Evonik-Chef Kullmann fordert Abschaffung des Emissionshandels: „Volkswirtschaftlich ist das für Europa ein Wahnsinn“
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Christian Kullmann ist Chef des Chemiekonzerns Evonik. Das Unternehmen hat einen Umsatz von 15 Milliarden Euro und beschäftigt 32.000 Mitarbeiter. Kullmann sieht den EU-Emissionshandel kritisch, wie er in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung ausführt.
NIUS dokumentiert wichtige Aussagen des Chemiekonzern-Chefs.
Emissionshandel – eine Bleiweste für die deutsche Industrie?
„Ja. Wir haben weltweit das schärfste CO2 -Gebührenregime, aber das Klima kennt keine Grenzen. Ich halte es deshalb für völlig falsch, eine Industrie mit toller Technologie, die weltweit in der Spitzenklasse spielt, so scharf mit zusätzlichen Gebühren zu benachteiligen. Wir leben in Deutschland vom Export, auch die chemische Industrie.“
Über die Krise der Industrieunternehmen
„Die Konjunktur ist schwach, und die Verunsicherung ist groß. Hinzu kommen die hohen Kosten für Energie und Rohstoffe. In der Krise kommt die CO2-Gebühr noch obendrauf und benachteiligt die europäische Industrie zusätzlich im internationalen Wettbewerb. Zusätzlich importiert Europa massenweise Produkte aus Ländern mit echten CO2-Schleudern. Die sind dann erfolgreich, weil sie ohne diese Bleiweste, ohne diese zusätzliche CO2-Gebühr, arbeiten können. Das halte ich für sehr gefährlich für unsere Industrie, für unseren Wohlstand und für unser Wachstum. Darum sage ich: Das CO2-Gebührensystem muss weg, mindestens aber drastisch reformiert werden.“
Warum der Emissionshandel nicht funktionieren kann
„So ein System funktioniert nur, wenn der Rest der Welt mitmacht und wir damit ein vergleichbares Wettbewerbsumfeld haben. Der Rest der Welt macht aber nicht mit. Im Vergleich zu Asien und den USA werden nur wir durch die CO2-Gebühr zusätzlich belastet. Unsere Wettbewerbsfähigkeit wird massiv torpediert.“
Über den sogenannten Klimazoll, der alle außerhalb der EU treffen soll
„Nehmen wir einmal den Diktat-Deal, den die USA mit der EU zu den Zöllen gemacht hat. Danach können amerikanische Wettbewerber ihre Waren, mit welchen CO2-Emissionen, die auch immer produziert wurden, mit null Prozent Zoll nach Europa liefern. Wir dagegen zahlen hohe Zölle für Exporte in die USA. Die erste Botschaft ist: Europa kann im Zweifel, wenn es hart auf hart kommt, einen solchen Grenzausgleichsmechanismus gar nicht durchsetzen. Die zweite Botschaft ist: Dieser Mechanismus funktioniert überhaupt nicht. Wie wollen Sie denn zum Beispiel herausfinden, welche CO2-Bilanz ein Wettbewerber in Asien hat?“
Kann Europa Vorbild fürs Klima sein?
„Ich bin viel unterwegs und kann sagen: Europa ist kein Vorbild, und Europa ist auch kein Vorreiter. In Asien und Amerika höre ich immer wieder: Ihr habt eine so tolle Industrie und so tolle Technologien. Nutzt doch eure Stärken, statt euch selbst so zu belasten. Meiner Meinung nach ist Europa gerade ein Fallbeispiel dafür, wie man es nicht machen sollte.“
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