Ex-Greenpeace-Mann schwört auf Atomkraft: Unser Strom könnte grüner sein
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Sie sprechen das aus, was viele denken. Der Kernenergetiker Manfred Haferburg (75), die Technikhistorikerin Anna Vero Wendland (57) und der Stromunternehmer Thomas Eisenhuth (56) befürworten Atomenergie. NIUS hat die drei Experten zu diesem Thema befragt.
Der Kernenergetiker und Autor Manfred Haferburg widerspricht dem Kanzler Olaf Scholz (65), der meinte, die AKWs können nicht mehr reaktiviert werden. Er geht von mindestens sechs Kraftwerke aus, die wieder ans Netz angeschlossen werden könnten.

„Technisch ist es möglich, mindestens sechs Kraftwerke wieder anzuschließen" - Manfred Haferburg. Quelle: privat
„Die Energieversorger haben gestrichen die Nase voll vom Hickhack!“
Die Darstellung von Politikern wie dem Kanzler hält er für falsch. „Verantwortliche versuchen uns zu verkaufen, die Anlagen seien kaputt. Aber das ist falsch!" Sorgen macht Haferburg dagegen etwas ganz anderes: „Das Mangement der Energieversorger hat gestrichen die Nase voll vom Hickhack!“, prognostiziert er.

Angela Merkel befürwortete zunächst Kernkraft, um sie dann abzuschalten.
„Früher habe ich Atomkraft vor allem emotional betrachtet, dagegen argumentiert und demonstriert.“
„Erst der angekündigte Ausstieg unter Schröder, dann Laufzeitverlängerung unter Merkel, dann das gesetzwidrige Abschalten, dann ein erneutes Ausstiegsgesetz und anschließend die große Diskussion um eine dreimonatige Laufzeitverlängerung unter Scholz.“ Haferburg bezweifelt, dass die Versorger ein erneutes, politisches Experiment mit unklarer Planungssicherheit mittragen würden.
Das sieht der Energieunternehmer Thomas Eisenhuth ähnlich. Doch das war nicht immer so. „Ich war zehn Jahre meines Lebens sehr intensiv bei Greenpeace engagiert.“ Früher habe er Atomkraft vor allem emotional betrachtet, dagegen argumentiert und demonstriert.
„Stattdessen wird Kohlekraft hoch gefahren statt auf CO2-arme Atomenergie zu setzen“

Thomas Eisenhuth war viele Jahre bei Greenpeace. Heute sieht er die Bewegung kritisch. Quelle: privat
„Mit der Lebenserfahrung und meiner jahrelangen Arbeit in der Energiewirtschaft sehe ich die Technik heute viel mehr rational und erkenne die Vorteile.“ Heute hält Eisenhut das Risiko beherrschbar. „Stattdessen wird Kohlekraft hoch gefahren statt auf CO2-arme Atomenergie zu setzen.“
Gerade die politische Haltung der Regierung und manchen Medien kritisiert der Unternehmer. „Es wird permanent behauptet, dass die Welt bald untergeht. Ich halte das für komplett irre und verantwortungslos. So agieren Ideologen und fahren gerade eines der wichtigsten Industriestaaten der Welt an die Wand.“
Eisenhuths Firma kauft und verkauft vornehmlich Ökostrom in Österreich. Was das Thema Atomausstieg angeht, so kenne er keinen einzigen Kunden, die diesen für eine gute Idee hielten, so Eisenhuth. „Wenn, dann handelt es sich um Öko-Fundis oder die Photovoltaik- und Windbetreiber.“
Für die Technik- und Osteuropaexpertin Anna Vero Wendland liegt die Entscheidungsgewalt bei der Politik. „Wenn der politische Wille da ist, dann gibt es auch die Möglichkeit, die Kernkraft wieder zu nutzen. Binnen drei Wochen war beispielsweise die Gesetzesgrundlage zum Streckbetrieb geschaffen.“

Es fehlt laut Vero Wendland der politische Wille, Kernenergie weiterzubetreiben. Fotograf: Severin Osadchuk
Für die Kernenergieexpertin ist es nicht nachvolliehbar, dass Deutschland die Leistung von ca. drei Reaktorblöcken aus Frankreich importieren. „Das können wir auch selber!“, ist sich Frau Wendland sicher. Auch die Tatsache, dass die deutschen Kraftwerke im Gegensatz zu Anlagen aus anderen Ländern höherwertiger sind, bekräftigt ihre Haltung zu dieser Energiequelle.
„Isar 2 ist mit einer Verfügbarkeit von 97% vom Netz gegangen. Das ist sehr gut. In Frankreich liegt die Verfügbarkeit bei lediglich 75 Prozent - wenn überhaupt“. Verfügbarkeit bedeutet, dass der Strom tatsächlich auch abgenommen wurde und die Anlage störungsfrei läuft.

Den größte Vorteil von Photovoltaik ist die Niedrigschwelligkeit
Dennoch verteufelt Wendland die Photovoltaikanlagen nicht. Im Gegenteil: „Es handelt sich um Allerweltsanlagen: Das kann sich jeder ans Dach schrauben.“ Gerade diese Niederschwelligkeit sei der größte Vorteil der erneuerbaren Energien. „Die Schnappsidee ist jedoch, dass man ein Industrieland zu 100% aus erneuerbaren Energien versorgen kann.“ Sie präferiert einen Hybridtechnik aus Erneuerbaren und Atomenergie.
Fazit: Laut den drei Experten wäre es aus ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten sinnvoll, auf Kernenergie zu setzen. Doch die deutsche Politik sieht keinen Handlungsbedarf.
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