„Scary Movie“: Wenn die Parodie selbst zum Gruselkabinett wird
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Wer hat an der Uhr gedreht? „Scary Movie“ ist eine Parodie der „Scream“-Serie, die an sich schon eine Parodie populärer Horrorfilme war. Also die Parodie der Parodie, sodass einem der Kopf bei dem Konstrukt schon so rotiert, wie das Haupt der kleinen Linda Blair in Friedkins „The Exorzist“.
Berlin, Alexanderplatz. Das Multiplexkino ist mäßig gefüllt, aber eine Umfrage bei meinen Sitznachbarn ergibt, dass keiner wirklich und unbedingt gerade „Scary Movie“ sehen wollte, sondern „irgendwas Lustiges“. Ob das die 13,40 Euro wert ist, bleibt der Eigenverantwortung geschuldet. Ich werde immerhin dafür bezahlt, den Film zu sehen.

Der Film holt alte Hauptfiguren 25 Jahre später zurück und lässt sie wieder vor dem maskierten Killer flüchten.
Die Handlung ist schnell erzählt, denn es gibt sie nicht. Ja, wie in der großartigen „Scream“-Reihe gibt es einen Killer, der sich hinter einer Geistermaske verbirgt. Und die Frage, welcher der Protagonisten sich hinter dieser verbergen könnte. Aber auch das stellt sich als ebenso nebensächlich heraus wie Jack Nicholsons literarische Ergüsse in „Shining“, die Farbe des Duschvorhangs in „Psycho“ (der Film wurde in Schwarzweiß gedreht) oder der Hersteller der Kettensäge bei „Texas Chainsaw Massacre“ (wahrscheinlich keine deutsche Traditionsfirma).
Man zuckt schon zusammen
Was gute Horrorfilme ausmacht – selbst die Parodien selbiger – sind aber die kleinen Schockmomente. Und an denen spart „Scary Movie“ nicht.
Allerdings anders als erwartet. Ständig fällt hier das „N“-Wort. Und nein, nicht jenes, dem man nachher einen Kuss hinzufügen würde. Sondern das mit einem „i“ und zwei „g“. Äußerst ungewohnt in unserer Zeit – und der wirkliche Horror muss wohl in der Sprecherkabine bei der Synchronisation stattgefunden haben, da es sich um ein Wort handelt, das man erst ab entsprechender Pigmentierung sagen darf. Wahrscheinlich mussten die Synchronsprecher sich nach jedem „Take“ selbst à la „Da Vinci Code“ auspeitschen, bevor es weitergehen durfte.

„Nichts ist heilig, kein Klischee bleibt verschont und jede Grenze wird überschritten“, schreibt Paramount über den Film.
Auch weiterhin gibt sich der Film durchaus „humorvoll rassistisch“, wobei letzteres Wortkonstrukt schon seltsam anmutet. Die sogenannte „Affirmative Action“, die erzwungene Besetzung von Minderheiten im Arbeitsleben oder auch im Kino, bekommt ihr Fett ab. Sodass man sich wirklich fragen muss, wer hier an der Uhr gedreht hat.

Cindy, Brenda, Shorty und Ray werden Jahrzehnte nach dem ersten Massaker erneut von einem Ghostface-ähnlichen Killer gejagt.
Aber wie kam es zu diesem Film?
Wes Craven, einer der brillantesten Horrorfilmer aller Zeiten, erfand 1996 das Horrorgenre neu. Er siedelte das Horrorgenre einfach in der Realität an. Mit Ironie, aber auch unglaublicher Spannung. Alle seine Protagonisten kannten Horrorfilme in- und auswendig. „Ich bin gleich wieder da“ ist dieses eben nicht. Und wer Sex hat, stirbt sowieso. „Scream“ wurde ein unglaublicher Hit mit vielen Nachfolgern und Epigonen, sodass eine Satireversion zwangsläufig folgen musste. Und die war auch ganz gut.
Und diese sechste Version wiederum? Okay, eine Handlung war nicht zu erwarten. Ein paar Teenager, die so dumm sind, dass sie Bärbel Bas wie eine hochrangige Akademikerin aussehen lassen. Ein Killer, der gern Videospiele spielt und irgendwie (minus Messer) fast so niedlich ist, wie Baby Yoda. Man schaut hier bunter Farbe beim Trocknen zu.

NIUS-Autor Karsten Kastelan bei der Premiere des ersten „Scary Movie“-Films im Jahr 2000
Kommen wir nochmal zurück zum Rassismus
Ja, es gibt ihn. Und der Film bildet ihn humorvoll ab. Soweit es möglich ist. Und Satire darf das. Aber warum dürfen es ernsthafte Filme nicht?
Hier haben wir es mit einem Film zu tun, in dem das Wort „N**ger“, eine hasserfüllte Version des aus dem Spanischen kommenden Wortes für „schwarz“, sehr oft genannt wird. Von Schwarzen, die dürfen das.
Soll man sich diesen Film anschauen?
Ja, wenn man dafür bezahlt wird. Ansonsten: lieber nicht. Ich war in einer Reihe mit zwei Pärchen links und rechts und hatte nicht das Gefühl, dass deren Abend noch romantisch verlaufen wird. Gelacht haben sie nicht. Und ich mehr innerlich.
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