Der neue Goldrausch: Können wir so unser Erspartes vor der Inflation retten?
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Sie hält an: Die längste Phase einer sehr hohen Inflation (von über 6 Prozent) in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Parallel schrumpft die deutsche Wirtschaft. Kein Wunder, dass sich der Blick mal wieder auf das Gold richtet.
In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und steigender Inflation suchen Anleger verstärkt nach Möglichkeiten, ihr Erspartes vor den Auswirkungen der Geldentwertung zu schützen. Eine der ältesten und bewährtesten Strategien hierfür ist der Erwerb von Gold.

Goldpreis-Entwicklung der letzten 20 Jahre in Euro (Quelle: https://www.chards.co.uk/)
Auch in den letzten Jahren hat sich das Interesse am Edelmetall Gold wieder verstärkt. Viele fragen sich, ob es tatsächlich eine sichere Möglichkeit sein könnte, Ersparnisse effektiv vor der Inflation zu schützen.
Deutsche sind Gold-Fans
Spätestens seit der Hyperinflation in den 1920er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, haben sich die Deutschen zu regelrechten Gold-Fans entwickelt. Die Privathaushalte in Deutschland besitzen mehr als 9 Millionen Kilogramm Gold.
Aber auch der Staat ist ein großer Gold-Liebhaber. Deutschland besitzt zwar seit mehr als zwei Jahrzehnten keine eigene Währung mehr, die Gold-Reserven der Bundesbank sind allerdings weiterhin in deutschem Besitz und nicht auf die Europäische Zentralbank übergegangen. Dieser Goldschatz ist nach den USA der größte aller Zentralbanken weltweit. Die deutsche Bundesbank hortet über 3,4 Millionen Kilogramm Gold.
Insgesamt besitzen die Deutschen privates und staatliches Gold im Wert von über 710 Milliarden Euro.

Kilogramm-Goldbarren des Hanauer Edelmetall- und Technologieunternehmens Heraeus.
Gold als Inflations- und Krisenschutz
Die Verwendung von Gold als Wertspeicher und Inflationsschutz hat eine lange Geschichte. Schon in der Antike und im Mittelalter wurde Gold für den Handel genutzt, da es seinen Wert über die Zeit hinweg behielt. Auch in modernen Zeiten hat der Goldpreis in Phasen wirtschaftlicher Krisen immer mal wieder schützend gewirkt. Jedoch nicht immer – und teilweise nur zeitweilig.
Ein weiterer Grund für das Interesse an Gold ist die geopolitische Unsicherheit. In unsicheren Zeiten neigen Anleger dazu, vermehrt in sichere Anlagen wie Gold zu flüchten. Dies kann den Preis des Edelmetalls weiter steigern.
Warum suchen Anleger Zuflucht in Gold?
Die steigende Inflation ist einer der Hauptgründe für das gesteigerte Interesse an Gold. Inflation bedeutet, dass die Kaufkraft des Geldes abnimmt – und natürlich sind Anleger besorgt, dass ihre Ersparnisse an Wert verlieren könnten.
Gold hingegen wird oft als Inflationsschutz betrachtet, da es nicht leicht vermehrt werden kann. Die begrenzte Verfügbarkeit von Gold auf der Erde macht es zu einem knappen Gut. Und genau diese Knappheit ist es, die dazu beiträgt, dass der Wert von Gold beibehalten wird.
Jedoch: Es gibt keine messbare Korrelation des Goldpreises mit der Inflation. Als die Inflation im Jahr 2022 den höchsten Stand seit vielen Jahrzehnten erreichte, sank der Goldpreis und dies trotz des Krieges in der Ukraine. Das liegt daran, dass der Kapitalmarkt die Gründe für die Inflation antizipiert und Akteure dementsprechend Gold kaufen oder verkaufen.

Goldreserven der Bundesbank in Frankfurt am Main.
Wird von den Zentralbanken eine lockere Geldpolitik mit niedrigeren Zinsen und einer Geldmengenausweitung betrieben, profitiert der Goldpreis davon. Wird der Rückwärtsgang eingeschaltet, sinkt der Goldpreis gewöhnlich.
Gold zu kaufen, nur weil die Inflationszahlen gerade hoch sind, ist also nicht zwingend eine schlaue Idee. Insgesamt ist die Korrelation von Gold mit anderen Faktoren relativ gering, so dass es oftmals als „der perfekte Diversifikator“ bezeichnet wird.
Die Risiken des Goldbesitzes
Obwohl Gold als Inflationsschutz und sicherer Hafen angesehen wird, ist es wichtig zu bedenken, dass auch Gold seine Risiken birgt. Der Goldpreis kann volatil sein und unterliegt oftmals kurzfristig starken Schwankungen. Gemessen an diesem Risiko, ist die Rendite, die der Goldbesitz bringt, relativ gering.
Andere Anlageklassen – wie beispielsweise Aktien – mit einer vergleichbaren Volatilität, haben langfristig eine höhere Rendite.
Darüber hinaus trägt der Besitz von physischem Gold das Risiko von Diebstahl oder Verlust mit sich. Ein weiteres Risiko beim Kauf von Gold sind die Lagerungskosten. Wer physisches Gold besitzt, muss es irgendwo sicher aufbewahren. Das kann zusätzliche Kosten verursachen und sollte bei der Entscheidung, in Gold zu investieren, berücksichtigt werden.

Gold- und Silberbarren der Silberschmiede Robbe & Berking im schleswig-holsteinischen Flensburg.
Gold als Teil einer diversifizierten Anlagestrategie
Ein wesentlicher Vorteil von Gold ist, dass es in Krisenzeiten bei der eigenen Geldanlage tatsächlich als ein gewisser Schutz wirken kann.
In Finanzkrisen kann der Goldpreis beispielsweise sehr schnell und sehr stark steigen. Gold dient also als eine Art Versicherung gegen außergewöhnliche Ereignisse. Der Preis für diese Versicherung ist ein schlechteres Rendite/Risiko-Verhältnis im Vergleich zu anderen Anlageklassen.
Insgesamt kann Gold eine sinnvolle Ergänzung einer diversifizierten Geldanlage sein, insbesondere in Zeiten höherer Unsicherheit und strukturell oder geldpolitisch getriebener Inflation.
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