„Diese Energiepolitik wird zum wirtschaftlichen Kollaps führen“: Energieexperten sehen nur im Gaspreis einen Hoffnungsschimmer
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Energiepolitisch fällt das Fazit aus Sicht vieler Kritiker in diesem Jahr ernüchternd aus. Statt eines echten Kurswechsels sehen sie eine Fortsetzung alter Strukturen: steigende Kosten, immer neue Subventionen und eine Politik, die wirtschaftliche Realität und physikalische Grenzen zunehmend ausblendet. Björn Peters, Physiker und Energieökonom, analysiert im Interview die strukturellen Fehlanreize der aktuellen Energiepolitik, warnt vor explodierenden Kosten und kritisiert zentrale Narrative rund um „erneuerbare Energien“ und Klimaschutz. Fritz Vahrenholt, ehemaliger Umweltsenator Hamburgs und Energieexperte, zieht im Anschluss eine politische Bilanz des Jahres 2025 und beschreibt die Folgen für Industrie, Arbeitsplätze und Versorgungssicherheit.
Aus energiepolitischer Sicht könnte man aber doch sagen, eigentlich ist 2025 alles beim Alten geblieben, oder?
Peters: Ja, das ist ja genau das Problem. Wir haben im März. Ich glaube, da habe ich sogar bei Ihnen einen Gastbeitrag hinterlassen zu dem Thema, dass dieses Schuldenpaket lediglich dazu dient, die negativen Folgen der katastrophal schlechten Energiepolitik wegzusubventionieren. Und da bleibt nichts übrig, irgendwo eine Schiene, eine Weiche, eine Brücke, eine Straße zu bauen. Denn das ist tatsächlich die Größenordnung: 500 Milliarden auf zehn Jahre sind 50 Milliarden pro Jahr. Und das wird man eben auch brauchen für den Industriestrompreis und für die Netzentgeltentlastung und, und, und. Also wir sind auf einer wirklich sehr schiefen Ebene, sind schon weit abgerutscht und haben immer noch nichts unternommen, diese Ebene wieder ins Lot zu bekommen.
Wie kann es denn aber sein, dass man etwa immer noch am Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festhält. Mittlerweile müssten sich die immensen Kosten doch selbst in der CDU herumgesprochen haben, oder?
Peters: Natürlich sind auch viele Leute aufgewacht. Aber es ist einfach so: Wenn Sie irgendwo in irgendwas 500 oder 700 Milliarden Euro hineingeben, dann schaffen Sie dort natürlich auch Wohlstand. Das bedeutet, dass diese Leute alle PR-Agenturen flächendeckend engagieren können und damit bestimmte Narrative in der Gesellschaft vorherrschend sind. Und im Übrigen: Angela Merkel hat das schon im März/April 2005, da war sie noch keine Kanzlerin, in einem Vortrag in Essen gesagt. Schon damals war ihre Beobachtung, dass das EEG so raffiniert konstruiert ist, dass es so viele finanzielle Verflechtungen schafft, dass es quasi unmöglich sein wird, das EEG wieder abzuschaffen. Genau das erleben wir heute auch. Wir haben überhaupt keine ernsthaften Initiativen in der CDU und schon gar nicht in der SPD für eine Abschaffung des EEG. Dabei wäre das absolut notwendig.
Man kann nicht sagen, man subventioniert eine Technologie mit Steuergeldern insgesamt 50 Jahre lang als Markteinführungsprämie. Dieses Einspeisegesetz ist 1991 entstanden, das EEG also nur zehn Jahre später. Fell und Scheer haben sich das dann auf die Schultern geschrieben, wie toll sie das alles gemacht hätten. Aber alle Elemente des EEG gab es vorher auch schon, eingeführt von der schwarz-gelben Regierung in den 1990er-Jahren: Förderung wetterabhängiger Energien mit Einspeisevorrang und gesetzlich festgelegter Einspeisevergütung. Das hat sich nur graduell verändert. Mit den heutigen Finanzierungszusagen finanzieren wir das aber – 35 Jahre später – noch einmal für 20 Jahre. Es gibt keine Technologie auf der Welt, die 50 Jahre oder länger eine solche Markteinführungsprämie gebraucht hätte. Das allein zeigt, wie absurd es ist, das EEG heute noch zu verteidigen.

Die Energiewende kostet den Bürger noch immer Milliardenbeträge – dennoch werden immer neue Anlagen gebaut.
Ich habe allerdings das Gefühl, dass in der Bevölkerung immer noch das Narrativ verbreitet ist, wir sind unbedingt auf wetterabhängige Technologien angewesen, allein zur Klima-Rettung. Wie vermittelt man der Bevölkerung überhaupt, dass es einen Wechsel braucht?
Peters: Das ist richtig. Die Narrative, mit denen die Energiewende durchgesetzt wurde und immer noch wird, sind sehr raffiniert konstruiert. Vielen Dank, dass Sie genau diese Frage stellen – ich habe mir diese Frage dieses Jahr selbst gestellt: Wie kommen wir da eigentlich wieder raus? Ich habe im Februar ein Buch veröffentlicht, in dem ich erstmals eine alternative Strategie formuliert habe, den ökologischen Realismus. Aber das reicht noch nicht aus. Deshalb habe ich begonnen, darüber nachzudenken, wie man diese grünen Narrative – nicht parteipolitisch gemeint, sie ziehen sich durch alle Parteien – erkennt und dekonstruiert. Im besten 68er-Sprech: Die Herrschaft über die Begriffe führt zur Herrschaft in den Köpfen und letztlich dazu, Politik verändern zu können. Das haben die Linken, insbesondere die Frankfurter Schule, sehr gut erkannt und deshalb massiv in Begriffsveränderungen investiert. Früher hieß es: „Von Stalin lernen heißt siegen lernen.“ Er war in dieser Hinsicht ein sehr raffinierter Hund. Letztlich ist das alles Stalinismus. Er hat damit die bolschewistische Revolution 1917 aus einer völligen Minderheitsposition heraus gewonnen – sehr raffiniert, zusammen mit Trotzki und Lenin.
Und man muss von diesen Herrschaften einfach das lernen, was sie wirklich gut konnten. Und das war, Begriffe neu zu definieren. Also in diesem Online-Kurs, den ich anbiete, geht es genau darum: diese grünen Narrative zu erkennen, sie zu dekonstruieren, also wirklich auseinanderzunehmen. Was steckt implizit und explizit dahinter? Und drittens: Wie kann man das ersetzen? Wenn Sie mir noch die Gelegenheit geben – ein Beispiel, das unheimlich stark in den Köpfen ist: Wir sprechen ja ganz selbstverständlich über „erneuerbare Energien“. Das ist ein Begriff, der in den 1970er-Jahren von den Brüdern Bossel in einem Buch eingeführt wurde. Low hat schon in den 1960er-Jahren – das war ein verkrachter Physiker, der sein Studium nicht beendet hat, aber dann sehr eigenwillige Theorien darüber gesponnen hat, wie Energie sein sollte – von „sanften Energien“ gesprochen. Das war in den 1970er-Jahren schon relativ wirkmächtig. Aber dann kam der Begriff „erneuerbare Energien“, und der vernebelt das Denken komplett.
„Der Begriff vernebelt die enorme Materialschlacht, die nötig ist, um die Energie zu ernten“
Eine kleine Anekdote dazu: Vor etwa zehn Jahren gab es eine Rede auf einem Energiewirtschaftstag. Der damalige bayerische Finanz- und Wirtschaftsminister Pschierer hat das energiepolitische Zieldreieck umgedeutet. Sie kennen das: Energie muss preisgünstig, zuverlässig und umweltfreundlich sein. Er hat daraus gemacht: preisgünstig, zuverlässig und Ausbau erneuerbarer Energien. Daran sieht man, wie tief dieser Begriff bis in konservative Kreise hinein wirkmächtig geworden ist. „Erneuerbare Energien“ ruft in unseren Köpfen das Bild eines Füllhorns hervor, das irgendwo in der Natur steht, und man muss nur hineingreifen und die Energie herausholen. Franz Alt hat in den 1990er-Jahren sogar ein Buch mit dem Titel geschrieben: Die Sonne schickt uns keine Rechnung. Und das Raffinierte daran ist: Es ist ja alles richtig. Mir ist auch noch kein Postamt auf unserem Zentralgestirn aufgefallen. Das stimmt alles. Aber dieser Begriff vernebelt die enorme Materialschlacht, die nötig ist, um diese sehr undichte Energie zu ernten – mit riesigen, 200 bis 300 Meter hohen Türmen im Bereich der Windkraft.

Anhänger der grünen Kilma-Ideologie gibt es nicht erst seit Fridays for Future.
Er vernebelt auch, dass wir dafür, wenn wir das weltweit umsetzen wollten, mehr Rohstoffe verbrauchen würden als jemals zuvor. Ich habe das einmal überschlagen: Allein für eine Energiewende nach deutschem Modell bräuchten wir rund 250 Jahresproduktionen an Kupfer – nur um etwas umzubauen, das es heute schon gibt. In diesen 250 Jahren würde es dauern, diese Energiewende umzusetzen. Das zeigt, wie unglaublich abstrus das Ganze ist. Und es gibt noch viele weitere Beispiele, aber am Begriff „erneuerbare Energien“ kann man wunderbar sehen, wie absurd diese gesamte Gedankenwelt eigentlich ist. Deshalb habe ich irgendwann begonnen, von Umgebungsenergien zu sprechen und speziell bei Solar- und Windenergie von wetterabhängigen Energien. Ich kann Sie nur ermuntern: Wenn Sie über Energie sprechen, sprechen Sie über wetterabhängige Energien. Denn dann wird etwas völlig anderes im Kopf ausgelöst. Nicht mehr das Füllhorn, sondern: Wetter. Wetter ändert sich ständig. Was sind eigentlich die Eigenschaften von Wetter? Damit muss ich mich beschäftigen. Das macht neugierig. Und dann stellt sich automatisch die Frage, ob man mit so etwas überhaupt sinnvoll eine Industrienation mit Energie versorgen kann.
Sie fangen da auf der kleinsten Ebene an, würde ich sagen, was diese Dekonstruktion angeht. Was glauben Sie denn: Was ist eigentlich die gefährlichste Lüge oder das gefährlichste Narrativ, das aus diesen Kreisen gestreut wird? Ist es die Behauptung vom günstigen Strom, sind es die Arbeitsplätze, die angeblich geschaffen werden, oder was ist es aus Ihrer Sicht?
Peters: Nein, ich glaube, das Gefährlichste geht tatsächlich 200 Jahre zurück, zu Jean-Jacques Rousseau. Wir haben in der Bibel, in der Genesis, gleich im ersten Kapitel, einen klaren Auftrag bekommen: Der Mensch soll die Erde bebauen und bewahren. Das heißt, der Mensch hat das Recht, der Natur das zu entnehmen, was er braucht – aber er muss es verantwortungsvoll tun. Darüber besteht, glaube ich, weitgehend Konsens. Wo aber kein Konsens besteht, sind die Folgerungen. Rousseau hat uns einen sehr antichristlichen Gedanken in die Köpfe gesetzt: dass die Natur von sich aus in einem Gleichgewicht sei, gut sei, und dass der Mensch dieses Gleichgewicht nur störe. Das ist absurd. Aber es ist ein extrem wirkmächtiger Gedanke – dass etwas in einem Gleichgewicht ist, das man nur zerstören kann, und dass, wenn ich etwas entnehme, es an anderer Stelle fehlt. Dabei ist die gesamte Natur auf Wachstum angelegt.
Diese Ideologie der Knappheit liegt allen sozialistischen Ideen zugrunde, einschließlich des Nationalsozialismus. Und heute reicht das bis zu Figuren wie Ulrike Herrmann, die ein Buch schreibt mit dem Titel Das Ende des Kapitalismus und darin argumentiert, dass die Klimadiskussion zwangsläufig zum Ende von Wohlstand führen müsse. Das ist aus meiner Sicht der gefährlichste Gedanke überhaupt: dass man plötzlich 10.000 Jahre Menschheitsgeschichte negiert und sagt, es gebe keinen technischen Fortschritt mehr. Dabei hat der Mensch in diesen 10.000 Jahren durch technischen Fortschritt immer besser gelernt, mit der Natur umzugehen.

Träumen von einem Umbau der Gesellschaft nach ökosozialistischem Vorbild: Linksradikale Vordenker wie Ulrike Herrmann
Und dann kommen wir zu weiteren Begriffen – etwa dem „ökologischen Fußabdruck“. Das ist ja auch ein Begriff, der gerade die Grünen und Linken sehr gerne verwenden, ebenso die ganzen Nachhaltigkeitsforscher. Aber ich behaupte, sie haben diesen Begriff gar nicht verstanden. Denn durch immer bessere Agrartechniken sinkt der ökologische Fußabdruck des Menschen seit 10.000 Jahren. In der Altsteinzeit hat jeder Mensch mehrere Quadratkilometer benötigt, um sich aus der Natur zu ernähren. Mit der Einführung des Ackerbaus wurde das schon deutlich weniger. Und heute sind es nur noch ein paar hundert Quadratmeter, die man braucht, um einen Menschen gut zu ernähren. Im Übrigen haben vor 200 Jahren 90 Prozent der Menschen in bitterster Armut gelebt, Hunger war allgegenwärtig, fast alle haben ständig gehungert. Heute ist Hunger – das sind immer noch viel zu viele Menschen – ein Phänomen, das nur noch etwa sieben bis acht Prozent der Menschheit betrifft. Und Fettleibigkeit ist auf weltweiter Skala mittlerweile ein größeres Problem als Hunger. Das alles ist ein Erfolg des technischen Fortschritts.
Sie haben gerade das Thema Offenheit, Energieoffenheit angesprochen. Gehen wir den richtigen Weg mit Frau Reiche?
Peters: Also ich möchte Frau Reiche ausdrücklich verteidigen. Ich glaube, sie ist promovierte Chemikerin, sie ist naturwissenschaftlich gebildet. Das hilft sehr, Energie zu verstehen. Ich selbst bin Physiker und Energieökonom, das sind also ähnliche Denkansätze. Sie hat zudem als CEO eines Netzbetreibers gearbeitet, nachdem sie einige Jahre in der Politik war. Und sie hat sehr, sehr vernünftige Dinge gesagt. Allerdings ist sie natürlich auch Politikerin genug, um das umzusetzen, was sie mit ihrem Koalitionspartner politisch durchsetzen kann.
Wenn Sie aber fragen, was getan werden müsste: Ich habe das in meinem Buch dokumentiert, im letzten Kapitel, das überschrieben ist mit „Die ersten 100 Tage“. Ich möchte nicht nur meckern, sondern konstruktive Vorschläge machen, wie man es jetzt besser machen kann. Und der erste Punkt – darüber haben wir uns schon ausgetauscht – ist die Abschaffung des EEG, zumindest für die Zukunft und möglicherweise auch teilweise rückwirkend. Es gab dazu einen Vortrag eines sehr renommierten Verfassungsrechtslehrers, der gesagt hat: Wenn der Staat sich in einer Notlage befindet, kann er Förderzusagen auch rückwirkend kassieren. Das ist ein Abwägungsprozess. Aber man könnte zum Beispiel sagen: EEG-Zahlungen enden nach 15 Jahren. In der Regel sind die Darlehen dann längst zurückgezahlt, und der Eingriff trifft nicht mehr so hart.
„Der Staat muss sich entschlanken“
Das EEG muss weg. Es geht nicht an, dass man 50 Jahre lang eine Markteinführungsprämie bezahlt. Entweder setzt sich eine Technologie am Markt durch oder eben nicht. Und wenn nicht, ist das auch eine Botschaft. Zweitens: Wir brauchen preisgünstige Energie. Wir betreiben seit 25 Jahren eine Politik der systematischen Verteuerung von Energie. Das ist ein zentraler Bestandteil der Energiewende. Wir finanzieren Renten über die Ökosteuer an der Tanksäule, wir haben die Stromsteuer eingeführt, wir haben unzählige Umlagen und CO₂-Abgaben. Das muss alles weg und durch deutlich bessere Regelungen ersetzt werden. Der Staat muss sich dann natürlich auch entschlanken. Denn die Energiewende kostet uns schon jetzt weit über 100 Milliarden Euro.
Und das wird die Kosten ja noch weiter steigen lassen. Wir reden hier von etlichen Billionen, bis zu 20 Billionen Euro, also 20.000 Milliarden, in den nächsten 20 Jahren bis 2045, weil Deutschland bis dahin klimaneutral werden will – und das auch noch auf Basis einer falschen Interpretation dieses Begriffs. 20.000 Milliarden in 20 Jahren, das sind 1.000 Milliarden pro Jahr. Das zeigt, wie absurd die Vorstellung ist, dass selbst eine Volkswirtschaft wie die deutsche das stemmen könnte. Nein, sie wird entweder vorher pleitegehen oder es wird einen großen politischen Umbruch geben, der viele der Parteien, die heute an der Macht sind, einfach wegspülen wird.

Der Abschied von der sicheren Energieversorgung: Die Sprengung des Atomkraftwerkes Biblis in Hessen
Wenn man aber über preisgünstige Energie spricht, dann geht es natürlich darum, das Angebot an preisgünstiger und zugleich umweltfreundlicher Energie zu erweitern. Und wie sich zeigt, gibt es dazu einen Bericht einer US-Unternehmensberatung, wonach man noch elf Kernkraftwerke wieder in den Leistungsbetrieb zurückholen könnte – für insgesamt zwischen 20 und 30 Milliarden Euro. Das ist auf den ersten Blick sehr viel Geld, aber dafür bekäme man rund 140 Terawattstunden pro Jahr an sehr kostengünstiger Energie. Das ist ein echtes Schnäppchen. Das ist sogar ein richtig guter Business Case für einen Investor, der das umsetzen würde.
„Kein Mensch braucht ein Energieeffizienzgesetz“
Wir sind gerade dabei, auch in den USA nach solchen Investoren zu suchen, die sich auf dieses Wagnis einlassen würden. Denn aktuell ist es ja noch eine gesetzlich verbotene Technologie. Das Atomstromverbot muss fallen. Man muss das Atomgesetz auf den Stand von etwa 2000 zurücksetzen und dann Kernkraftwerke zurückholen, neue bauen und moderne Kernkrafttechnologien weiterentwickeln. Das sind aus meiner Sicht die größten Hebel.
Vielleicht noch ein Punkt: Kein Mensch braucht ein Energieeffizienzgesetz. Das ist wieder einer dieser absolut abstrusen Gedanken, dass ein Staat seinen Bürgern vorschreiben müsse, wie sparsam sie mit einer Produktionsressource umzugehen haben. Jeder weiß von selbst, dass man das Licht nicht einfach brennen lässt oder den Backofen fünf Stunden lang anschaltet. Jeder geht ohnehin schon sparsam mit Energie um, allein aus Preisgründen. Dafür braucht es keinen Staat. Dieses Energieeffizienzgesetz kann man von heute auf morgen komplett abschaffen, ohne dass irgendetwas verloren geht.
Wenn wir uns das Thema Atomkraft noch einmal anschauen und dabei berücksichtigen, dass wir perspektivisch vielleicht nicht nur von elf Kraftwerken sprechen, sondern langfristig eher von zwanzig oder fünfundzwanzig, dann kommen wir ja auch dort auf enorme Kosten. Wie würden Sie diese Kosten im Verhältnis zu den Kosten der erneuerbaren Energien sehen – auch auf Sicht von 30, 40 oder 50 Jahren?
Peters: Ein Komödiant hat einmal sehr treffend gesagt: Diese Energien heißen erneuerbar, weil man sie alle 20 Jahre erneuern muss. Und da ist leider viel Wahres dran. Ein Kernkraftwerk hingegen hält 80 Jahre, mindestens, vielleicht auch 100 oder sogar 120 Jahre. Ich war selbst einmal in einem Wasserkraftwerk, das seit 120 Jahren in Betrieb ist. Das ist also keineswegs völlig unrealistisch. Und natürlich investiert man in ein solches langlebiges Investitionsgut so lange, wie es technisch sinnvoll ist.
Die Frage nach den Kosten ist trotzdem berechtigt, denn es gab in den letzten Jahren in Frankreich, Finnland, England und den USA vier Kernkraftprojekte, bei denen die Kosten völlig aus dem Ruder gelaufen sind. Aber umgekehrt haben wir in Deutschland ganz andere Erfahrungen gemacht. Wir haben Großkraftwerke in Serie gebaut. Wir haben sie sogar „Konvoi-Kraftwerke“ genannt – eins nach dem anderen, immer nach dem gleichen Muster. Ich kenne einen Veteranen aus dieser Zeit, einen leitenden Ingenieur, der mir das einmal beschrieben hat. Er sagte: Wir haben uns regelmäßig mit den anderen leitenden Ingenieuren abgestimmt. Es waren immer die gleichen Firmen beteiligt, dieselben Zulieferer – Tiefbau, Hochbau, Stahlbau, Elektrik und so weiter.
Man muss außerdem bedenken: Es dauert rund drei Jahre, einen bereits fertig ausgebildeten Ingenieur für eine Kraftwerksschicht zu qualifizieren, und für einen Schichtleiter insgesamt etwa sechs Jahre. All das müsste parallel passieren, während man die Kraftwerke technisch wieder hochfährt. Man müsste auch wieder Simulationsstände aufbauen. Früher gab es einen in Essen, der inzwischen abgebaut wurde. Dort war jedes Kernkraftwerk im Leitstand vollständig simuliert, sodass die Mitarbeiter üben konnten. Heute müsste man dafür nach Brasilien gehen, weil dort ein Kernkraftwerk steht, das praktisch baugleich ist mit den früheren deutschen Anlagen. Dann müsste man die Leute dorthin zur Ausbildung schicken. Das ist vielleicht gar nicht das Schlechteste – ein paar Monate Brasilien, das Wetter soll dort etwas besser sein als hier.
„Geht darum, den Mangel an Erfahrung von außen auszugleichen“
Ich glaube, das Grundproblem ist, dass die Politik seit den 1970er-Jahren, also seit rund 50 Jahren, keine aktive Atompolitik mehr betrieben hat. Deshalb fehlen heute die Konzepte, wie man so etwas praktisch umsetzt. Das muss von außen kommen. Und genau daran arbeite ich seit einiger Zeit mit einigen Mitstreitern: dass wir gemeinsam mit einem Investor der Politik ein vollständiges Paket auf dem Silbertablett servieren, mit einer schönen Schleife drumherum. Dann muss die Politik das nur noch als Ganzes betrachten. Sie muss es nicht aufdröseln und sagen: An dieser Stelle hätten wir es gern anders. Diese Kompetenz hat sie gar nicht mehr. Es geht also darum, den Mangel an Erfahrung von außen auszugleichen und zugleich eine gesellschaftliche Diskussion anzustoßen, die notwendig ist, um eine solche Politik überhaupt durchsetzen zu können.

Tauscht sich auch mit internationalen Playern über die Energiewende aus: Björn Peters bei einer Veranstaltung in London.
Das habe ich mich auch gefragt: Was muss eigentlich zuerst passieren – die gesellschaftliche Debatte oder die politische Aktion? Sind die Narrative in der Bevölkerung nicht so gefestigt, dass viele eigentlich ein „Weiter so“ wollen?
Peters: Das wage ich zu bezweifeln. Wir messen seit 45 Jahren die Zustimmungsraten in der Bevölkerung, mit verschiedenen Meinungsforschungsinstituten. Und die Bevölkerung ist eigentlich sehr pro-nuklear, insbesondere die arbeitende Bevölkerung. Niemandem kann man erklären, dass man mitten in der Energiekrise von 2022 am Atomausstieg festhält. Das Einzige, was man oft hört, ist: Es ist ja zu spät. Aber wenn man mit Aufklärung reingeht und sagt: Nein, es ist nicht zu spät. Man kann nach wie vor elf Kernkraftwerke zurück in den Leistungsbetrieb holen, mit 140 Terawattstunden Jahresproduktion – dann ist das eine Botschaft der Hoffnung.
In der Tat haben Sie völlig recht, Herr Steinberg: Wir müssen das weniger über die formale Politik lösen als über das politische Vorfeld. Wir müssen viel mehr Aufklärungsarbeit leisten. Genau darauf zielt auch der Kurs ab, den ich eingangs erwähnt habe. Ich habe zehn Jahre lang darüber nachgedacht, wie man bessere Narrative entwickelt, und jetzt muss ich beginnen, diese Erfahrung auf mehr Schultern zu verteilen. Jeder von uns kann sozusagen zum Botschafter einer zukunftsgerichteten Energiepolitik werden, die Umweltaspekte und wirtschaftliche Aspekte gleichermaßen berücksichtigt.
Was sind denn aus Ihrer Sicht die wichtigsten Fragen, die energiepolitisch im Jahr 2026 diskutiert werden?
Peters: Ich schreibe seit vielen Jahren, dass diese Energiepolitik zum wirtschaftlichen Kollaps führen wird. Der Kollaps ist jetzt da. Und er liegt daran, dass Sonne und Wind zwar keine Rechnung schicken, aber die Integrationskosten wetterabhängiger Energien exponentiell mit ihrem Marktanteil zunehmen. Genau das beobachten wir gerade. Am Anfang war das noch relativ preisgünstig. Aber je mehr davon ins Netz integriert wird, desto stärker explodieren die Kosten für die Volkswirtschaft. Energie ist der wichtigste Schmierstoff jeder Zivilisation.
Also jede gesellschaftliche und wirtschaftliche Aktivität erfordert irgendwo Energie. Wenn Energie teuer ist, macht man einfach weniger davon. Wenn Energie preisgünstig ist, macht man mehr davon. Insofern wird der Respekt vor der Notwendigkeit preisgünstiger Energie für die Volkswirtschaft im Zeitalter der Wirtschaftskrise immer wichtiger werden. Das ist eine Debatte, die unvermeidlich ist. Sie wird auf uns Deutsche zukommen. Und je stärker die Wirtschaft abschmiert, desto mehr müssen wir darauf achten, an den richtigen Stellhebeln wieder zu drehen.
Im Übrigen glaube ich auch: Die Signale, die man aus der Union hört, zeigen, dass man das durchaus versteht, aber noch nicht genau weiß, wie man sich gegen die linksgrüne Meinungsführerschaft in den meisten Medien durchsetzen kann. Da ist Ihr Haus – Gott sei Dank – eine Ausnahme: Sie wachsen, die anderen schrumpfen. Aber das reicht kurzfristig noch nicht aus. Wir werden die Krise noch stärker nutzen müssen – ich nenne sie bewusst eine politisch gemachte Krise, weil man sie mit besserer Politik auch hätte abwenden können.
Und das ist letztlich auch eine Botschaft der Hoffnung. Gerade jetzt, auch jahreszeitlich passend mit Blick auf das Christfest: Wir brauchen positive Orientierungspunkte. Und meine Vorhersage für das neue Jahr wäre, dass wir diese Debatte sehr konzentriert führen werden.
Wie die Energiedebatte politisch geführt wird und warum die Bilanz des Jahres 2025 aus seiner Sicht besonders ernüchternd ausfällt, analysiert Energieexperte Fritz Vahrenholt. Er richtet den Blick weniger auf Narrative und Begriffe, sondern auf konkrete politische Entscheidungen – und ihre Folgen für Industrie, Arbeitsplätze und Versorgungssicherheit in Deutschland.

Fritz Vahrenholt gilt seit einigen Jahren als harter Kritiker der Energiewende.
Welchen Schlussstrich würden Sie aus energiepolitischer Sicht unter das Jahr 2025 ziehen?
Vahrenholt: Meine Antwort wäre: Diese Regierung ist schlimmer als die rot-grüne Vorgängerregierung. Warum? Weil um uns herum Unternehmen zusammenbrechen, verlagern oder Arbeitsplätze abbauen – und die Regierung handelt nicht. Sie glaubt, sie könne mit ein paar Subventionen das Problem lösen. Das ist aber nicht so. Insofern ist das mindestens genauso schlimm. Habeck war auch schon problematisch, aber schauen Sie sich das Heizungsgesetz an: Das alte Heizungsgesetz heißt jetzt Gebäudeenergiegesetz. Der Inhalt ist derselbe. Genauso wie beim Bürgergeld: Man ändert nur den Titel und tut so, als sei alles neu. Das ist eine neue Qualität von Politik – alten, abgestandenen rot-grünen Wein in neuen Schläuchen zu verkaufen und zu behaupten, jetzt schmecke er besser. Er schmeckt genauso schlecht.
„Die Regierung setzt im Kern das fort, was die alte Regierung gemacht hat“
2025 sind die Dinge noch schlechter geworden als vorher. Deshalb muss man sagen, die jetzige Regierung ist mindestens genauso schlecht wie die rot-grüne Vorgängerregierung. Warum? Weil Unternehmen zusammenbrechen, Arbeitsplätze abbauen oder abwandern, und die Regierung setzt im Kern exakt das fort, was die alte Regierung gemacht hat. Das Heizungsgesetz heißt jetzt Gebäudeenergiegesetz, aber es ist derselbe alte abgestandene rot-grüne Wein drin. Wie beim Bürgergeld: Man gibt dem Ganzen einen neuen Namen und verkauft es als neu. Und genau das finde ich schlimmer, weil diese Regierung dieselbe Politik fortsetzt, aber so tut, als würde sie etwas ändern. Sie will die Leute hinter die Fichte führen. Deshalb würde ich sagen: Es hat sich verschlechtert.
Aber eigentlich wurde doch großspurig angekündigt, man wolle auf Besserung setzen – etwa beim Ausbau von Speichermöglichkeiten für wetterabhängigen Strom oder beim Ausbau von Trassen und Leitungen. Warum sind Sie da so pessimistisch?
Vahrenholt: Weil die Regierung merkt, dass das alles Geld kostet. Und das muss bezahlt werden. Wir wissen ja: Diese Energiewende wird uns rund 5.000 Milliarden Euro kosten. Das kann eigentlich niemand bezahlen. Deswegen bin ich auch relativ zuversichtlich, dass die Politik irgendwann geändert werden muss. Und wenn diese Regierung es nicht tut, dann muss das Volk entscheiden und eine andere Regierung herbeiführen. Denn wenn wir so weitermachen, werden wir in Deutschland massive Wohlstandsverluste erleben. Mit diesen hohen Strompreisen werden wir die deutsche Industrie zerstören. Diese Regierung macht aber nichts anderes, als den Schmerz mit Subventionen ein wenig zu lindern.

Speichermöglichkeiten für wetterabhängigen Strom, wie hier in den Niederlanden, gibt es in Deutschland kaum.
Welche radikalen Maßnahmen bräuchte es denn aus Ihrer Sicht, um dieses Treiben zu beenden – oder zumindest einen echten Wandel einzuleiten?
Vahrenholt: Das Erste ist: Es darf kein weiteres Kraftwerk stillgelegt werden – weder Kohle- noch Gaskraftwerke. Zweitens müssen wir die eigene Erdgasförderung in Deutschland wieder hochfahren. Wir haben genügend Erdgas im eigenen Boden, etwa in der norddeutschen Tiefebene. Drittens müssen wir ernsthaft versuchen, die alten Kernkraftwerke wieder ans Netz zu bringen. Und viertens braucht es einen Stopp des weiteren Ausbaus der erneuerbaren Energien. Denn jedes zusätzliche Windkraftwerk macht die Energieversorgung instabiler. Wir werden 2026 zittern müssen, wenn die Sonne stark scheint, ob das Netz Schaden nimmt. Zu viel Solarstrom ist genauso problematisch wie Dunkelflauten im November, Dezember oder in den Wintermonaten, wenn weder Sonne noch Wind da sind. Dann hoffen wir darauf, dass uns die Nachbarn Strom liefern. Aber was, wenn sie ihn selbst brauchen? Das wird eine immer größere Zitterpartie, je mehr wir diese instabilen, fluktuierenden Wind- und Solarkraftwerke ausbauen.
„Ich gehe davon aus, dass wir auch 2050 und 2060 noch Gas aus unseren Leitungen beziehen werden“
Ich habe aber auch eine gute Nachricht: Wir haben aktuell sehr niedrige Gaspreise. Deshalb kann ich jedem nur sagen: Wenn Sie eine Gasheizung haben, sichern Sie sich das jetzige Gaspreisniveau. So niedrig war es seit Jahren nicht mehr. Zum einen liegen die amerikanischen Gaspreise sehr niedrig und wirken dämpfend auf den Weltmarkt. Zum anderen ist da eine gewisse Friedensdividende eingepreist: Die Märkte gehen davon aus, dass der Ukrainekrieg beendet wird und russisches Erdgas – vielleicht nicht über Deutschland, aber zumindest über Südosteuropa – wieder nach Europa fließen könnte. Deshalb sind die Gaspreise derzeit niedrig.
Die Gasnetzkosten werden allerdings steigen, weil auch die jetzige Bundesregierung daran festhält, dass die Gasnetze bis 2045 stillgelegt und zurückgebaut werden sollen. Deshalb werden die künftigen Abbaukosten schon heute in die Preise eingerechnet. Das ist völlig absurd. Ich gehe davon aus, dass wir auch 2050 und 2060 noch Gas aus unseren Leitungen beziehen werden. Diese Politik wird nicht erfolgreich sein, weil sie schlicht zu katastrophal und zerstörerisch ist.
Bevor wir so weit in Richtung 2050 oder 2060 schauen, lassen Sie uns noch bei 2026 bleiben. Was glauben Sie, werden dort die drei wichtigsten Themen sein – abgesehen von der Preisfrage?
Vahrenholt: Das erste Top-Thema wird sein: weitere Insolvenzen. Wir werden insbesondere in der Autozulieferindustrie ein weiteres Sterben von Industriebetrieben erleben. Wir werden weitere Verlagerungen von Industrie sehen. Deutschland wird beim Wohlstand weiter durchgereicht. Das wird sich 2026 fortsetzen. Und dann gibt es im nächsten Jahr eine Reihe von Wahlen. Die könnten durchaus etwas bewirken, nämlich dass die Bundesregierung merkt, dass die Bürger sich diese Politik nicht länger gefallen lassen.
Denn auch bei der Autopolitik hat man ja gesagt: Ja, wir haben jetzt das Verbrenner-Aus abgeschafft. Das stimmt hinten und vorne nicht. Tatsächlich hält man weiterhin daran fest. Deshalb müssen diese Wahlen der jetzigen Politik eine deutliche Standpauke sein. Und ich hoffe sehr, dass die Bürger diese Möglichkeit auch wahrnehmen.
Wir werden im nächsten Jahr außerdem feststellen – und das ist eine gute Nachricht –, dass die Klimapanikmache immer weiter nachlässt. Die nächste Klimakonferenz in Antalya wird nicht mehr diese Aufmerksamkeit bekommen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wird natürlich versuchen, den Menschen weiterhin Angst einzujagen und die fatale Energiewende hochzujubeln. Aber wir haben zum Glück auch alternative Medien wie Ihres, die dazu beitragen, dass den Menschen die tatsächlichen Nachrichten vermittelt werden. Deshalb könnte 2026 in die Geschichte eingehen als der Beginn vom Ende der rot-grünen Klimaindoktrination.
Das ist doch eine schöne Hoffnung, würde ich sagen. Vielen Dank für das Gespräch!
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