In einem Jahr ist die Heim-EM schon wieder vorbei. Gott sei Dank …
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Kennen Sie irgendjemanden, der im EM-Fieber ist? Der schon von Stadion-Touren nach Hamburg, Düsseldorf oder Stuttgart träumt? Der unbedingt ein Spiel sehen will, und sei es nur San Marino gegen Kasachstan (ja, die könnten wirklich dabei sein)? Ich kenne niemanden.
Das Finale wird am 14. Juli 2024 gespielt. Heißt also: Heute in einem Jahr ist die Heim-EM vorbei. Gott sei Dank. Von mir aus muss sie gar nicht erst anfangen.
Ich spüre einfach keine Vorfreude. In meiner Erinnerung war der Sommer 2005 ein Sommer der Vorfreude auf das Sommermärchen 2006. Da hatte ein ganzes Land Lust auf ein Jahrhundert-Ereignis, vom Fan bis zum Spieler: Alle wollten mit dabei sein.
Heute muss man sagen: Wenn Deutschland spielt, kriegt das kaum noch jemand mit. Was vielleicht auch ganz gut so ist, weil die Leistung der Nationalmannschaft nichts mit dem Anspruch der Nationalmannschaft zu tun hat. Lustloser und konzeptloser Rumpel-Fußball, trainiert von einem Mann, der seinen eigenen Rauswurf fordern würde, wenn er Fan wäre. Gemeint ist Hansi Flick. Sie wissen schon. Der Mann, der nach den Enttäuschungen immer die Spiele schön redet. Dazu kommen Spieler, die eher Verletzungen vermeiden als sich in den Kader spielen wollen.
2005 hatten wir beim Heim-Confed-Cup Poldi und Schweini, bis heute sind wir verliebt in die beiden. Wie heißen noch mal die Hoffnungsträger für 2024?

Bank-Tristess: Nationaltrainer Hansi Flick (l.) mit seinem Stab
Einfach mal ein Turnier verpassen!
Deutschland hat aktuell so viele Titel-Chancen beim Heim-Turnier wie Katar bei der Heim-WM 2022. Am besten wäre es, wenn die Mannschaft sich mal nicht für ein Turnier qualifizieren würde. Aber das geht als Gastgeber ja nicht.

Spielen gerade nur Freundschaftsspiele und lächeln in der Regel nur vor dem Anpfiff: Die deutschen Nationalspieler
Abseits vom Sportlichen: 2006 hat die Welt ein Deutschland kennen gelernt, auf das man sich freuen konnte. Die Welt, zu Gast bei Freunden. Wenn sich nicht ganz schnell etwas ändert in diesem Land, empfangen wir zur EM 2024 nur Menschen, die sich wundern, warum man keinen Empfang hat im Stadion. Oder die sich fragen, ob Abfahrtszeiten der Deutsche Bahn eher lose Empfehlungen als ein deutsches Pünktlichkeits-Versprechen sind.
Ich weiß, es ist noch ein Jahr hin. Und Testspiele sind Testspiele. Und die deprimierte Stimmung im Land kann sich auch drehen. Wenn der Ball rollt, lasse ich mich dann gerne mitreißen. Aber für den Moment muss ich sagen: Auswärts wär‘ schon schöner. Da kann man sich wenigstens von Deutschland ablenken!
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Willi Haentjes
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