Transgender-Verbot: Wie Trump und der Fall Imane Khelif das Olympische Komitee unter Druck setzen
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Der Druck auf das Olympische Komitee wächst: Nach dem Sport-Skandal um den als Frau angetretenen Boxer Imane Khelif und dem darauffolgenden Krimi um den ehemaligen IOC-Präsidenten Thomas Bach denkt das Komitee nun über ein Verbot von Männern in den Frauen-Kategorien nach. Doch auch Trumps Politik spielt eine Rolle bei dem Kurswechsel.
Nach dem Skandal um „Box-Olympiasiegerin“ Imane Khelif – dem Mann, der im Frauen-Boxen Gold gewann – und anhaltender Kritik an „woken“ Regelungen vollzieht das IOC nun einen deutlichen Kurswechsel. Unter Präsidentin Kirsty Coventry soll künftig die biologische Realität wieder stärker zählen als die Geschlechtsidentität. Los Angeles 2028 könnte zur Zäsur für den internationalen Frauensport werden.

Der algerische Boxer Imane Khelif gewann bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 Gold im Frauen-Boxen.
IOC unter neuer Präsidentin will klare Linie
Ein radikaler Kurswechsel bahnt sich im internationalen Sport an: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) diskutiert eine grundsätzliche Sperre für Transgender-Frauen bei den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles.
Bisher durfte jede Sportart selbst entscheiden, ob Transgender-Athletinnen teilnehmen dürfen – Voraussetzung war, dass ihr Testosteronwert unter einem bestimmten Grenzwert liegt. Doch diese Regelung steht nun auf der Kippe.
Unter der seit Ende Juni 2025 amtierenden IOC-Präsidentin Kirsty Coventry, einer Schwimm-Olympiasiegerin aus Simbabwe, wird über eine einheitliche Regelung für alle Disziplinen diskutiert. Ziel: eine klare Trennung der Geschlechterkategorien, um künftige Streitfälle zu vermeiden.

Kirsty Coventry, eine Schwimm-Olympiasiegerin aus Simbabwe, ist neue IOC-Präsidentin.
Schon unmittelbar nach ihrem Amtsantritt verkündete Coventry, dass es eine einstimmige Unterstützung der IOC-Mitglieder gebe, um eine einheitliche Regelung zu schaffen – und kündigte an, dass eine Arbeitsgruppe eingerichtet wird, die sich auf den Schutz des Frauensports konzentrieren soll, berichtete die britische Internet-Zeitung The Independent.
„Es war sehr, sehr deutlich von den Mitgliedern zu hören, dass wir die Frauen-Kategorie schützen müssen. In erster Linie müssen wir das tun, um Fairness zu gewährleisten“, sagte die erste weibliche Präsidentin in der Geschichte des IOC in einer Pressekonferenz.
Ein solches Verbot würde Fälle wie jenen des neuseeländischen Gewichthebers Laurel Hubbard verhindern, der nach seiner Geschlechtstransition im Jahr 2012 bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio als Frau antrat.

Laurel Hubbard ist die erste Transfrau, die als Gewichtheberin bei den Olympischen Spielen angetreten ist. Dass Männer bei Frauenbewerben starten, könnte künftig verboten werden.
Laut olympischen Quellen ist ein solches Verbot die „Richtung, in die sich alles bewegt“. Vor den Winterspielen 2026 in Italien sei allerdings nicht mit einer Umsetzung zu rechnen. Eine endgültige Beschlussvorlage liegt dem Exekutivkomitee noch nicht vor; eine Sitzung ist für Dezember angesetzt.
Dauerhafte körperliche Vorteile, wenn man als Mann geboren wurde
Die Hinweise auf ein Verbot von Transfrauen-Athleten in der Frauen-Kategorie verdichteten sich als bekannt wurde, dass Jane Thornton, die IOC-Direktorin für Gesundheit, Medizin und Wissenschaft, den Mitgliedern in der vergangenen Woche eine wissenschaftlich fundierte Übersicht über Trans-Athletinnen präsentiert habe. Diese habe gezeigt, dass es dauerhafte körperliche Vorteile gibt, wenn man als biologischer Mann geboren wurde und eine männliche Pubertät durchlaufen habe.
Thornton, eine ehemalige kanadische Ruderin, erklärte auch, dass einige Sportverbände, wie etwa World Athletics, der Dachverband für Leichtathletik, inzwischen den SRY-Wangenabstrich-Gentest verwenden, um das biologische Geschlecht von Athleten festzustellen.
Politische Motive könnten Rolle spielen
Auch politische Motive könnten für den Vorstoß verantwortlich sein: US-Präsident Donald Trump hatte im Februar per Executive Order Transgender-Frauen die Teilnahme an Frauenwettbewerben untersagt. Im August stellte Trump bei der Präsentation einer Taskforce, die die Olympiade in Los Angeles vorbereiten soll, klar: „Die Vereinigten Staaten werden nicht zulassen, dass Männer Frauen bei den Olympischen Spielen 2028 die Trophäen stehlen“.
In den Vereinigten Staaten hat das US-Olympia- und Paralympische-Komitee unter der Leitung des Republikaners Gene T. Sykes kürzlich eine Richtlinie verabschiedet, die sich an der bundesstaatlichen Vorgabe orientiert und männliche Athleten von Frauenwettbewerben ausschließt. Sykes ist darüber hinaus Mitglied des IOC.

Der Republikaner Gene T. Sykes, Präsident des US-amerikanischen Olympia- und Paralympischen-Komitees
Da Los Angeles Gastgeber der Olympischen Spiele 2028 sein wird, könnte das IOC nun zunehmend unter Druck geraten, seine internationalen Richtlinien an die Haltung des Gastgeberlandes anzupassen.
Weiterer Hintergrund: Die Affäre um Boxer Imane Khelif
Besonders brisant bleibt die Frage, wie künftig mit DSD-Athletinnen („Differences of Sex Development“; zu Deutsch: „Varianten der Geschlechtsentwicklung“) umgegangen wird. Intersexuelle Personen besitzen oftmals männliche Chromosomen, wurden aber mit einem Enzymdefekt geboren. Dieser führt dazu, dass sich das männliche Geschlecht nicht entwickelt. Neugeborene mit dieser Variante werden oft als Mädchen registriert. Entscheidend ist in solchen Fällen die Pubertät: Durchlaufen solche Personen eine weibliche oder männliche Adoleszenz?
Beim Box-Wettbewerb der Olympischen Spiele 2024 in Paris löste das Thema einen Sturm der Entrüstung aus: Der Algerier Imane Khelif und Lin Yu-ting aus Taiwan gewannen Gold – obwohl beide im Jahr zuvor von den Box-Weltmeisterschaften 2023 durch die International Boxing Association (IBA) disqualifiziert worden waren, weil sie Geschlechtstests nicht bestanden hatten.

Die Thailänderin Suwannapheng blieb gegen Khelif chancenlos.
Diese Tests wollte das IOC nicht anerkennen. Für das Komitee gelte das im Pass eingetragene Geschlecht, hieß es. Mehr noch: Im Juni 2023, nur wenige Tage nachdem das IOC über die Testergebnisse zu Khelif informiert worden war, entzog das IOC der IBA die Anerkennung.
Russische Desinformationskampagne?
Der frühere deutsche Olympia-Komitee-Präsident Thomas Bach verteidigte die Olympia-Teilnahme der beiden intersexuellen Boxer in der Frauen-Kategorie noch kurz vor Ende seiner Amtszeit im März 2025 mit folgenden Worten: „Wir haben zwei Boxerinnen, die als Frauen geboren wurden, als Frauen aufgewachsen sind, einen Pass als Frau besitzen und seit vielen Jahren als Frauen antreten. Das ist die klare Definition einer Frau“.
Bach, der 2023 seine Mitgliedschaft in der FDP kündigte, führte weiter aus, dass die Ergebnisse des Geschlechtstests der IBA auf eine von Russland angeführte „Desinformationskampagne“ gegen Khelif zurückzuführen seien. Eine russische Verschwörung also? Auch sagte er auf einer Pressekonferenz, dass der Fall Khelif „kein DSD-Fall“ sei. Der Vorsitzende des Weltboxverbandes, der Russe Umar Kremlev, kritisierte die IOC für die Zulassung der beiden Boxerinnen bei der Olympiade scharf.
Bach sagte weiter, der Streit um die Boxerinnen wäre nie aufgekommen, wenn nicht die IBA ihn aufgegriffen hätte, wie die britische Zeitung The Guardian berichtete.
Bachs Beziehungen zu Putin und dem Algerier Berraf
Der Fall ist komplizierter, als er auf den ersten Blick scheint: Bach selbst hatte jahrelang gute Drähte zu Putin. Recherchen der Süddeutschen Zeitung legen nahe, dass er nur mithilfe des russischen Staatsoberhaupts 2013 ins Amt gelangt war. Auch der Algerier Mustapha Berraf war ein enger Verbündeter Thomas Bachs. Als Präsident aller afrikanischen Olympia-Komitees (Anoca) ist er der oberste Sportfunktionär des Kontinents. Berraf ist nicht nur Khelifs Landsmann, sondern war auch sein wichtigster Fürsprecher.

Im Zuge der Fußball-WM 2018 traf der damalige IOC-Präsident Thomas Bach Wladimir Putin im Kreml. Dem deutschen Sportfunktionär werden enge Verflechtungen mit dem russischen Staatsoberhaupt nachgesagt.
Khelif ist eindeutig ein Mann
Doch die Wahrheit kam längst ans Licht: Die Testergebnisse der IBA aus dem Jahr 2023 waren keine russischen Fake-News, sondern belegen eindeutig, dass Imane Khelif nicht weiblich ist, sondern männlich – mit vollständigem Chromosomensatz XY, „Mikro-Penis“ und inneren Hoden. Das wurde im Juni 2025 von dem Sportjournalisten Alan Abrahamson veröffentlicht, dem die Ergebnisse des Labors „Dr. Lal PathLabs“ vorliegen, der Einrichtung, die die Chromosomentests durchführte.
Im September folgte dann der nächste Paukenschlag: Bei der Box-WM im September 2025 durfte Imane Khelif nicht starten – der Verband World Boxing, der die WM erstmalig austrug, führte genetische Geschlechtstests ein. Der 26-Jährige weigerte sich, den Test zu machen – und reichte eine Klage gegen den Verband vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS ein. Eine Teilnahme ohne Test wurde ihm nicht gewährt.
Neue Regeln auch für DSD-Athletinnen möglich
Laut Quellen von Daily Mail Sport gilt eine Regeländerung für DSD-Athletinnen langfristig als wahrscheinlich, stößt aber innerhalb des Olympischen Komitees auf Widerstand. Der Unterschied zwischen Transgender-Personen und DSD-Sportlerinnen soll in künftigen Richtlinien deutlicher hervorgehoben werden.
Das Fazit dieses Krimis: Immer mehr der international führenden Sportverbände scheinen einzusehen, dass ein Geschlechtseintrag im Pass als Beweis für das Geschlecht allein nicht ausreicht. Nicht die Identität spielt eine Rolle, sondern die Biologie – diese lässt sich heute dank eines nicht-invasiven Wangenabstrichs feststellen. Diese Erkenntnis ist nun scheinbar auch beim IOC angekommen. Thomas Bach, der ehemalige Präsident des IOC, war für seine Geschlechter-inklusive Haltung bekannt. Doch woke Ideologien finden im Sport immer weniger Platz. Sogar ein UN-Bericht über „Gewalt gegen Frauen und Mädchen“ kritisierte die „Weigerung des IOC, Geschlechtstests durchzuführen“. Darin heißt es: „Die heutige Technologie ermöglicht einen zuverlässigen Test durch einen einfachen Wangenabstrich, der nicht invasiv ist und Würde sowie Vertraulichkeit wahrt.“ Mittlerweile scheint auch klar zu sein, dass hinter Bachs Verhalten Machtkämpfe und Mauschelei standen. Ein zusätzliches Druckmittel dafür, dass der IOC Männer in den olympischen Frauen-Bewerben eventuell verbietet, sind die in den USA stattfindenden Olympischen Spiele 2028 und die neuen Verordnungen von Trump, die keine Männer mehr im Frauensport zulassen.
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Emanuela Sutter
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