Faßnacht erklärt: Warum Finanzexperten nervös nach Japan schauen!
Ein Beitrag von
Ein Hebelgeschäft – basierend auf geliehenen japanischen Yen – droht zu einer Gefahr für das weltweite Finanzsystem zu werden. Finanzexperten überall auf der Welt schauen nervös auf die Entwicklungen in Japan.
In fast allen westlichen Ländern wurden in den letzten 18 Monaten von den Zentralbanken die Zinsen erhöht. Doch die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt schert dabei aus. In Japan hat die Bank of Japan, die japanische Zentralbank, das Zinsniveau bei -0,1 Prozent belassen.
Spekulanten nutzen japanische Minuszinsen
Das nutzen japanische Investoren und Spekulanten. Sie verschulden sich in japanischen Yen und kaufen damit Vermögenswerte in den USA oder Europa wie Staatsanleihen oder Aktien.
Staatsanleihen in den USA bringen mittlerweile 4,5 bis 5,5 Prozent Zinsen pro Jahr (je nach Laufzeit). In Europa sind 2,8 bis 4,9 Prozent pro Jahr drin (je nach Land und Laufzeit).
Die Kirsche auf der Sahnetorte war für japanische Investoren und Spekulanten, dass durch die massive Kapitalflucht aus Japan der japanische Yen immer tiefer gefallen ist.

Reale Kapitalflucht aus Japan.
War ein US-Dollar im Jahre 2021 noch 103 japanische Yen wert, so stieg der Wert des US-Dollar (und sank entsprechend der Wert des japanischen Yen) auf fast 150 japanische Yen.
Für die Spekulanten bedeutet dies, dass sie nicht nur höhere Zinsen in US-Dollar oder Euro bekommen, als sie in Yen zahlen müssen, sondern auch, dass ihre Schulden im Verhältnis zu ihrem Vermögen immer weniger wurden.
Reale Implikationen
Doch der immer schwächere Yen hat auch für die Japaner reale Implikationen. Die Importe werden deutlich teurer. Ähnlich wie die Europäer sind die Japaner auf den Import von Rohstoffen angewiesen.
Der Ölpreis in Yen gerechnet stieg zuletzt um über 55 Prozent an. Das treibt die Inflation in Japan.

Der Ölpreis in Yen fiel dramatisch.
Als der japanische Yen im vergangenen Jahr das erste Mal auf die Marke von 1/150 US-Dollar sank, reagierte die japanische Zentralbank mit dem Verkauf von US-Dollar-Währungsreserven, um die heimische Währung zu stützen. Das tat sie das erste Mal seit den 90er Jahren.
Japan ist hochverschuldet
Der japanische Staat ist zu ca. 250 bis 260 Prozent seiner jährlichen Wirtschaftsleistung verschuldet. In Deutschland sind es knapp 66 Prozent. Selbst in den europäischen Südstaaten ist die Staatsverschuldung deutlich niedriger als in Japan. Um diese Schulden zu finanzieren, kauft die japanische Zentralbank die Staatsschulden auf, um das Refinanzierungsniveau zu drücken. In den letzten 10 Monaten ließ sie dieses allerdings von 0,0 Prozent bis auf 0,77 Prozent ansteigen, um die Zinsdifferenz zu anderen wesentlichen Währungen und die Kapitalflucht zu reduzieren.
Trotz aller Versuche ist der japanische Yen nun wieder stark gefallen und ein US-Dollar ist 150 japanische Yen wert.
Warum bereitet das Sorgen?
Die Zentralbank muss die heimische Währung verteidigen, wenn sie nicht immer mehr Inflation ins Land importieren möchte. Jede ihrer Handlungsmöglichkeiten könnte allerdings das internationale Finanzwesen durchwirbeln.
Verkauft die japanische Zentralbank noch einmal US-Dollar (und damit US-Staatsanleihen), führt dies zu einem noch höheren Zinsniveau in den USA. Das Zinsniveau in den USA ist allerdings in den letzten 18 Monaten bereits so schnell und stark gestiegen wie selten zuvor. So schnelle und starke Erhöhungen des Zinsniveaus haben in der Vergangenheit regelmäßig zu Krisen am Kapitalmarkt geführt.
Lässt die Bank of Japan hingegen das Zinsniveau in Japan ansteigen, dann reduziert sich die Zinsdifferenz zwischen den Währungen. Für japanische Anleger und Spekulanten wäre eine Verschuldung in japanischen Yen nun weniger attraktiv als zuvor.

Eine Krise in Japan hätte auch Auswirkungen auf Deutschland.
Wenn die Bank of Japan ihre Politik erfolgreich umsetzen würde und der japanische Yen sich gegenüber anderen Währungen erholt, dann könnten japanische Anleger und Spekulanten unter Druck geraten, ihre Positionen schnell aufzulösen (also amerikanische und europäische Vermögenswerte zu verkaufen), da ihre Schulden im Wert steigen und parallel ihr Vermögen (in Yen gerechnet) schrumpft.
Wenn dies allerdings passiert, dann könnten Kapitalmärkte auf beiden Seiten des Atlantiks ins Wanken geraten. Deshalb verfolgen Finanzexperten zur Zeit ganz genau, was in Japan passiert.
Eine besondere Brisanz hat das Thema, weil die Japaner sehr stark im Ausland investieren und eins der vermögendsten Völker der Welt sind.
Mehr NIUS:
Mercedes-Aufsichtsratsvorsitzender Brudermüller: „Die Situation in Deutschland ist viel ernster, als die meisten denken“
Bier seit 1627: Braunschweiger Traditionsbrauerei Wolters stellt Insolvenzantrag
Deutsche sparen vor allem bei Kleidung und Restaurantbesuchen
VW zieht Stellen-Kahlschlag durch: 50.000 Jobs sollen weg
Kredit-Poker: 12.000 Galeria-Mitarbeiter bangen um ihre Jobs
Wer einen limitierten Ferrari will, muss zuerst das E-Auto kaufen
Cyberangriff auf dänischen Pharmakonzern! Erpresser verlangen 25 Millionen US-Dollar
Immer teurer: Für viele stirbt der Traum vom Eigenheim
Mehr NIUS:
VW zieht Stellen-Kahlschlag durch: 50.000 Jobs sollen weg
Kredit-Poker: 12.000 Galeria-Mitarbeiter bangen um ihre Jobs
Wer einen limitierten Ferrari will, muss zuerst das E-Auto kaufen
Cyberangriff auf dänischen Pharmakonzern! Erpresser verlangen 25 Millionen US-Dollar
Immer teurer: Für viele stirbt der Traum vom Eigenheim
Wird Werbung für Fleischprodukte bald verboten?
SpaceX ist fast so viel wert wie der gesamte DAX
Wirtschaftsrat-Boss warnt: Bundesregierung droht auf dem harten Eis der neuen Zeit auszurutschen
Diego Faßnacht
Artikel teilen
Kommentare