffenheit mehr in diesem Land“, sagt er. Zu viele Regulierungen und das Ziel der Klimaneutralität habe jeden Innovationsgeist verjagt. Bei Fusionsreaktoren kündigt die Merz-Regierung etwa große Investitionen in Forschung und Entwicklung an. „Aber 2 Milliarden genügen nicht“, insbesondere wenn China das Zehnfache investiert.

Manager Lauk empfing Ralf Schuler in seinem Stuttgarter Stadtbüro.
Es braucht jetzt deutsche „Manhattan-Projekte“
„Wir brauchen in vier, fünf Feldern, wenn die Bundesrepublik weiter Industrienation sein möchte, sogenannte ‚Manhattan-Projekte‘. Das ist das, was die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg gemacht haben. Für die Entwicklung der Atombombe haben sie einfach alles zusammengeschmissen und Geld reingeschoben, damit das Ding funktioniert. Ich plädiere jetzt natürlich nicht für die Entwicklung von Atombomben, sondern ich sage, dass diese Art von Projekt sein muss.“ Nicht nur bei Fusionsreaktoren brauche es diese Kraftanstrengung, auch bei einem Konkurrenzprodukt zu Starlink von Elon Musk, der bereits mehr als 7.000 Satelliten im All habe. Musk „verlangt für den Dienst – weltweit Telefonie, Internet und Breitband – 80 US-Dollar im Monat. Das kriegen Sie von unserer Telekom nicht.“

Elektromobilität sieht Lauk nicht kritisch, nur die Art und Weise der Umsetzung sei alarmierend. Die Industrie werde abgewirtschaftet und man lasse sich auf Abhängigkeiten aus China ein.
„Chemie, Automobil, Maschinenbau – wir waren Weltmarktführer“
Lauk warnt, dass Deutschland gerade die dritte industrielle Revolution – die Digitalisierung – verpasse. „Chemie, Automobil, Maschinenbau – wir waren Weltmarktführer von 1950 bis 2010.“ Doch die Digitalisierung habe man „verpennt“. Hinzu kommt „eine Regierung, die das noch nicht realisiert hat.“ Diese Regierung mache doch folgendes: „Die verschiebt permanent die Liegestühle auf dem Deck der Titanic und nennt das Reform.“ Dabei wäre ein Kurswechsel zwingend notwendig, appelliert der Ex-Manager. „Wie strategisch dumm die Europäische Union entscheidet, ist jenseits von Gut und Böse. Wenn ich entscheide als EU: ‚Wir verbieten den Verbrennermotor 2035‘, dann kann ich das machen.“
Doch was würde das bedeuten? Lauk: Man benötigt dann einen Batterieantrieb und stellt ruckzuck fest, dass „der Batterieantrieb aus China 80 Prozent Weltmarktanteil hat. Das heißt also, ich habe entschieden, dass ich, der deutsche und europäische Motoren baut, chinesischen Antrieb einbaue. Ob das strategisch sinnvoll ist, darüber muss ich nochmal nachdenken. Das haben die aber nicht gemacht.“
Der Experte sieht die Wirtschaft in großer Gefahr: „Diese Art von idiotischer – man kann es nicht anders sagen – strategischer Fahrlässigkeit begegnet uns in der EU permanent. Deshalb ist es wichtig, dass Deutschland bei diesen großen Projekten, die ich angesprochen habe, alleine die Führung übernimmt. EU geht nicht mehr.“
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Ralf Schuler
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