Der Kaiser hat sein Zepter aus der Hand gelegt: Nachruf von Waldi Hartmann auf Franz Beckenbauer
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Der Kaiser ist tot. Das meldete das Radio zuletzt am 4. Juni 1941. Wilhelm II. war im holländischen Doorn 82-jährig gestorben. Er war der letzte deutsche Kaiser von 1888-1918.
Der Kaiser ist tot, das waren die Worte eines Freundes, der mir am Telefon die Nachricht vom Tod Franz Beckenbauers überbrachte. Es kam nicht mehr so ganz überraschend für mich. Franz war schon seit längerer Zeit sehr krank. Jetzt hat der Kaiser also sein Zepter aus der Hand gelegt.

Sommer 1990: Beckenbauer holt als Teamchef mit Deutschland den WM-Titel
Abpfiff eines sehr erfolgreichen Lebens und Wirkens, das in den letzten Jahren auch Kratzer bekam, die nicht zuletzt dazu geführt hatten, dass Franz sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat. Kratzer, die ihm übereifrige sogenannte investigative Schreibaktivisten zugefügt haben.
Alle haben dabei die unbezahlbaren Verdienste eines Ausnahmetalents vergessen, ohne das der deutsche Fußball um eine riesige Portion ärmer wäre.
Weltmeister als Spieler und Trainer, Organisator der WM im eigenen Land und ganz alleine zuständig für das Sommermärchen 2006. Er lebte den größten Teil seines Lebens wie er Fußball spielte: leichtfüßig, elegant und schwerelos. So wie es aussah, wenn er mit dem Ball aus der eigenen Hälfte bis in den gegnerischen Strafraum tanzte.

Beckenbauer war bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 Mannschaftskapitän.
Er bewarb sich nie für irgendeinen Job, er wurde gebeten. Ob Kapitän bei Bayern oder in der Nationalmannschaft, ob Teamchef des DFB oder Präsident bei den Bayern, er galt immer als die beste Lösung und Hoffnung auf Erfolg.
Was Franz begann, führte in allen Fällen zu einem guten Ende. Das ruft in Deutschland erfahrungsgemäß die Neider auf den Plan.
Weil wir Deutschen da den Tauben ähnlich sind. Deutsche kacken auch gerne auf ihre Denkmäler. Und genau diese Neider haben Franz Beckenbauer in den letzten Jahren verbittert werden lassen.

Franz „Der Kaiser“ Beckenbauer
Ich hatte das Glück, Franz schon früh kennenzulernen. Er schon als Weltstar, ich als Reporter. Er gab nie den Star, war zugänglich und ohne Allüren. Mit ihm zusammen moderierte ich die Vorstellung der DFB-Bewerbung um die WM 2006 im Münchner Prinzregentheater.
Wir kamen uns auch privat näher. Den Besuch der Hochzeit mit meiner Frau Petra sagte er ab. Luggi Müller, Nationalspieler und Mitglied seiner Freundesrunde „Schneeforscher“ feierte einen runden Geburtstag. Seine Absage erklärte er mit seiner Art von Humor: Der Luggi hat nur einmal runden Geburtstag, Du heiratest noch dreimal. Da lag er ausnahmsweise mal falsch. Wir sind noch immer glücklich.

Weltstars unter sich: Pelé und Beckenbauer feiern ihren Karriere-Herbst im Jahr 1977 in New York.
Und er? Der Himmel darf sich freuen. Es kommt einer der ganz Großen.
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Waldi Hartmann
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