EU verteuert Fliegen drastisch! Müssen wir zukünftig immer in Istanbul umsteigen, um bezahlbar zu verreisen?
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Die Lufthansa verschreckte Reiselustige in dieser Woche mit der Meldung, dass sie einen „Umweltkostenzuschlag“ von bis zu 72 Euro pro Flugstrecke erheben wird. Gültig wird dieser ab dem 1. Januar 2025. Hintergrund sind neue EU-Regelungen, die das Fliegen teurer machen werden.
Bereits jetzt sind oftmals längere Urlaubsreisen mit Zwischenstopp – außerhalb der EU – beispielsweise in Istanbul deutlich günstiger. Hintergrund des „Umweltkostenzuschlags“ sind verschiedene EU-Vorschriften.
Ab 2025 müssen die Fluglinien beispielsweise einen sehr teuren Öko-Kraftstoff beimischen. Dieser sogenannte SAF (Sustainable Aviation Fuel) aus biogenen Reststoffen kostet, laut Lufthansa, aktuell drei- bis fünfmal so viel wie normales Kerosin. SAF der „nächsten Generation“ kostet sogar bis zu zehnmal so viel wie Kerosin.

Ab 2025 muss dem Kerosin im Sustainable Aviation Fuel beigemischt sein.
Ab 2025 müssen 2 Prozent des Treibstoffs bei Abflügen aus der EU SAF sein, bis 2030 steigt der Anteil auf 6 Prozent, ab 2035 auf 20 Prozent und ab 2050 sind sogar 70 Prozent vorgeschrieben.
Zusätzlicher Preisdruck durch EU-Emissionshandel und CORSIA
Auch der EU-Emissionshandel verteuert das Fliegen innerhalb Europas. Die Emissionen von CO2 durch den Luftverkehr werden seit 2012 durch einen Zertifikatehandel gesteuert und begrenzt. Der Preis für die CO2-Emissionsrechte ist in den letzten 7 Jahren von 5 EUR pro Tonne CO2 auf aktuell 66 Euro pro Tonne CO2 gestiegen. Zwischenzeitlich betrug der Preis sogar über 100 Euro pro Tonne CO2. Im vergangenen Jahr hat der Staat durch den Emissionshandel Rekordeinnahmen von rund 18,4 Milliarden Euro erzielt.
Experten erwarten, dass der CO2-Preis in Zukunft noch deutlich stärker steigen könnte. Genannt werden Werte von 250 bis 300 Euro pro Tonne CO2. Dies dürfte die Flugpreise weiter nach oben treiben. Seit 2021 werden zusätzlich Emissionen der Luftfahrtindustrie „kompensiert“, die über dem CO2-Ausstoß des von der International Civil Aviation Organization (ICAO) definierten Basiswert liegen. Dieser beläuft sich für die Jahre 2024 bis 2035 auf 85 Prozent der Emissionen aus dem Jahr 2019.
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Abflüge aus der Türkei günstiger
Wer in den letzten Monaten Flugverbindungen über Europa hinaus etwas verglichen hat, der stellt fest, dass oftmals Flugverbindungen über Istanbul zu den günstigsten gehören. Oftmals betrieben von der Turkish Airlines, die kleine klassische Billigflug-Linie ist, sondern in der höheren Service-Kategorie fliegt.

Abflüge aus der Türkei sind oftmals günstiger.
Teilweise absurd anmutende Routen, wie beispielsweise Deutschland – Istanbul – Südamerika, werden plötzlich preislich und servicetechnisch sehr attraktiv. Der Grund dafür sind die unterschiedlichen Kosten für die Fluglinien. Nicht nur sind die Landungs-, Passagier- und Servicegebühren in Istanbul pro Passagier deutlich günstiger, sondern sämtliche EU bzw. internationale Regeln greifen nicht für Abflüge aus der Türkei.
Abflüge von Istanbul nach beispielsweise Südamerika sind nicht durch den EU-Emissionshandel belastet. Ebenso wenig nimmt die Türkei zurzeit an der (bisher freiwilligen) Emissionsabgabe der ICAO teil. Erst ab 2027 wird diese für ICAO-Staaten verpflichtend.
Zukünftig könnte noch mehr Flugverkehr über Istanbul laufen
Zukünftig könnte der Wettbewerbsvorteil der türkischen Airlines und der Flughafen in Istanbul sogar noch zunehmen, da Abflüge aus der EU, der Schweiz oder dem UK mit (noch höheren) CO2-Abgaben und teuren Öko-Treibstoffbeimischungen verbunden sein werden.
Dies bedeutet nicht nur, dass Wertschöpfung einmal mehr aus Europa hinaus verlagert wird und Europäer – für einen günstigen Preis – Unannehmlichkeiten wie längere Flugrouten und Umstiege in Kauf nehmen müssen, sondern auch, dass das Umwelt-Vorhaben ad absurdum geführt wird. Darüber hinaus ist es mehr als zweifelhaft, dass durch den Verzicht auf CO2-haltige Treibstoffe in Europa der weltweite CO2-Ausstoß beeinflusst wird, da die Treibstoffe beziehungsweise die zugrundeliegenden Rohstoffe global gehandelt werden.
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