Finanzminister Pierrakakis in Berlin: „Deutschland kann viel von Griechenland lernen“
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So wie Kyriakos Pierrakakis wurde wohl noch kein griechischer Finanzminister in Berlin empfangen. „Deutschland kann viel von Griechenland lernen“, wird er diese Woche begrüßt. Und „Die Rollen haben sich vertauscht.“
Vor zehn Jahren diskutierten die europäischen Regierungschefs über einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Das Land war ein Bittsteller, es brauchte ein drittes Rettungspaket. Das Bruttoinlandsprodukt war in der Krise um ein Viertel gesunken, die Schuldenlast um 200 Prozent gestiegen, die Arbeitslosigkeit lag bei 28 Prozent. Die Bundesregierung unter der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) drang auf harte Reformauflagen. Wenn ein griechischer Politiker nach Berlin reiste, musste er sich vor allem Belehrungen anhören, wie das Handelsblatt schreibt.
Kein Bittsteller, sondern gefragter Tippgeber
Davon war Pierrakakis jetzt weit entfernt. Mit Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) sprach er über weitere Schritte bei der europäischen Kapitalmarktunion und mit Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) über die Modernisierung der Verwaltung. Die hatte Pierrakakis in früherer Funktion erfolgreich in Griechenland vorangetrieben. Der Grieche ist in Berlin kein Bittsteller, sondern ein gefragter Tippgeber.
Griechenland sei für Deutschland eine Inspiration, sagt der Finanzminister. Es gebe unterschiedliche Wege, um dieses Ziel zu erreichen. „Wir sollten unsere Finanzen in Ordnung bringen“, sagt er. „Wir müssen für Wachstum sorgen und als EU-Mitglied wettbewerbsfähig bleiben.“
Für Pierrakakis ist die Lehre aus Griechenlands Krise klar: „Wenn man nicht die richtigen politischen Maßnahmen ergreift, kommt es nie zu einer Erholung.“ Vor einiger Zeit habe die Regierung die „größte Steuersenkung in unserer Geschichte“ verabschiedet. Nach der Prognose des Ministers wird die Steuerreform rund 0,6 Prozentpunkte zum Wirtschaftswachstum von 2,4 Prozent im kommenden Jahr beitragen.
Wohlklingende Worte, schöne Aussichten – und das aus Griechenland, dem einstigen Kellerkind Europas. Beneidenswert!
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