Chef der Techniker Krankenkasse: „Die Beiträge werden steigen – trotz aller Beteuerungen“
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Jens Baas, Chef der Techniker Krankenkasse (12,2 Millionen Versicherte) fordert in einem Interview mit dem Handelsblatt ehrliche Debatten statt politischer Schönfärberei.
NIUS dokumentiert wichtige Aussagen:
Über teure Beiträge
„Ich rechne damit, dass viele Kassen ihre Zusatzbeiträge anheben müssen, aus zwei Gründen: Erstens ist das Sparpaket mit rund zwei Milliarden Euro klein, und ob es überhaupt vollständig greift, ist fraglich. Und zweitens hat das Bundesgesundheitsministerium zu einem Kommunikationskniff gegriffen: Der amtliche Zusatzbeitrag wird auf 2,9 Prozent erhöht – das entspricht in etwa dem heutigen Marktdurchschnitt. In diesen 2,9 Prozent ist aber der Wiederaufbau der Rücklagen nicht enthalten. Die Krankenkassen wurden in den vergangenen Jahren gezwungen, Rücklagen abzubauen, und müssen sie nun wieder auffüllen. Schon deshalb wird der tatsächliche Durchschnitt 2026 eher zwischen 3,1 und 3,3 Prozent liegen.“
Über zu teure Arzneien
„Die Ausgaben für Arzneimittel steigen überproportional, weil man großen Respekt vor der Pharmaindustrie hat – bis ins Kanzleramt hinein. Produziert wird vor allem dort, wo Energie, Löhne und Regulierung günstiger sind – also in China und Indien. Es wird nicht dort produziert oder geforscht, wo die Erstattungspreise hoch sind. Standortpolitik ist nicht Aufgabe der Beitragszahler, sondern des Staates. Es geht um schnellere Genehmigungen, verlässliche Rahmenbedingungen, gezielte Förderung. Hohe Listenpreise in der gesetzlichen Krankenversicherung hingegen verlagern keine Lieferketten nach Europa. Sie erhöhen nur Margen und belasten Versicherte und Arbeitgeber.“
Über 72.000 Menschen ohne Absicherung
„Für jeden einzelnen Betroffenen ist das dramatisch. Insgesamt ist die Quote bei 84 Millionen Einwohnern jedoch gering. Lücken können beispielsweise an der Schnittstelle zwischen Ausland und Inland oder in sozialen Extremsituationen entstehen. Das ist eine soziale Aufgabe der Gesellschaft. Hier fehlt es eher an praktikablen Angeboten als an Geld.“
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