Faßnacht erklärt: Warum ist die deutsche Produktivität heute niedriger als vor 16 Jahren?
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Der Anstieg des wirtschaftlichen Wohlstandes eines Landes ist mit seiner Produktivität verbunden. Über viele Jahrzehnte stieg die Produktivität der Deutschen konstant an. Das hat zu entsprechenden Wohlstandssteigerungen geführt.
Das Produktivitätsniveau wird in Deutschland, gemäß Daten der Deutschen Bundesbank, als realer Wert, der von einer Arbeitseinheit in einer bestimmten Zeit produzierten Leistung, gemessen.

Bis 2017 stagnierendes, ab 2017 fallendes Produktivitätsniveau in Deutschland (Quelle: Deutsche Bundesbank)
Seit Beginn der Datenaufzeichnung bis zum Jahre 2008 stieg dieses Niveau recht kontinuierlich an. Daraufhin stagnierte das Produktivitätsniveau bis zum Jahre 2017 mehr oder weniger. Seit dem Jahre 2017 stellen wir fest, dass das Produktivitätsniveau fällt.
Die Produktivität in Deutschland ist heute knapp zehn Prozent niedriger als noch vor sechs Jahren.
Dass es sich dabei sicher nicht um eine generelle Entwicklung „gesättigter“ Volkswirtschaften handelt, zeigt die Entwicklung in den USA. Dort ist die Produktivität heute 25 Prozent höher als noch im Jahre 2007.

Produktivitätsniveau USA: steigend (Quelle: U.S Bureau of Labor Statistics)
Welche Faktoren sind verantwortlich für die Produktivitätsentwicklung?
Blicken wir auf die wesentlichen Faktoren für die Produktivitätsentwicklung, verstehen wir auch, warum diese in Deutschland heute niedriger ist als im Jahre 2007.
Positiv auf die Produktivitätsentwicklung wirken eine bessere Bildung und Qualifikation von Arbeitskräften, technologische Innovationen (beispielsweise Fortschritte bei der Digitalisierung und Automatisierung), Infrastrukturverbesserungen (Verkehrswege, Kommunikationsnetze und Energieversorgung), Investitionen von Unternehmen in die Forschung und Entwicklung, geringere bürokratische Hürden, ein flexibler Arbeitsmarkt und freier Welthandel.
Negativ hingegen wirken Bildungslücken, Bürokratie, Korruption, mangelnde Ressourcen, eine fehlgeleitete oder inkonsistente Wirtschaftspolitik und eine global nicht wettbewerbsfähige Wirtschaft.
Schlechte Bildung, wenig Digitalisierung, verfallende Infrastruktur und zu viel Bürokratie
Der Bildungsmonitor 2023 der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft kommt zu dem Ergebnis, dass die Schulqualität in Deutschland sinkt und die Bildungsarmut zunimmt. Im Langzeitvergleich ist festgestellt worden, dass das Bildungsniveau bis zum Jahre 2013 in vielen Segmenten gewachsen sei, seitdem aber beständig fällt.
Dass Deutschland bei der breiten Umsetzung technologischer Fortschritte wie der Digitalisierung im internationalen Vergleich hinterherhinkt, ist ebenso keine Neuigkeit.
Nicht fahrende Züge, kaputte Autobahnbrücken und Stau, Flughäfen mit langen Wartezeiten und eine Energieversorgung, die immer öfter dazu führt, dass große Unternehmen ihre Produktion unterbrechen müssen: Auch beim Thema Infrastruktur dürfte es nicht verwundern, dass diese in den letzten 15 Jahren keineswegs dazu beigetragen hat, die Produktivität der Deutschen zu steigern.

Lückenhafte Energieversorgung könnte in Zukunft zu einem noch größeren Problem werden.
Nachvollziehbare Entwicklung und lösbare Probleme
Ineffiziente Verwaltungen und Bürokratie tragen sicherlich nichtr unwesentlich dazu bei, dass Produktivitätsfortschritte ausgeblieben sind. Man denke da nur an Bürokratiemonster wie die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO).
Darüber hinaus war es maßgeblich auch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die in den letzten 15 Jahren dazu beigetragen hat, dass der Innovationsdruck für deutsche Unternehmen zurückgegangen ist.
Der Euro ist von seinem Höchststand von 1,60 US-Dollar auf 1,05 US-Dollar (teilweise noch tiefer) gefallen, so dass Exporte aus Deutschland auch ohne außerordentliche Innovationen günstiger geworden sind. Das über lange Zeit niedrige Zinsniveau führte dazu, dass viele Unternehmen lediglich niedrigere Renditen erwirtschaften mussten, um sich am Markt behaupten zu können.

Die Zinspolitik der EZB nahm den Unternehmen den Innovationsdruck.
Die sinkende Produktivität in Deutschland ist also insgesamt gut nachvollziehbar. Sie ist das Ergebnis der Rahmenbedingungen, mit denen die Wirtschaftsakteure konfrontiert sind.
Die positive Nachricht ist, dass fast alle Probleme gelöst werden könnten. Es bedürfte nur des politischen Willens.
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