Chefs des Kunststoffkonzerns Röchling: „Wir müssen aufpassen, dass wir ein Industrieland bleiben“
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Das Familienunternehmen Röchling ist einer der größten Kunststoffverarbeiter Deutschlands. 2024 setzte Röchling knapp 2,6 Milliarden Euro um, 4,8 Prozent weniger als im Rekordjahr 2023. Im Interview mit dem Handelsblatt sprechen Vorstandssprecher Raphael Wolfram und Beiratsvorsitzender Gregor Greinert über verschwundene Aufbruchsstimmung, den sinkenden Automarkt und ein 100 Jahre altes Material, das nicht ersetzt werden kann.
NIUS dokumentiert wichtige Aussagen.
Was Röchling für die Energieerzeugung leistet
„Bei der Energieerzeugung und -verteilung und damit auch bei der Energieinfrastruktur haben wir in Deutschland einen riesigen Nachholbedarf. Es ist eine schöne Anekdote, dass ein mehr als 100 Jahre altes Material – Kunstharz-Pressholz – der gefragteste Werkstoff ist, der auch nicht zu ersetzen ist. Dieses Material namens Lignostone wird beispielsweise bei Tanklagern für Flüssiggas eingesetzt und für Trafostationen benötigt.“
Über das Industrieland Deutschland
„Wir müssen in Deutschland aufpassen, dass wir ein Industrieland bleiben. Röchling bekennt sich zum Standort Deutschland. Wir können mit den Schwierigkeiten des Standorts Deutschland auch noch verhältnismäßig gut umgehen. Die Probleme mit der Regulierung haben aber meist unsere Kunden. Wir haben im Automobilgeschäft in den vergangenen zwei bis drei Jahren drei Werke in Deutschland geschlossen und gut 30 Prozent der Mitarbeitenden entlassen, um die Kapazitäten an die Schwäche der Automobilindustrie anzupassen. Gleichzeitig sind wir im Industriegeschäft gewachsen. Wir haben auch in diesem Jahr alleine über 30 Millionen Euro ausschließlich in Deutschland investiert – das entspricht 30 Prozent der gesamten Investitionssumme.“
Über verschwundene Aufbruchsstimmung
„Viele Unternehmer sagen, die Aufbruchstimmung hierzulande sei verschwunden – das teilen wir zu hundert Prozent. Ich denke, man muss versuchen, in Lösungen zu denken und nicht in Problemen. Es dauert einfach vieles zu lange. Wenn das Bundesverfassungsgericht die Politik zwingen würde, die Regeln abzuschaffen, die Familienunternehmen bei der Erbschaftssteuer verschont, schafft das natürlich kein investitionsfreundliches Klima. Ich kann mir nur wünschen, dass die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts – und dann der Politik – die Unternehmen schützen. Unternehmer wie wir haben ihr Vermögen nicht auf dem Konto liegen, sondern in Produktionsstandorten, Arbeitsplätzen, Materialien und Kompetenzen. Deutschland hat noch diese starke und funktionierende Industrie. Die muss es sich erhalten. Deshalb sollten wir die Familienunternehmen und die dazugehörigen Werte nicht infrage stellen.“
Was Familienunternehmen in Deutschland leisten
„Die Gesellschaft und die Politik in Deutschland sollten Familienunternehmen wertschätzen. Sie haben über alle Krisen in der Vergangenheit Stabilität und Resilienz bewiesen, die wir auch künftig brauchen. Und diese Resilienz speist sich aus langfristigen Werten, weil wir diese und das Unternehmen an unsere Enkel weitergeben wollen.“
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