Münster-Tatort: Drehbuch-Autoren verbieten Liefers die Alberich-Witze
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Es ist das letzte Lagerfeuer des deutschen Fernsehens: Der Tatort aus Münster, der stabil mehr als 10 Millionen Menschen am Sonntagabend um 20.15 Uhr einschalten lässt. Die Quoten: Gigantisch. Den letzten Fall „MagicMom“ im März haben 13,5 Mio. Menschen gesehen (Marktanteil: 40,7 Prozent).
Seit 2002 ermitteln Kommissar Thiel (Axel Prahl) und Rechtsmediziner Prof. Dr. Dr. Boerne (Jan Josef Liefers) sich in die deutschen Herzen. Ein Grund für den Dauer-Erfolg: Boernes kleinwüchsige Patologie-Assistentin Silke Haller (ChrisTine Urspruch), die von ihrem Chef liebevoll-spöttisch nur „Alberich“ genannt wird. Der Spitzname: Ein politisch inkorrekter Querverweis auf die Nibelungensage, in der der Zwerg Alberich den Schatz hütet.
Die kleinen Alberich-Sprüche gehören zum Tatort wie die Leiche. Kleine Kostprobe gefällig?
Prof. Boerne zu „Alberich“ über das Spargelstechen: „Der Job ist perfekt für Ihresgleichen. Kein Bücken bei der Ernte. Und es braucht nicht mehr als Ihre süßen kleinen Trippelschritte, um von einem Spargel zum nächsten zu kommen.“ Oder auch: „Alberich, muss ich Ihnen ‘nen Kindersitz kaufen, damit Sie mich sehen?“ Herrlich politische inkorrekt und sau witzig!
Alberich heißt im Drehbuch nicht mehr Alberich
Schauspielerin ChrisTine Urspruch liebt diesen Humor – im Gegensatz zu den Drehbuch-Autoren, die die Alberich-Witze wohl nicht mehr zeitgemäß finden! „Es ist auch so, dass meine Rolle von verschiedenen Seiten – im Drehbuch zum Beispiel – nicht mehr Alberich genannt wird“, sagte Urspruch zu DerWesten.de. „Wenn ich beispielsweise einen Dialog mit Jan Josef Liefers habe, dann steht im Buch Professor Friedrich Boerne und Silke Haller. Da steht nicht mehr Alberich.“

Alberich und Prof. Boerne bei den Dreharbeiten zur Folge „Fußpilz“ (2015)
Und weiter: „Auch unsere Ausdrucksweise, die Witze, die Professor Boerne auf meine Kosten macht, haben sich gewandelt. Sie sind abgemilderter. Das war ein großes Bestreben der Redaktion.“ Mit anderen Worten: Die Tatort-Autoren verbieten Liefers die Kleinwüchsigen-Witze!
Ganz offensichtlich aus vorauseilendem Gehorsam: „Ich bin eine Befürworterin unseres Humors miteinander. Und ich glaube, Jan Josef Liefers auch. Wir finden das nach wie vor sehr lustig. Es gab natürlich auch Dialoge, die nicht so lustig waren. Die haben wir am Set aber einfach umgeändert. Und das war vollkommen okay. Nur so kommt die gewisse Lebendigkeit. Das werden wir in Zukunft auch beibehalten.“
Ob es eine Figur wie „Alberich“ heute noch einmal in einen neuen Tatort schaffen würde? Urspruch: „Die Frage habe ich mir auch schon gestellt. Ich glaube, es wäre sehr schwierig. Es war vor zwanzig Jahren schon seitens der Redaktion schwierig. Da gab es bereits die sogenannten Bedenkenträger. Wir haben es aber durchgeboxt und es ist zu einem Mega-Erfolg geworden. Ich könnte mir vorstellen, dass es heute schwieriger wäre.“

Schauspielerin ChrisTine Urspruch, abseits vom Tatort vor allem bekannt für ihre Rolle als „Sams“
Der Tatort Münster wird vom WDR produziert. Genau der WDR, der neuerdings Warnhinweise vor alte Otto-Filme packt: „Das folgende Programm wird als Bestandteil der Fernsehgeschichte in seiner ursprünglichen Form gezeigt. Es enthält Passagen, die heute als diskriminierend betrachtet werden.“
Lesen Sie auch: WDR sieht Diskrimierung: Otto-Filme nur noch mit Warnhinweis
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