Bizarrer Müsli-Streit spaltet Tesla-Werk
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Am ersten Produktionstag nach den Betriebsferien wollte die Tesla-Geschäftsführung zur Begrüßung 10.000 Müsliriegel der Marke Corny an die Mitarbeiter verschenken. Laut André Thierig, Werksleiter im Tesla-Werk Grünheide, weigerten sich die IG-Metall-Betriebsräte, die blauen Müsliriegel zu verteilen, berichtet das Handelsblatt.
Hintergrund ist ein bizarrer Streit zwischen zwei Gewerkschaftsgruppen bei Tesla – die Vertreter der IG Metall und der Liste der Betriebsratsvorsitzenden Michaela Schmitz. Sie werden intern „Fraktion 23“ genannt – und treten geschlossen gegen die Vertreter der IG Metall auf. Die Fraktion 23 trägt im Werk blaue Westen, die gewerkschaftlichen Betriebsräte rote. Die daraus erwachsene Farbenlehre wird in der Gigafactory durchaus ernst genommen, meinen Beobachter.
Müsliriegel statt Atempausen
Hintergrund des bizarren Streits ist ein Umbau in der Sommerpause. Die Gewerkschaft kritisiert, dass Tesla die Abläufe in der Fabrik so stark verändert habe, dass zunächst niemand wusste, wie er arbeiten soll. Jannes Bojert, Leiter des Tesla-Teams der IG Metall, sagt: „Die Belegschaft nach den Werksferien mit Müsliriegeln willkommen zu heißen, kann eine nette Geste sein. Allerdings nicht, wenn das Management die Sommerpause dafür genutzt hat, noch die letzten Atempausen wegzurationalisieren.“
Die „roten“ Betriebsräte hörten die Botschaft, nutzten aber die Gelegenheit, der Gegenseite Vorwürfe zu machen. „Von blauen Betriebsräten hört man wenig. Sie sind beschäftigt damit, die Cornys aus den Obstkisten als Geschenke zu verteilen, statt sich für die Belegschaft einzusetzen.“
Der Seitenhieb auf die Müsliriegel-Aktion erboste die Geschäftsführung. „Wir haben in kürzester Zeit über 10.000 Müsliriegel organisiert“, schrieb Werksleiter Thierig. „Was ich nun äußerst ärgerlich finde, ist, diese Aktion im Nachgang zu kritisieren und der Versuch, sie lächerlich zu machen.“

Werksleiter André Thierig
Hausbesuch bei krankgemeldeten Mitarbeitern
Der Streit um die Müsliriegel ist besonders grotesk, wenn man die Bedeutung anderer Probleme im Tesla-Werk Grünheide betrachtet. Da ist einmal der Einbruch auf dem Elektro-Automarkt insgesamt, der auch vor Tesla nicht haltmacht.
Vor einem Jahr tauchte noch ein anderes Problem in der Gigafactory auf: Der Krankenstand erreichte 17 Prozent – dreimal höher als der Branchendurchschnitt. Thierig und Personalchef Erik Demmler entschieden sich für eine radikale Maßnahme: Kontrollbesuche bei krankgemeldeten Kollegen. „Wir haben uns einfach mal 30 Mitarbeiter ausgesucht, die entsprechende Auffälligkeiten hatten“, erklärte Demmler bei einer Betriebsversammlung im September 2024. Die Hausbesuche der Chefs stießen vielfach auf Widerstand. „Das hat man einfach gemerkt an der Aggressivität“, sagte Demmler. „Indem man die Tür zugeschlagen bekommt. Indem mit Polizei gedroht wird.“ In der Folge verschärfte Tesla die Maßnahmen. Hatten die Chefs den Verdacht, ein Mitarbeiter sei nicht krank, sondern nur Simulant, behielt Tesla den Lohn ein.
Tesla ist der größte Arbeitgeber in der Region. Auf dem angespannten Markt für E-Autos gilt es, das Werk mit rund 11.000 Beschäftigten gemeinsam für die schwierige Zukunft erfolgreich aufzustellen. Die Müsliriegel-Aktion scheint die Lager nicht zusammengeschweißt zu haben. Ein Mitarbeiter formulierte es so: „Manchmal stößt Süßes leider sauer auf.“
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