Wirtschaft warnt vor CO2-Preis: Erster Dax-Konzern springt Evonik-Chef Kullmann bei
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Evonik-CEO Christian Kullmann sieht seinen Chemiekonzern und den Wirtschaftsstandort Deutschland gefährdet: Sobald Unternehmen dem europäischen Emissionshandel unterworfen sind, schwindet die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Ein DAX-Unternehmen pflichtet den Worten des Evonik-Chefs nun bei.
An mehreren Stellen appellierte der Chemie-Boss an die Politik, gab der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein Interview, sprach mit Reportern der Süddeutschen Zeitung. Sogar in den Tagesthemen stellte sich Kullmann dem Klimaverhör von Moderatorin Julia-Niharika Sen. Kullmanns messerscharfe Analyse: Der europäische Emissionshandel sei „eine formal-bürokratische Trickserei ohne Effekt“. Er fordert eine radikale Reform bzw. die Abschaffung des CO2-Preises. Volkswirtschaftlich sei das jetzige System „Irrsinn“.
Stattdessen schlägt der Evonik-CEO vor: „Wir müssen Geld investieren in Forschung, Geld investieren in neue Technologien. Und dieses Geld, das wir dringend brauchen, jetzt in eine CO2-Gebühr zu stecken, das ist sinnlos! Das ist nicht gut. Das kostet Zukunft. Deshalb müssen wir das eben vermeiden.“

Rückblick 2020: Der Finanzvorstand von Qiagen, Roland Sacker (l-r), Andreas Pinkwart (FDP), Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen, Karl-Josef Laumann (CDU), Gesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen, und Barthold Piening, Leiter der Abteilung Global Operations von Qiagen, sprechen zu den Journalisten vor dem Operativen Hauptsitz des Biotech-Unternehmens in Hilden. Man half den Behörden bei der Beschaffung von Tests
Diagnostik-Riese Qiagen: „Berechtigter Punkt“
Ein Sprecher des Diagnostik-Riesen Qiagen teilte auf NIUS-Nachfrage mit: „Was Herr Kullmann anspricht, ist ein berechtigter Punkt: Europa muss Rahmenbedingungen schaffen, die Wachstum und Innovation fördern und Investitionen im globalen Wettbewerb sichern.“
Qiagen selbst sei kein energieintensives Unternehmen und deshalb nicht so stark betroffen wie andere. „Gleichzeitig teilen wir die Einschätzung, dass Europa Wege finden muss, wirtschaftliches Wachstum und Klimaschutz besser zu verbinden. Der globale Wettbewerb um Investitionen wird in diesem geopolitischen Umfeld noch intensiver – und Europa muss entschlossener daran arbeiten, ein attraktiver Standort für Investitionen in Zukunftstechnologien zu bleiben“, sagt das Unternehmen gegenüber NIUS. Bedeutet: Auch andere DAX-Unternehmen schauen besorgt auf die europäischen Wettbewerbsbedingungen, die aktuell für Investitionsentscheidungen an anderen Standorten sorgen.
Wer ist Qiagen?
Das Diagonstik-Unternehmen wird erst seit 2021 im Dax geführt. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen mit Deutschlandsitz in Hilden (NRW) ein weltweit führender Anbieter von Sample-to-Insight-Lösungen. Das sind medizinische Selbstests, wie etwa ein Schnelltest auf Covid-19. Das Unternehmen schreibt: „Unsere Probentechnologien isolieren und verarbeiten DNA, RNA und Proteine aus Blut, Gewebe und anderen Materialien. Assay-Technologien bereiten diese Biomoleküle für die Analyse vor, während die Bioinformatik die Interpretation komplexer Daten unterstützt und so handlungsrelevante Erkenntnisse liefert. Automatisierungslösungen integrieren diese Schritte in optimierte und kosteneffiziente Arbeitsabläufe.“
Weltweit beliefert Qiagen mehr als 500.000 Kunden und beschäftigt rund 5.700 Mitarbeiter an mehr als 35 Standorten. Im vergangenen Jahr machte das Unternehmen 1,98 Milliarden Euro Umsatz.
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