Faßnacht erklärt: Die Wirtschaft schrumpft wie zuletzt nur während Corona
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Vor nicht sehr langer Zeit ließ eine Steigerung des Auftragsvolumen für die deutsche Wirtschaft aufhorchen. Viele sahen darin ein erstes Zeichen für eine Kehrtwende aus der Rezession heraus. Beim genaueren Blick auf die Entwicklung stellte man jedoch schnell fest, dass es sich nur um einen einzigen Großauftrag aus der Luft- und Raumfahrtbranche gehandelt hatte.
Die Aufträge (inklusive des Großauftrages) stiegen um 7 Prozent. Eine Betrachtung ohne solche – sehr schwankenden – Großaufträge kam auf ein Absinken der Aufträge um 2,6 Prozent.
Nun bestätigen sich die Befürchtungen über die weitere wirtschaftliche Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft noch einmal.
Die Hälfte Deutschen geht davon aus, dass Deutschland in zehn bis 15 Jahren nicht mehr zu den führenden Wirtschaftsnationen zählen wird – ein Anstieg von 20 Punkten im Vergleich zu 2022.
Einer der wichtigsten Konjunkturindikatoren zur wirtschaftlichen Entwicklung, der Einkaufsmanagerindex der deutschen Wirtschaft, herausgegeben von S&P Global, meldet für die deutsche Wirtschaft noch einmal einen schlechteren Stand.
Die deutsche Wirtschaft schrumpf so schnell wie zuletzt während der Corona-Krise im Mai 2020. Der Indikator für die Gesamtwirtschaft erreicht ein 39-Monats-Tief und sank nun den vierten Monat in Folge. Maßgeblich dafür ist der bereits bekannte Rückgang im industriellen Sektor und nun auch ein Einbruch im Dienstleistungssektor.
Damit verschärft sich die deutsche Rezession noch einmal. Bisher war vor allem die Industrie, also das verarbeitende Gewerbe, im Fokus.
Steigende Energiekosten und Unsicherheit über die Energieversorgung setzen dem Sektor ordentlich zu. Jetzt meldet aber auch der Dienstleistungsbereich eine Schrumpfung.
Parallel setzt nun auch immer stärker eine schwächere Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen ein, aufgrund der gestiegenen Zinsen, die die Finanzierung erschweren.
Der Gesamt-Auftragseingang sinkt seit Mai diesen Jahres. In der Industrie brach das Neugeschäft so stark ein wie zuletzt im Mai 2020. Der Grund dafür ist ein Abbau des Lagerbestandes und eine Ausgabenzurückhaltung auf der Kundenseite.
Dies ist eine klassische Folge des Inflationszyklus:
Eine hohe Inflation vermittelt den Unternehmen den Eindruck einer besonders hohen Nachfrage nach ihren Produkten. Unternehmen stellen mehr Produkte her als in der Realität gebraucht werden. Das führt zu einem starken nominalen Wirtschaftswachstum. In Folge dessen erhöhen sich die Lagerbestände. Wenn dies festgestellt wird, dann steigen die Preise weniger stark oder beginnen zu sinken, weil die Lagerbestände abgebaut werden. Wenn allerdings die Lagerbestände abgebaut werden, werden weniger Produkte hergestellt. Die Wirtschaft verlangsamt sich.
Wesentlich für diesen Prozess ist die Geldpolitik. Also das Agieren der EZB, beispielsweise über die Leitzinsen. Die EZB hat in den letzten Monaten eine Kehrtwende in der Geldpolitik vollzogen und die Leitzinsen von 0 Prozent auf 4,25 Prozent angehoben. Ebenso hat sie den Banken günstige Kredite entzogen.
Diese Maßnahmen haben zu dem stärksten Einbruch der Kreditnachfrage seit dem Bestehen der Euro-Zone geführt. Ebenso hat der Euro sich von seiner Schwäche etwas erholen können. Die Folgen von einem stärkeren Euro, höheren Zinsen und höherer Energiepreise belasten die deutsche Industrie, die traditionell exportorientiert ist.
Die deutsche Industrie hat infolgedessen Arbeitsstellen abgebaut. Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist noch einmal angestiegen – gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozent auf 5,8 Prozent oder in Zahlen um 79.000 auf 2.696.000. Damit ist die Arbeitslosenzahl nun um 148.000 höher als im Vorjahr.
Eine entscheidende Entwicklung zur Zeit besteht darin, dass nun auch der Dienstleistungssektor nicht mehr zusätzliche Stellen schafft.
Die Probleme aus der Industrie haben sich also mittlerweile auch auf den Dienstleistungssektor übertragen. Zur Zeit sieht es nicht danach aus, dass der Dienstleistungssektor die deutsche Wirtschaft aus der Rezession ziehen wird, sondern eher, dass dieser der Industrie nachfolgt. Bedenkt man die Interaktionen zwischen beiden Sektoren und den starken Rückgang in der Industrie, dann kann dies kaum verwundern.
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Diego Faßnacht
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