Deutschland 2023: plötzlich Urlaubsziel statt Wirtschaftsmacht
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Im September 2023 wurden 49,6 Millionen Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben in Deutschland verzeichnet. Das sind knapp 20 Prozent mehr als noch vor 10 Jahren. Während andere Wirtschaftssektoren in Deutschland hochgradig problembehaftet sind, ist es nun der Tourismus, der Rekordzahlen feiert. Alleine gegenüber dem Vorjahr stieg die Anzahl der touristischen Übernachtungen um 5 Prozent. Damit wurde ein Allzeithoch markiert.
Wie kommt diese Entwicklung zustande?
Tourismus jetzt ein wichtiger Wirtschaftssektor
Der Tourismus hat sich, lässt man die Covid-Zeit einmal außen vor, zu einem wichtigen und stabilisierenden Wirtschaftsfaktor entwickelt. Insgesamt kommen knapp 9 Prozent der jährlichen Wertschöpfung alleine durch den Tourismus zustande. 2,9 Millionen Menschen sind in Deutschland im Tourismus beschäftigt. Das sind 6,8 Prozent aller Erwerbstätigen.

Sommerlich-touristisches Treiben in der Würzburger Altstadt.
Reisen innerhalb und nach Deutschland immer attraktiver
Galten die Deutschen früher als die Reiseweltmeister schlechthin, machen sie jetzt auch immer mehr Urlaub im eigenen Land. Sowohl die Anzahl der inländischen als auch der ausländischen Übernachtungen in deutschen Hotels und Ferienunterkünften steigt stark an.
Das hat auch mit den Rahmenbedingungen zu tun, mit denen der Tourismus es zu tun hat. Die schwarz-gelbe Koalition von 2009 bis 2013 hatte die Mehrwertsteuer auf Hotelübernachtungen von 19 Prozent auf 7 Prozent gesenkt und in der Covid-Zeit wurde dann auch noch die Mehrwertsteuer für Speisen im Restaurant auf den ermäßigten Satz gesenkt – der allerdings ab 2024 wieder bei 19 Prozent liegen soll.

Ostsee-Idylle in Scharbeutz: Vor allem die Küstenregionen erfreuen sich größter Beliebtheit für den Urlaub im eigenen Land.
Aber nicht nur diese Steuersenkungen haben dem inländischen Tourismus Aufschwung gegeben. Der Euro hat in den letzten 15 Jahren kontinuierlich gegenüber dem Schweizer Franken, dem US-Dollar, dem kanadischen Dollar und andere Währungen an Wert abgenommen. Alleine gegenüber dem US-Dollar hat der Euro seit 2008 um über 30 Prozent an Wert verloren.

Dies macht Auslandsreisen für Deutsche in die Schweiz, die USA, Kanada oder andere Länder teurer. Für ausländische Touristen wird Deutschland hingegen zu einem verhältnismäßig günstigem Reiseland.
Die meisten ausländischen Touristen kommen aus den Niederlanden, der Schweiz, den USA und dem UK.
Wirtschaftliche Schwäche Europas stärkt den Tourismus
Die wirtschaftliche Schwäche Europas stärkt also über diesen Mechanismus den inländischen Tourismus in Deutschland. Das ist übrigens eine durchaus klassische Entwicklung. Historisch betrachtet haben oftmals Länder mit einer eher schwächeren heimischen wirtschaftlichen Entwicklung stark auf Tourismus gesetzt. In Zeiten einer starken Deutschen Mark waren Auslandsreisen für Deutsche nach Italien, Spanien und Griechenland verhältnismäßig günstig.
Nun hat sich das also umgekehrt und immer mehr Schweizer, Amerikaner und Briten kommen nach Deutschland, um Urlaub zu machen.
Günstiger Nahverkehr
Auch eine andere Maßnahme macht Reisen nach oder innerhalb Deutschlands attraktiver: das steuerfinanzierte 49-Euro-Ticket im öffentlichen Nahverkehr. Jeder steuerzahlende Deutsche finanziert dieses Ticket mit.

Mit dem 49-Euro-Ticket der Deutschen Bahn, auch Deutschlandticket genannt, wird das Reisen innerhalb Deutschlands auch für ausländische Touristen attraktiv.
Als im letzten Jahr das 9-Euro-Ticket und ein Wechselkurs von 1 Euro = 1 US-Dollar zusammen kamen, wurde in den USA besonders stark für günstige Reisen nach Deutschland geworben.
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