Chemieverband-Chef Große Entrup: „Wir hatten uns vom Regierungswechsel deutlich mehr erhofft“
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Er ist seit mehr als sechs Jahren Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie (VCI): Wolfgang Große Entrup. In der Berliner Zeitung spricht der diplomierte Agraringenieur über die schwache Konjunktur, Merz und ein „verlorenes Jahrzehnt“.
NIUS dokumentiert wichtige Aussagen.
„Die Gefahr eines verlorenen Jahrzehnts ist real“
„Nach Jahren der Rezession wartet die Wirtschaft dringend auf Reformen. Der Iran-Krieg hat jetzt für einen deutlichen Wachstumsdämpfer gesorgt. Für die deutsche und europäische Chemie bedeutet dies, dass sich der Auftragsmangel fortsetzt und die Anlagen weiterhin nicht rentabel ausgelastet werden können. Als Folge ist mit weiteren Produktionsstilllegungen und Stellenabbau zu rechnen. Die Gefahr eines verlorenen Jahrzehnts ist real. Der Sachverständigenrat schätzt das Wachstumspotential Deutschlands lediglich auf 0,4 Prozent pro Jahr. Wenn wirtschaftspolitisch nicht gegengesteuert wird, wird es ungemütlich.“
„Mehr Produktivität erreichen wir nur durch weniger Bürokratie“
„Die schwache Produktionsentwicklung ist ein großes Problem, zumal die Erwerbspersonenzahl schrumpft. Mehr Produktivität erreichen wir nur durch weniger Bürokratie, durch Innovationen und technologischen Fortschritt sowie investitionsfreundliche Rahmenbedingungen. Die deutsche Industrie benötigt Entlastung. Chemie und Pharma warten weiter dringend auf die versprochenen Reformen. Dieser Reformstau bremst die Wirtschaft massiv aus. Wachstum muss zum Maßstab jeder wirtschaftlichen Entscheidung werden. Nicht als Schlagwort in Sonntagsreden, sondern als Leitlinie für konkrete Politik. Tausende Jobs sind in Gefahr. Es muss jetzt heißen: Wirtschaft first! Wir müssen am Standort Deutschland runter mit den Energiepreisen, runter mit den Steuern, runter mit der Bürokratie und Regulierung. Wenn es der Wirtschaft gut geht, profitiert jeder in Deutschland.“
Die Merz-Regierung bewegt sich „im Schneckentempo“
„Wir hatten uns vom Regierungswechsel deutlich mehr erhofft. Das Problem ist nicht fehlender politischer Wille. Das Problem ist die Geschwindigkeit. Wir haben den Standstreifen verlassen, bewegen uns aber weiterhin im Schneckentempo. Die Entlastungen der Bundesregierung sind bislang kein Gamechanger. Beispielsweise ist die Strompreiskompensation lange angekündigt, aber noch immer nicht umgesetzt. An den Werkstoren kommt nichts an.“
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