Ägypten in der Krise: Droht eine massive Auswanderungswelle nach Europa?
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Derzeit wirken sich zahlreiche internationale Krisen negativ auf Ägypten aus. Das Land am Nil ist vom Krieg in der Ukraine, dem Krieg zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas sowie den Schiffsangriffen durch die Huthi-Rebellen betroffen. Ägypten steht wirtschaftlich mehr und mehr unter Druck.
Droht eine massive Auswanderungswelle ägyptischer Bürger in Richtung Europa?
Junge, wachsende Bevölkerung ohne eigene Ernährungsquelle
In den letzten fünf Jahrzehnten hat sich die Bevölkerung Ägyptens um beeindruckende 300 Prozent vergrößert – von 38 Millionen auf 114 Millionen Menschen, mit einem Durchschnittsalter von lediglich 24 Jahren. Dieses rasante Bevölkerungswachstum stellt das nordafrikanische Land vor enorme Herausforderungen, die das Potenzial haben, es ins Chaos zu stürzen und Millionen zur Flucht über das Mittelmeer nach Europa zu bewegen.

Straßenmarkt Al Ataba in Kairo
Ägypten, das historisch durch die knappen Ressourcen an Wasser und landwirtschaftlich nutzbarem Boden gekennzeichnet ist, sieht sich gezwungen, mehr als die Hälfte seiner Nahrungsmittel zu importieren. Diese Abhängigkeit von Lebensmitteleinfuhren ist ein zentraler Faktor für das beträchtliche Handelsbilanzdefizit des Landes, welches zuletzt bei 33 Milliarden US-Dollar lag. Ein Großteil dieser Importe besteht aus Getreide, das überwiegend aus der Ukraine und Russland bezogen wird – Regionen, die durch den Krieg seit Jahren von schwerwiegenden Lieferunterbrechungen betroffen sind.
Während sich der Tourismus erholt, bleiben Einnahmen durch den Suezkanal aus
Darüber hinaus hat die COVID-Zeit der Tourismusbranche, einer der wichtigsten Einnahmequellen des Landes, schweren Schaden zugefügt. Während Ägypten in der Vergangenheit jährlich über 10 Millionen Touristen begrüßen konnte, brachen die Zahlen im Jahr 2020 auf nur 3,5 Millionen ein. Obwohl sich die Besucherzahlen mittlerweile erholt haben, steht die finanzielle Genesung der Branche noch aus.
Ein weiterer wirtschaftlicher Pfeiler Ägyptens, der Suezkanal, ist ebenfalls angeknackst. Der Schiffsverkehr durch den Kanal hat die niedrigste Dichte seit der vorübergehenden Blockade im Jahr 2021 erreicht. Diesmal jedoch scheint das Problem anhaltend zu sein. Die Piratenaktivität bleibt hoch, ebenso wie die Angriffe der Huthis auf Schiffe. Die Bemühungen des Westens, diese zu unterbinden, zeigen wenig Erfolg.

Die militant-islamistische Huthi-Miliz hatte im Januar das Frachtschiff „Marlin Luanda“ mit einer Rakete beschossen und in Brand gesetzt.

Die jemenitische Huthi-Gruppe feiert die Angriffe auf Schiffe im Roten Meer.
Im Jahr 2022 trug der Kanal direkt 9,4 Milliarden US-Dollar zur ägyptischen Wirtschaft bei, überwiegend in Fremdwährung, was dem Land half, sein Handelsdefizit zu finanzieren. Die Einnahmen aus dem Kanal sind aktuell um 40 Prozent gefallen.
Inflation und Staatsschuldenkrise
Diese Kombination von Herausforderungen hat zu einem chaotischen Zustand in Ägypten geführt. Die Inflation liegt aktuell bei über 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, das Haushaltsdefizit des Landes hat 7 Prozent erreicht, und die Verschuldung überschreitet 88 Prozent des BIP. Das ist für ein Entwicklungsland ein hoher Wert.
Gleichzeitig sieht sich die Regierung gezwungen, mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über frühere Schulden zu verhandeln. Ein Rettungspaket in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar wurde vereinbart, wobei allein die Vereinigten Arabischen Emirate 35 Milliarden US-Dollar in Form von Immobilieninvestitionen beisteuern.

Die steigende Inflation macht sich auch im Handel auf dem Sayyida-Zeinab-Lebensmittelmarkt in Kairo bemerkbar.
Ohne eine baldige Entspannung der globalen Situation könnte Ägypten jedoch in eine noch schlimmere Lage rutschen. Welche Folgen eine Staatsschuldenkrise hat, konnten wir anhand des griechischen Beispiels beobachten. Während der griechischen Finanzkrise emigrierten etwa 500.000 Griechen auf der Suche nach Arbeit ins Ausland.
Angesichts der rapide wachsenden Bevölkerung Ägyptens könnte die Auswanderung aus Ägypten weit höher ausfallen, wobei viele den gefährlichen Weg über das Mittelmeer nach Norden wählen dürften. Eine derartige Migrationswelle hätte signifikante Auswirkungen auf die europäische Migrationspolitik, die Sicherheit im Mittelmeerraum und die geopolitische Stabilität der Region.
Zu den wirtschaftlichen Turbulenzen kommen geopolitische Spannungen, wie der potenzielle militärische Konflikt mit Äthiopien über den Nil-Damm und die Auswirkungen des Krieges im Gaza-Streifen, hinzu. Diese Faktoren verstärken die Unsicherheit und könnten die Lage weiter verschärfen.
Ägyptens Zukunft steht auf Messers Schneide.
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