Olympia-Pleite: Ohne unsere Pferde wären wir gleichauf mit Usbekistan
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Ein Kommentar von Anna Pfaffenbüchler
Was war nur mit den deutschen Olympiasportlern los? Das ist das schlechteste Ergebnis seit 1952. Die Deutschen Athleten landeten im Medaillenspiegel auf Platz 10 hinter Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden (17 Millionen Einwohner, 34 Medaillen).
Wahnsinn – ohne unsere Pferde wären wir gleichauf mit Usbekistan.

Michael Jung (41) in seinem Gewinnlauf in Versailles
Vier der insgesamt zwölf Goldmedaillen haben wir unseren Reitern beziehungsweise deren Pferden zu verdanken. Die Pferde schafften das, was viele andere nicht hingekriegt haben – Höchstleistung zur richtigen Zeit. Woran liegt die Medaillen-Pleite? Und warum ist der deutsche Olympia-Spirit nicht mehr, wie er war? Ich glaube, dass es hauptsächlich einen Grund gibt: der fehlende Leistungsgedanke. Es ist gar nicht so lange her, da ging es beim Leistungssport nur um eines: Gewinnen. Das heißt übertragen auf Olympia: Gold ist die Währung, die zählt. Bei den olympischen Spielen von Paris wurde die deutsche Mannschaft erstmals sportpsychologisch betreut. Nach dem Motto: Es ist nicht schlimm, wenn du verlierst. Das kann jedem passieren. Wem sowas gesagt wird, dem wird auch in Zukunft der Antrieb fehlen, davon bin ich überzeugt.

Michael Jung gewann Gold im Vielseitigkeitsreiten
Professor Ingo Froböse von der Sporthochschule Köln hat Ursachen entdeckt, die Gründe für das schlechte Abschneiden erklären. Viele Sportarten haben an Attraktivität verloren. Das fängt schon in der Kita und in der Grundschule an. Sport wird als lästiges Nebenfach gesehen und bringt deshalb auch keine Talente hervor. „Was wir brauchen, sind motivierte Lehrer und Betreuer, die den Kindern den Spaß am Leistungssport vermitteln und sie müssen auch entsprechend bezahlt werden, damit sie nicht – wie jetzt häufig – in die USA übersiedeln.
Warum es beim Leistungssport nicht mehr so ist, wie es mal war: Die legendären Bundesjugendspiele zum Beispiel sind heute keine traditionellen Wettkämpfe mehr, sondern Sportveranstaltungen, die eher zur Kategorie Spaß gehören. Auf der Urkunde werden die Leistungen nicht mehr notiert, sondern nur noch die Teilnahme. Das ganze Event soll anders gestaltet und die Leistungen weniger starr bewertet werden, sagen die Verantwortlichen. Und das soll der richtige Ansatz sein? Ich kenne Familien, die sich ihre Urkunden bis heute aufgehoben haben. Motto: Schau mal, mit 13 bin ich schon 4,12 Meter gesprungen. Sportprofessor Froböse: „Sport funktioniert eben nicht ohne Leistungsgedanken. Kinder wollen Wettkämpfe“.
Bestes Beispiel: Leo Neugebauer, der Silbermedaillengewinner im Zehnkampf ist für seine Sportkarriere in die USA gegangen und trainiert dort im Leistungszentrum, weil der Sport in Amerika eine andere Bedeutung hat und die Ergebnisse entsprechend sind. Sportler, die für ihre Disziplin brennen, wollen Druck, sogar Drill, das ist das Motto in Amerika.

CDU-Chef Friedrich Merz
Friedrich Merz schreibt in seinem Newsletter: „Heute entscheidet sich im Breitensport, wen wir morgen als deutsche Olympiasieger sehen. Und deshalb sollte die Bundesregierung mit der Bewerbung für 2040 ein Konzept verbinden, wie in unseren Schulen und Vereinen der Breitensport wieder besser unterstützt wird. Und ‚Unterstützung‘ muss nicht zwangsläufig gleich ‚mehr Geld‘ bedeuten.“
Völlig irre ist der Vorwurf, Sportler zur Leistung anzutreiben sei wie in der DDR. Wer Gold will, muss sich schinden und ich bin sicher, wenn es sein muss – auch mal Blut an den Händen haben. Die Techniker Krankenkasse konstatiert: Nur wer raus aus der Komfortzone geht, kann Bestleistungen bringen. Das es auch mit Strenge nicht immer klappt, zeigt die legendäre Ansprache des Damenhockey-Bundestrainers Altenburg. Er hat seine Nationalspielerin Anna Schröder beim Vorrundenspiel gegen Frankreich angebrüllt: „Anne, halt jetzt die Fresse und komm mal her, das nervt mich deine Körpersprache.“ Genützt hat es am Ende leider nichts. Die deutschen Hockeydamen scheiterten dennoch an Argentinien.
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