Autoexperte Philipp Raasch: „Bosch verlässt Deutschland, um global zu überleben“
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Er war zehn Jahre bei Mercedes und analysiert heute, warum deutsche Autobauer gegen Tesla und China den Anschluss verlieren. Im Focus schreibt Philipp Raasch, mit welchen Schwierigkeiten der Autozulieferer Bosch zu kämpfen hat.
NIUS dokumentiert wichtige Aussagen.
Über die Krise bei Zulieferern
„Boschs Kerngeschäft ist der Antrieb: Einspritzsysteme, Sensoren, Steuergeräte. Über 1.200 mechanische Teile stecken in einem Verbrennungsmotor. Bosch liefert einen großen Teil davon. So sind sie zum weltgrößten Autozulieferer geworden. Bei den deutschen Zulieferern sind laut Ernst & Young (EY) seit 2019 rund 73.000 Stellen weggefallen – fast jede vierte. Und das ging natürlich auch nicht an Bosch spurlos vorbei.“
Keine schönen Zahlen bei Bosch
„2023 lag der operative Gewinn noch bei 4,8 Milliarden Euro. 2024 waren es 3,1 Milliarden Euro, heute sind es 1,8 Milliarden Euro – minus 62 Prozent in zwei Jahren. Von jedem Euro Umsatz bleiben 2 Cent übrig. Minus 400 Millionen Euro Umsatz beim Konzernergebnis (erster Verlust seit 2009). Und: 22.000 Stellen fallen in der Mobility-Sparte in Deutschland weg.“
Das Kerngeschäft bei Bosch schrumpft
„Mit der Elektromobilität schrumpft das Kerngeschäft. Bei Bosch haben sie das mal in eine Faustregel übersetzt. Wo in der Dieselfertigung 10 Leute gebraucht wurden, sind es beim Benziner noch 3, beim E-Antrieb noch einer. Das ist die Mechanik hinter den 22.000 abgebauten Stellen.“
Hoffnung auf neue Geschäftsfelder
„Während in Leonberg Baugruben zugeschüttet werden, entstehen in Peking die Märkte der Zukunft. Bosch verlässt strukturell seine Heimat, um global zu überleben. 2018 stieg Bosch aus der eigenen Batteriezell-Fertigung aus – bevor sie richtig angefangen hatte. Heute kontrollieren CATL, BYD und LG den globalen Batteriemarkt. Bosch liefert Komponenten, aber keine Zellen. Bosch sucht nun neue Geschäftsfelder, weil der Zulieferer die Branchenveränderung völlig falsch eingeschätzt hat. 2025 hat Bosch für rund 7,4 Milliarden Euro das Klimatechnik-Geschäft von Johnson Controls übernommen – der größte Zukauf in der Firmengeschichte. Und ein sichtbarer Schritt raus aus der Abhängigkeit von Mobility. 7,9 Milliarden Euro fließen 2025 in Forschung und Entwicklung. Ein großer Teil davon in neue Geschäftsfelder wie Sensorik, KI, Robotik. Aber sie entstehen nicht dort, wo das alte Geschäft wegfällt.“
Die Automobiltechnologien der Zukunft entstehen nicht in Europa. Sie entstehen in China, dem größten Automarkt der Welt.
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