Frankreichs Rechte wollen eigenes Stromnetz – die Folgen für Deutschland wären katastrophal
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Jetzt könnte die deutsche Energiewende vollends in die Krise geraten!
Frankreich könnte in Zukunft keinen günstigen und CO2-freien Atom-Strom mehr nach Deutschland liefern. Eigenes Stromnetz, eigene Preise, weg vom europäischen Stromhandel lautet nämlich der Plan führender Politiker des Rassemblement National, das am Sonntag mit seinen Verbündeten bei den Parlamentswahlen in Frankreich mit 33 Prozent mit Abstand am meisten Stimmen gesammelt hat.
„Frankreich muss aus dem europäischen Energiemarkt aussteigen, um wieder eine autonome Stromproduktion und günstigere Strompreise zu garantieren“, sagte der Vorsitzende der konservativen Les Républicains (LR), Eric Ciotti, dem Sender France 2. Vom Spitzenkandidaten des Rassemblement National, Jordan Bardella, waren ähnliche Worte zu hören.

Die Spitzen des Rassemblement National: Marine Le Pen und Jordan Bardella
Derzeit sind alle europäischen Länder über ein Verbundnetz miteinander verbunden – so wird Strom über Grenzen hinweg gehandelt, um die Versorgungssicherheit zu erhöhen, vor allem aber um die Kosten für die Herstellung von Strom zu senken. Hauptprofiteur: Deutschland.
Haupt-Strom-Lieferant für Deutschland: Frankreich
Im ersten Halbjahr 2024 wurden 11,25 Milliarden Kilowattstunden Strom mehr aus dem Ausland importiert, als Deutschland ins Ausland exportierte. Etwa 5 Milliarden davon (44 Prozent) kamen unterm Strich aus Frankreich – noch mehr als aus dem sonstigen Haupt-Import-Land Dänemark (4,59 TWh). Französischer Strom sorgt also zentral für die Stabilität des Strompreises in Deutschland.
Zur Versorgungssicherheit sagt CSU-Energiepolitiker Andreas Lenz zu NIUS: „Man sieht einmal mehr, dass das Thema Versorgungssicherheit auch national gedacht werden muss, zumal es zu wenige Regeln gibt, die das europäische Zusammenspiel garantieren.“ Die Ampel würde bei dem Thema versagen, „insbesondere was die fehlende Kraftwerkstrategie betrifft“, so Lenz weiter.

CSU-Energiepolitiker Andreas Lenz
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Plötzlich ohne Importe: deutscher Strom dutzendfach teurer als im Ausland
Was ein Wegfall des Stroms aus Frankreich und anderen Nationen bedeuten kann, zeigte der vergangene Donnerstag: Weil an der europäischen Strombörse epexspot wegen eines technischen Fehlers Strom-Importe und -Exporte nicht einberechnet werden konnten, wurde Deutschland als alleinstehende Strom-Zone betrachtet, was den Preis in schwindelerregende und nicht wettbewerbsfähige Höhen trieb. Während Frankreich in der Herstellung 2,96 Euro für 1000 Kilowattstunden Strom bezahlte, waren es in Deutschland satte 492,04 Euro – etwa 166 Mal so viel.
Auch im restlichen europäischen Ausland lagen die Stromentstehungskosten zigfach unter denen in Deutschland.
Das sei ein Beleg dafür, dass Deutschland für eine sichere und günstige Versorgung mit Strom auch von Exporten aus dem Ausland abhängig ist, so der Geschäftsführer eines großen europäischen Stromhändlers zu NIUS: „Dass Deutschland ein Kapazitätsproblem hat, ist allen im Stromhandel-Segment klar, aber wie stark sich das auswirken kann, hätten selbst unsere erfahrensten Analysten überrascht.“

So unterschiedlich waren die Preise für die Strom-Herstellung am vergangenen Donnerstag.
Ohnehin schaut das Ausland argwöhnisch auf die deutsche Energiewende!
Bereits vor einem Jahr hatte Frankreichs damalige Energieministerin Agnès Pannier-Runacher die deutsche Energiepolitik heftig kritisiert – weil sich Deutschland mit seinem Fokus auf die wetterabhängigen Energiequellen Wind und Sonne zu sehr von seinen Nachbarn abhängig mache: „Deutschland riskiert, mehr und mehr von der Atomenergie seiner Nachbarn abhängig zu werden. Jedes Land muss seiner Verantwortung nachkommen, die eigene Versorgung sicherzustellen und einen Beitrag zur Stabilität des europäischen Netzes zu leisten“, sagte sie damals dem Handelsblatt.

Agnès Pannier-Runacher war bis Februar Frankreichs Energieministerin.
Erst vor wenigen Wochen hatte die schwedische Regierung den Bau einer riesigen Stromleitung zwischen Schweden und Deutschland abgelehnt. Begründung von Energieministerin Ebba Busch: „Wir können Südschweden, das ein großes Defizit in der Stromproduktion hat, nicht mit Deutschland verbinden, wo der Strommarkt heute nicht effizient funktioniert.“
Deutschland wäre also Haupt-Leidtragender, würden die französischen Rechten Ernst machen und tatsächlich Frankreich vom europäischen Stromnetz abkoppeln. Doch der Plan wird in Frankreich kritisch gesehen. „Ohne einen europäischen Strommarkt würden wir uns noch stärkeren Preisschwankungen und sogar dem Risiko von Stromausfällen aussetzen“, schrieb Catherine MacGregor, die Chefin des französischen Energieversorgers Engie in La Tribune.
Ohnehin muss erst der zweite Wahlgang in Frankreich zeigen, inwieweit der Rassemblement National eine Mehrheit erreichen und den für Deutschland so gefährlichen Strom-Plan in die Tat umsetzen könnte.
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