Das denkt die Wirtschaft: Es lohnt sich momentan nicht, in Deutschland zu investieren
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Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft: Mies! Zu schlecht sind die harten Kennziffern. Zu negativ die Erwartungen, dass sich in naher Zukunft etwas ändert. Wolfgang Steiger, Generalsekretär des Wirtschaftsrates, skizziert in seiner aktuellen Kolumne („Standpunkt Steiger“) eine beunruhigende Gesamtsituation.
Steiger schreibt: „,Die USA sind nicht auf Kurs‘, belehrte Wirtschaftsminister Robert Habeck bei seiner jüngsten US-Reise die Wirtschafts- und Klimapolitik des transatlantischen Partners. Anschließend pries er seine eigene Politik in höchsten Tönen: ,Deutschland war es auch nicht. Jetzt bringe ich es auf Kurs.‘ Trotz dieser offensiven Worte, fanden Habecks Appelle bezeichnenderweise nahezu keinerlei Resonanzboden in den amerikanischen Medien. Woran liegt dieses augenscheinliche Desinteresse? Offensichtlich kontrastiert das Selbstbild des Bundeswirtschaftsministers fundamental mit dem Blick ausländischer Partner und leider auch zunehmend mit der Wahrnehmung zu Hause.“
Wenige Tage VOR dieser US-Reise rechnete der Bundesrechnungshof in einem „vernichtenden Sonderbericht“ fast wortgleich mit Habecks Lieblingsprojekt ab: „Energiewende nicht auf Kurs“. Der Vizekanzler räumte bei der Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichts ein, dass es kein Grünes Wirtschaftswunder geben werde.
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Habeck in Washington – und zeitgleich rechnete der Bundesrechnungshof ab: Die Illustration stammt aus dem Bericht
Prinzipien unserer Wirtschaftsordnung erodieren
Steiger weiter: „Wie dramatisch die Situation ist, lässt sich anhand zweier eigentlich banaler Fragen aufzeigen. Lohnt es sich für mich als Bürger in Deutschland noch zu arbeiten? Und: Lohnt es sich für mich als Unternehmer, als Investor am Standort Deutschland zu investieren? Dass diese Fragen, in den letzten sieben Jahrzehnten ohne das geringste Zögern uneingeschränkt mit ,Ja‘ beantwortet wurden, hat ganz wesentlich mit dem Aufstiegsversprechen der Sozialen Marktwirtschaft zu tun und mit dem dahinterstehenden gesellschaftlichen Grundkonsens ,Leistung muss sich lohnen‘.
Dass die Beantwortung der Fragen heute offensichtlich nicht mehr so eindeutig ist, zeigt, wie sehr die Prinzipien unserer Wirtschaftsordnung erodieren und muss uns alle im tiefsten Maße beunruhigen.“

Wolfgang Steiger, Generalsekretär des Wirtschaftsrates
Gift für den Arbeitsanreiz
Zur Frage, ob arbeiten sich noch lohne, notiert Steiger: „Wir haben Hunderttausende offene Stellen und Millionen von Menschen, die eigentlich arbeiten könnten. Es passt deshalb nicht in die Zeit, wenn wir uns von dem bewährten ,Fördern und Fordern‘-Prinzip der Hartz-Regelungen entfernen und Grundsicherungsempfänger nicht nur einen Realausgleich erhalten, sondern einen Kaufkraftgewinn bekommen. Eine Job-Aufnahme führt in manchen Fällen zu einer Transferentzugsrate von über 100 Prozent, – sprich: Sie gehen arbeiten und haben danach weniger, als vorher – was für den Arbeitsanreiz natürlich Gift ist.
Auch für Menschen, die ein niedriges Einkommen haben, ist es mitunter ein Minus-Geschäft mehr zu arbeiten. Und dann wundern wir uns, dass eine Rekordanzahl von Bürgergeldempfängern, für genau 100 Euro im Monat arbeitet – das ist der Freibetrag, der noch nicht zu einer Reduktion des Bürgergelds führt – und gleichzeitig der Umfang der Schattenwirtschaft in nur 12 Monaten um 80 Milliarden Euro auf ein Rekordniveau von 463 Milliarden Euro hochschießt – 11 Prozent vom BIP!“
Eine schallende Ohrfeige für den Wirtschaftsstandort
Und die Frage, ob es sich lohne, aktuell in Deutschland zu investieren, beantwortet er so: „Die Zahlen geben leider eine eindeutige Antwort: Nein, momentan nicht. Wir erleben die höchsten Nettoabflüsse von Unternehmenskapital, die es in Deutschland je gab. Seit über 50 Jahren werden diese Zahlen nun erhoben und die letzten drei Jahre belegen jeweils mit Abstand Gold, Silber und Bronze der schlechtesten Werte. Eine solche Höhe und Häufung darf nicht länger ignoriert werden. Hier geht es nicht um einmalige Umstellungen, Nachhol- oder Sondereffekte – wir sehen das manifestierte Misstrauen in die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung. Eine schallende Ohrfeige für die Rahmenbedingungen des Wirtschaftsstandortes.“
Steigers Fazit: „In Deutschland scheinen wir die eigentlichen Botschaften der Sozialen Marktwirtschaft vergessen zu haben. Wir nehmen die immer weitere Ausweitung des Wohlfahrtsstaates als Selbstverständlichkeit und nicht als Ergebnis harter Leistung hin.
Statt darüber zu reden, wie der Kuchen für alle vergrößert werden kann, konzentrieren wir uns derzeit nur noch auf das Verteilen. Zulasten derjenigen, die Wohlstand und Wachstum schaffen. Das geht nicht lange gut. Deshalb ist es höchste Zeit, auf den richtigen Kurs zurückzufinden.“
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