Den Süden trifft es besonders hart: Mehr als 124.000 Stellen wurden in einem Jahr abgebaut
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Deutschlands Deindustrialisierung schreitet voran. Immer mehr Insolvenzen und Stellenabbau, meldet die Welt. Die Streichung Tausender Arbeitsplätze bei Traditionsfirmen wie Bosch oder ZF Friedrichshafen ging durch die Medien, das Sterben kleinerer Mittelständler eher nicht.
Bei Mayer & Cie. zum Beispiel hat die Demontage begonnen. Zum Februar wird den verbliebenen 270 Mitarbeitern gekündigt, bis dahin werden noch Restaufträge abgearbeitet. Ein kleines Team kümmert sich im schwäbischen Albstadt nun darum, den Fuhrpark, die Maschinen und Immobilien noch zu verwerten. Nach 120 Jahren Firmengeschichte schließt der Mittelständler seine Türen für immer.

Mayer & Cie hatte eine weltweite Marktführerschaft im Segment der Rundstrickmaschinen inne
Rechtsanwalt Martin Mucha, der das Insolvenzverfahren des Weltmarktführers für Rundstrickmaschinen abwickelt, spricht von einem „extrem schwierigen“ Markt. „Die aktuellen Rahmenbedingungen haben bei Mayer & Cie im vergangenen Jahr zu einem Umsatzeinbruch von annähernd 50 Prozent geführt.“ Es ist eine Meldung, die die wirtschaftsstarke Region im Süden Deutschlands erschüttert. Sie reiht sich ein in die Vielzahl von Hiobsbotschaften der vergangenen zwei Jahre. Die vielen sterbenden Mittelständler – gerade in ländlichen Gegenden – gehen im Strudel der Negativschlagzeilen dabei beinahe unter.
Standorten wie Dingolfing-Landau drohen hohe Einbußen
Die Ursachen für die alarmierende Entwicklung sind vielfältig: der Wettbewerbsnachteil durch hohe Strompreise, lähmende Auflagen und zähe Bürokratie, hohe Lohnnebenkosten, dazu die eingebrochene Nachfrage aus China. Neuen Daten des Ifo-Instituts zufolge, ist das Nord-Süd-Gefälle dabei deutlich: „Während Potsdam sogar einen leichten Zugewinn verzeichnet, drohen Industriestandorte wie Salzgitter, Dingolfing-Landau, Wolfsburg und Ingolstadt empfindliche Einbußen“, sagt Marcel Thum vom Ifo-Institut in Dresden. Besonders stark betroffen seien Landkreise mit hohem Industrieanteil, etwa in der Autoindustrie und Metallerzeugung.
Am höchsten sind die Wertschöpfungsverluste für Salzgitter (minus 1,16 Prozent) und Dingolfing-Landau (minus 1,08 Prozent). Die regionalen Unterschiede sind der Studie zufolge vor allem auf die Wirtschaftsstruktur vor Ort zurückzuführen. Die Verschiebung von weniger Industrie hin zu mehr Dienstleistung und öffentlicher Hand prägt den Arbeitsmarkt in Deutschland schon seit Längerem, die Statistik spricht eine deutliche Sprache. So ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland im Jahr 2025 auf den höchsten Stand seit elf Jahren gestiegen. 23.900 Firmenpleiten meldet die Wirtschaftsauskunftei Creditreform, das sind 8,3 Prozent mehr als im Vorjahr.
Wie nachhaltig der Wirtschaftsstandort im Langzeitvergleich geschädigt wird, zeigen die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA). Allein innerhalb eines Jahres wurden im verarbeitenden Gewerbe mehr als 165.000 Stellen abgebaut, davon rund 124.000 in der Metall-, Elektro- und Stahlindustrie.
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