Commerzbank-Chefin Orlopp: Künstliche Intelligenz soll Großteil des Stellenabbaus übernehmen
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Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp will den geplanten Stellenabbau bei der Bank zu großen Teilen durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz und den Abbau externer Kapazitäten erreichen. Im Abwehrkampf gegen die italienische Unicredit konkretisierte Orlopp nun, wo die rund 3.000 Stellen wegfallen sollen.
Ein „sehr großer Teil“ entfalle auf KI, sagte Orlopp der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt. „KI ist sehr kraftvoll in verschiedenen Bereichen.“ Die Folgen seien inzwischen größer, als die Bank noch vor gut einem Jahr erwartet habe.
Gleichzeitig betonte Orlopp, dass die eigene Belegschaft möglichst geschont werden solle. Die Bank wolle zunächst externe Strukturen reduzieren. „Wir gehen zum Beispiel an die Kapazitäten bei externen Call-Centern ran“, sagte sie. „Das Gleiche gilt für das IT-Umfeld, wo wir noch viele Externe einsetzen.“
Die Commerzbank versucht mit dem Sparkurs, ambitionierten Gewinnzielen und höheren Renditeerwartungen ihre Eigenständigkeit zu sichern. Der Dax-Konzern will seine Aktionäre davon überzeugen, ihre Anteile nicht an die Unicredit zu verkaufen. Betriebsbedingte Kündigungen sollen dabei vermieden werden. „So, wie unsere Demografie in der Bank ist, werden wir diesen Prozess maximal sozialverträglich gestalten“, sagte Orlopp.
Unicredit will weitere Commerzbank-Aktien einsammeln
Der Übernahmepoker um die Commerzbank hat sich zuletzt deutlich zugespitzt. Die Unicredit kontrolliert bereits knapp 30 Prozent der Anteile und legte Anfang Mai ein Angebot für sämtliche Commerzbank-Aktien vor. Für jede Commerzbank-Aktie bietet die italienische Großbank 0,485 neue Unicredit-Aktien.
Bis zum 16. Juni will die Bank aus Mailand auf diese Weise weitere Anteile erwerben, ohne ein Pflichtangebot abgeben zu müssen. Ein solches wäre deutlich teurer. Die Frist kann bis zum 3. Juli verlängert werden.
Die Unicredit ist in Deutschland bereits mit der Hypovereinsbank vertreten und verweist auf mögliche Einsparungen in Milliardenhöhe. In der Commerzbank wird das Vorgehen der Italiener dagegen als feindlicher Angriff gesehen. Unterstützung bekommt das Institut vom Bund, der noch gut zwölf Prozent der Commerzbank-Anteile hält.
Orlopp warnte vor den Folgen des Vorgehens der Unicredit. „Was wir nicht gebrauchen können, ist eine Destabilisierung unserer Organisation“, sagte sie. Die Mailänder Bank hatte die Commerzbank unter anderem in einer Social-Media-Kampagne scharf attackiert und wurde dafür von der Finanzaufsicht Bafin gerügt. „Wir achten darauf, dass wir die Organisation stabil halten, trotz dieser unangemessenen Angriffe“, sagte Orlopp.

Bettina Orlopp, CEO der Commerzbank AG
Orlopp kritisiert EZB-Vize
Kritisch äußerte sich die Commerzbank-Chefin auch zu Aussagen aus der Europäischen Zentralbank. Die EZB prüft als Bankenaufsicht den Einstieg der Unicredit. EZB-Vizepräsident Luis de Guindos hatte die Bundesregierung zuletzt wegen ihres Widerstands gegen eine Übernahme kritisiert. Dies widerspreche dem Geist des europäischen Binnenmarktes und erschwere den Aufbau tieferer Kapitalmärkte in Europa.
Orlopp zeigte sich über diese Wortmeldung irritiert. Die Aussagen hätten die Commerzbank „schon überrascht“. Es wirke „seltsam an, dass es von einzelnen Vertretern eine anscheinend offene Unterstützung für einen Angang gibt, der eine Destabilisierung zum Ziel hat“. Die Bundesregierung habe deutlich gemacht, welche Punkte am Vorgehen der Unicredit problematisch seien. „Und als Aktionär hat sie dazu auch jedes Recht“, sagte Orlopp.

EZB-Vizepräsident Luis de Guindos
Commerzbank will Stellungnahme vorlegen
Anfang nächster Woche will die Commerzbank eine begründete Stellungnahme zum Angebot der Unicredit veröffentlichen. Orlopp kritisierte, die Offerte liege unter dem jüngsten Aktienkurs der Commerzbank und laufe strategisch in die falsche Richtung. „Das Übernahmeangebot der Unicredit ist de facto eine Schrumpfungs-Strategie für unser Geschäftsmodell“, sagte sie.
Gespräche mit der Unicredit habe die Commerzbank nie grundsätzlich ausgeschlossen. Weitere Gespräche seien aus Sicht Orlopps aber nur sinnvoll, „wenn die Unicredit ein Zeichen gibt, dass sie bereit sind, über die Höhe des Angebots an unsere Aktionäre nachzudenken und über das Geschäftsmodell“.
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